Schlagwortarchiv für: Unterstützung

VdK-Studie

VdK-Studie: Jeder dritte pflegende Angehörige überfordert

VdK-Studie

Henning Schacht

10.05.2022 – Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich stark belastet und können die Pflegesituation nur schwer oder nicht mehr bewältigen. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie zur Situation in der häuslichen Pflege, welche die Hochschule Osnabrück im Auftrag des Sozialverbands VdK durchgeführt hat.

Die Studie basiere auf einer Online-Befragung von 56.000 Menschen im vergangenen Jahr.

Demnach seien 72 % der Pflegenden weiblich. Etwa die Hälfte versorge ein Elternteil.

Jeder zweite pflegende Angehörige sei bereits im Rentenalter und körperlich selbst nicht mehr fit. 63 % gaben an, dass sie täglich unter körperlichen Beschwerden litten und 59 %, dass sie wegen der Pflege die eigene Gesundheit vernachlässigen. 

Wunsch nach mehr Entlastungsangeboten

Obwohl die Mehrheit der Befragten sich mehr von den bisher möglichen Entlastungsangeboten wie Tages- und Nachtpflege (61 % der Befragten), Kurzzeitpflege (77 % der Befragten) oder Verhinderungspflege (84 % der Befragten) wünsche, werde ein Großteil dieser Leistungen von ihnen nicht in Anspruch genommen.

Laut VdK sind die Gründe für diesen Widerspruch zum einen, dass es nicht genügend Kapazitäten professioneller Pflegeanbieter gibt. So hätten 49 % der Befragten angegeben, dass nicht genug Tagespflegeplätze zur Verfügung stehen und 56 %, dass es zu wenige Kurzzeitpflegeplätze gibt.

Zum anderen seien die oft hohen Zuzahlungen ein Grund für die geringe Inanspruchnahme. Mehr als die Hälfte der Befragten schrecke dies davon ab, eines der Entlastungsangebote in Anspruch zu nehmen.

Sie befürchteten, dass vom Pflegegeld, welches 82 % der Befragten bekommen, sonst zu wenig übrigbleibt.

VdK-Studie: Antragsverfahren schreckt viele ab

Das Antragsverfahren und die Dauer des Prozederes der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege schrecke zudem jeden fünften der Befragten ab.

„Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung, und zwar eine, die auch wirklich zur Verfügung steht, zu ihren Bedürfnissen passt und sie unbürokratisch erreicht“, fasste VdK-Präsidentin Verena Bentele die Ergebnisse der Befragung auf einer Pressekonferenz am Montag zusammen.

Ihr zufolge ist eine grundlegende Reform der Unterstützungsleistungen nötig. Ein einheitliches Budget, in das alle Ansprüche einfließen, hilft laut VdK vielen Menschen mehr.

Bentele konkretisierte:

„Dann würden nicht genutzte Leistungen auch nicht mehr verfallen. Man nutzt das Geld für die Leistung, die einem was bringt. Zudem muss es möglich sein, dass damit auch die Personen bezahlt werden, die die Betroffenen schnell und verlässlich unterstützen und entlasten können: die Nachbarin, jemand aus dem Freundeskreis, Ehrenamtliche.“

Dies würde das System übersichtlicher machen und es vereinfachen.

Unabhängige Beratung notwendig

„Dringend notwendig ist zudem eine unabhängige Beratung“, so Bentele. Denn die Studie zeige auch, dass pflegende Angehörige deutlich weniger Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, wenn sie keine Beratung erhalten.

Wenn pflegende Angehörige beraten werden, steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Pflegeleistung nutzen, um ein Vielfaches. Im Fall der Tagespflege etwa von 17 % auf 83 %.

Bentele sagte weiter:

„Die Ergebnisse bestätigen: Die häusliche Pflege ist am Limit. Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde. Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflege-Zukunft entgegen!“

Kampagne zur Unterstützung pflegender Angehöriger gestartet

Mehr als 80 % der insgesamt 4,1 Mio. Pflegebedürftigen in Deutschland würden zu Hause von nahestehenden Menschen versorgt – entweder allein oder mithilfe von ambulanten Pflegediensten.

Die VdK-Studie zeige, dass auch in Zukunft die meisten Deutschen die Pflege zu Hause der in einem Pflegeheim vorziehen.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Aus diesem Grund hat der VdK am Montag mit der Präsentation der Studienergebnisse die Kampagne „Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung“ zur Stärkung der häuslichen Pflege gestartet.

„Häusliche Pflege steht nur für den Ort, wo gepflegt wird. Es geht aber um viel mehr: Die Beziehung zwischen Pflegebedürftigem und Pflegendem. Diese Beziehung ist sehr emotional und von Liebe geprägt. Deshalb sprechen wir nicht mehr von häuslicher Pflege, sondern von Nächstenpflege“, sagte Bentele dazu.

Menschen, die ihre Nächsten zu Hause pflegen, hätten keine Lobby und keine Zeit für ihre Belange auf die Straße zu gehen. „Deshalb geben wir ihnen eine Stimme“, sagte die VdK-Präsidentin zum Auftakt.

Den Anfang machte der VdK am Montag mit einer Demonstration ohne Menschen vor dem Kanzleramt, für die er die Botschaften seiner pflegenden Mitglieder auf Schilder gedruckt und aufgestellt hat.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Mentorenprojekt

Mentorenprojekt für Handwerksbetriebe zur Unterstützung Erwerbstätiger pflegender Angehöriger gestartet

Mentorenprojekt

GettyImages/skynesher

06.05.2022 – Im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen) ist das Mentorenprojekt „Erwerbstätige pflegende Angehörige: Mentorship für Handwerksbetriebe“ gestartet. Das Projekt soll Betrieben helfen, Mitarbeitenden, die einen Angehörigen pflegen, zu unterstützen. Das soll die Familienfreundlichkeit von Handwerksbetrieben verbessern und sie für Fachpersonal attraktiver machen.

Das Projekt ist Teil des von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ geförderten Projekts „münster.land.leben“ an der Fachhochschule Münster (FH Münster).

Betriebe bräuchten Ideen, um gutes Fachpersonal zu finden und zu halten, teilte die FH Münster Anfang April mit. Familienfreundlichkeit sei ein wichtiger Baustein. Die Unterstützung pflegender Mitarbeitender sei für viele Unternehmen jedoch Neuland.

Mentorenprojekt: Erfahrungen an andere weitergeben

Über das Mentorenprojekt könnten Unternehmen, die bereits Erfahrung mit pflegenden Mitarbeitenden hätten, ihr Wissen an andere Betriebe weitergeben.

Als erster Mentor wolle nun die Unternehmensgruppe Pietsch ihre Erfahrungen an die Kreishandwerkerschaft Borken weitergeben.

Begleitet wird das Projekt dabei von der Wirtschaftsförderung Borken, dem Fachbereich Gesundheit der FH Münster sowie dem Institut HeurekaNet in Münster. Das Angebot sei für die teilnehmenden Unternehmen kostenlos.

Keine Sorge um den Job in einer Notsituation

Geschehe ein Unfall oder trete eine plötzliche Erkrankung auf, müssten Angehörige in kürzester Zeit viel bedenken. Da sei es beruhigend, wenn der Job zunächst in den Hintergrund treten dürfe, so die FH Münster.

„Mitarbeitende in Akutsituationen sind oft erst mal gar nicht in der Lage zu reden“, sagt Rendel Pietsch von der Unternehmensgruppe Pietsch.

„Darum vermitteln wir ihnen als Erstes: Du bist nicht in Gefahr, sondern kannst deine Prioritäten anders setzen.“

Mitarbeitende wissen Engagement zu schätzen

Das Unternehmen habe nach eigenen Angaben bereits seit 2015 im Rahmen einer lebensphasenorientierten Personalplanung auch die wachsende Gruppe der pflegenden Angehörigen im Blick.

So stünden bspw. Pflegelotsen für alle Standorte als erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung.

Das zahle sich laut Pietsch aus, die Mitarbeitenden wüssten das Engagement und die Achtsamkeit ihres Arbeitgebers zu schätzen.

Der Zeitaufwand sei gering, der Nutzen groß, meint auch Thomas Oelschläger von HeurekaNet. Er werde den Austauschprozess moderieren.

Oelschläger erläutert weiter:

„Wenn Unternehmen die Situation der pflegenden Mitarbeitenden kennenlernen, können sie auch unterstützende Maßnahmen entwickeln – ein Schritt zum attraktiven Arbeitgeber, der seine Fachkräfte finden und binden kann.“

Weitere Teilnehmer gesucht

Interessierte Betriebe und Organisationen, die an dem Projekt teilnehmen möchten, können sich telefonisch unter der Nummer 0178/ 9 15 34 01 bei Oelschläger melden.

„Gesucht werden Handwerksbetriebe, die sich um ihre pflegenden Kolleginnen und Kollegen bemühen möchten und ein halbes Jahr lang einmal im Monat zwei Stunden in ein gemeinsames Treffen investieren wollen“, so die FH Münster. 

Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse in den teilnehmenden Betrieben verankert und erprobt werden – sodass die Mitarbeitenden am Ende eine „echte Unterstützung“ erführen.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

pflegende Eltern

5 Handlungsempfehlungen zur Unterstützung pflegender Eltern

pflegende Eltern

Getty Images/Patryce Bak

07.04.2022 – Der Bundesverband „wir pflegen“ setzt sich dafür ein, pflegende Eltern “endlich” als gleichberechtigte Partner in der Familien- und Pflegepolitik wahrzunehmen. Aktuell werde diese Personengruppe nicht ausreichend berücksichtigt. Der geschäftsführende Vorstand Sebastian Fischer sagte am Dienstag auf einer digitalen Pressekonferenz:

“Das System der häuslichen pflegerischen Versorgung ist auf die Seniorenpflege ausgerichtet. Angefangen bei den Beratungsstellen, über Entlastungsangebote bis hin zur Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln. Die Bedarfe pflegender Eltern kommen überall zu kurz, das muss endlich in den Blick genommen werden.”

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Massive Einschnitte in persönliche Freiheit der pflegenden Eltern

Denn die ohnehin prekäre Situation pflegender Eltern habe sich in der Corona-Pandemie verschärft. Dringend benötigte Unterstützungsleistungen stünden auf dem Pflegemarkt oft nur eingeschränkt oder überhaupt nicht zur Verfügung. Pflegeverträge würden kurzfristig gekündigt, insbesondere bei beeinträchtigten Kindern mit sehr hohem Pflegeaufwand.

Die Pflege eines Kindes sei in der Regel eine lebenslange Aufgabe und bedeute massive sowie dauerhafte Einschnitte in die finanzielle und persönliche Freiheit der pflegenden Eltern. Parallel zur Pflege sei eine bezahlte Erwerbstätigkeit nahezu unmöglich – nicht zuletzt wegen der fehlenden Betreuungsangebote, des ambulanten Pflegenotstands und mangelhafter Inklusion an Kitas und Schulen, kritisierte Fischer. Sein Verein fordert deshalb einen Paradigmenwechsel in der Unterstützung pflegender Eltern und dringendes Handeln der Politik.

Paradigmenwechsel in der Unterstützung pflegender Eltern nötig

Eine in dieser Woche veröffentlichte Handlungsempfehlung fasst die wichtigsten Punkte zur Unterstützung pflegender Eltern zusammen:

  • Abbau von Bürokratie und Verwaltungsaufwand
  • Erleichterung der Hilfs- und Heilmittelbewilligung
  • Zugehende, fallspezifische Beratung
  • Kita und Schule: Recht auf Bildung, Gemeinschaft und Betreuung
  • Aufbau und Ausbau aller Entlastungs- und Unterstützungsangebote

Die Leiterin der Selbsthilfegruppe “Teilhabe jetzt!”, Verena Sophie Niethammer, hat die Handlungsempfehlung miterstellt und erläuterte, dass Eltern von Kindern mit Behinderungen häufig auf sich allein gestellt sind. Zwar hätten Kinder mit Behinderung theoretisch viele Rechte – meist müssten diese aber erst vor Gericht erstritten werden. Zudem erhielten Eltern weder einen Lohn für ihre Care-Arbeit, noch könnten sie Feierabend machen oder Urlaub nehmen.

Finanzielle Nöte pflegender Eltern 

Pflegesensible Regelungen, z. B. Teilzeitrecht und Pflegekranktage, fehlten in der Arbeitswelt. Niethammer verdeutlichte:

“Viele pflegende Mütter landen gesellschaftlich und wirtschaftlich im Abseits und ihre Gesundheit und Psyche leidet unwiederbringlich. Die Krönung dabei ist – wer sich aktuell Unterstützung holt, wird dafür noch abgestraft. Da beispielsweise bei Hospizaufenthalten das Pflegegeld nicht weitergezahlt wird.”

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegeberatung

Entlastung durch qualifizierte Pflegeberatung

Pflegeberatung

GettyImages / .fotogestoeber

Wer pflegeempfangende Menschen betreut, benötigt häufig Unterstützung. Eine individuelle Pflegeberatung soll pflegeempfangenden Menschen und deren Angehörigen helfen, die notwendige Unterstützung zu planen und zu erhalten. Die Entlastung der Angehörigen spielt eine wichtige Rolle. Wir zeigen, wo alle Beteiligten Hilfe bekommen und woran man eine gute Pflegeberatung erkennt.

Weiterlesen

Masterplan für pflegende Angehörige

Handlungsempfehlung zur Stärkung pflegender Angehöriger

Masterplan für pflegende Angehörige

Getty Images/Westend61

02.11.2021 – Der Bundesverband “wir pflegen – Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger” hat am Montag einen Masterplan zur Entlastung und Stärkung pflegender Angehöriger vorgelegt. Die 16-seitige Handlungsempfehlung richtet sich an die Teilnehmenden der aktuellen Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP.

Position der 5 Mio. pflegenden Angehörigen stärken 

Rd. 5 Mio. pflegende Angehörige seien die tragende Säule im Pflegesystem – im Sondierungspapier der voraussichtlich künftigen Ampelregierung würden sie aber nicht einmal erwähnt, so der Vorwurf des Verbands.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Der Vorstand von “wir pflegen”, Frank Schumann, sagte am Montag:

“Der echte Pflegenotstand zeigt sich in der Häuslichkeit. Die Ampel-Koalition hat jetzt die einmalige Chance, die bisherigen Versäumnisse in der Pflegepolitik zu korrigieren. Wir benötigen schnellstens einen Masterplan Pflege und keine Politik der kleinen Schritte. Neben Verbesserungen der professionellen Pflege muss die häusliche Pflege im Koalitionsvertrag berücksichtigt werden, schließlich werden 80 Prozent der hilfebedürftigen Menschen von ihren An- und Zugehörigen gepflegt und versorgt.”

36-monatige Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige einführen

Der Bundesverband hat insgesamt 8 Punkte ausgearbeitet, mit denen pflegende Angehörige künftig als gleichberechtigte Partner in der Pflege agieren könnten:

  1. Weiterentwicklung der Entlastungsleistungen mit Entlastungsbudget
    • Einzelbudgets für Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Tagespflege, Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittelpauschale zusammenführen
    • bürokratische Hürden und einschränkenden Regularien der Nutzung abbauen
    • Dynamisierung des Budgets mind. in Höhe der Inflationsrate
  2. Keine Armut durch Pflege und bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
    • Verbesserung der rentenrechtlichen Absicherung pflegender Angehöriger vor und nach dem Altersrenteneintritt
    • Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf etwa über die Zahlung einer Lohnersatzleistung für 36 Monate analog zum Elterngeld
  3. Bedarfsgerechte Weiterentwicklung von Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtpflegeangeboten sowie ambulanter Pflegeversorgung
    • Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Tagespflege analog zum Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung
    • Entwicklung und Erprobung von Angeboten für spezielle Betroffenengruppen, z. B. pflegebedürftige Kinder und Erwachsene unter 60 Jahren mit rein körperlichen Einschränkungen
  4. Planung und Steuerung
    • Einberufung eines Pflegegipfels
    • Erarbeitung eines Masterplans Pflege, der ressort- und akteursübergreifend die Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung angeht
  5. Beteiligung pflegender Angehöriger an Entscheidungsprozessen (Partizipation)
    • Aufnahme einer Interessenvertretung pflegender Angehöriger mit Stimmrecht in die Landespflegeausschüsse der Länder
    • Regelmäßiger Erfahrungsaustausch mit dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung
  6. Entwicklung und Förderung zielgerichteter Entlastung für spezielle Zielgruppen von pflegenden Angehörigen, z. B. Familien pflegebedürftiger Kinder und pflegende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
    • Schaffung verlässlicher Betreuungs- und Entlastungsangebote für pflegende Familien
    • Einbindung eines landesweiten telefonischen und digitalen Beratungsangebots für pflegende Kinder und Jugendliche in das regionale Hilfenetz
  7. Finanzierung der Pflege
    • Deckelung der Pflegeeigenanteile
    • Anspruch auf eine Pflegevollversicherung
  8. Weiterentwicklung von Information und Beratung in der häuslichen Pflege
    • Weiterentwicklung der Pflegeberatung zu einer neutralen, zugehenden, qualifizierten und unabhängigen Pflegeberatung aus einer Hand
    • Gewährleistung einer einheitlichen und qualitativ hochwertigen Durchführung der Beratungsbesuche

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Hilfe-Telefon

Ein Hilfe-Telefon gegen Einsamkeit

Hilfe-Telefon

Foto: Silbernetz/Schärf

Pflegende Angehörige haben ein erhöhtes Risiko für Einsamkeit. Mit dem Silbernetz e. V. steht ein bundesweit agierendes, kostenfreies Hilfs- und Kontaktangebot für ältere Menschen zur Verfügung. Weiterlesen

Online-Hilfe "Familiencoach Krebs"

Neue Online-Hilfe für Angehörige von Krebs-Patienten

Online-Hilfe "Familiencoach Krebs"

Getty Images/Kohei Hara

04.06.2021 – Seit Juni können Angehörige von Krebs-Erkrankten das neue Online-Programm „Familiencoach Krebs“ von AOK, Universitätsklinikum Leipzig und Krebsinformationsdienst nutzen. Das kostenfreie und anonym nutzbare Angebot soll Angehörige unterstützen und vor emotionaler, körperlicher oder sozialer Überlastung schützen.

Wichtiges Wissen zu Krebs

Zudem informiert der „Familiencoach Krebs“ über die Entstehung, Diagnose und Behandlung verschiedener Krebs-Erkrankungen und beantwortet sozialrechtliche Fragen.

Die Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Leipzig, Anja Mehnert-Theuerkauf, sagte:

„Angehörige müssen oft das Familien- und Arbeitsleben sowie emotionale, körperliche und soziale Belastungen unter einen Hut bringen, während sie einem nahen Menschen helfen, mit einer lebensbedrohlichen Krankheit zu leben.“

Ängste und Sorgen, Beziehungsprobleme, aber auch Entscheidungen rund um die Behandlung seien mitunter sehr belastend.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

„Der Familiencoach Krebs soll Angehörige und Freunde bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützen.“

Über Krebs sprechen

Das Angebot der Online-Hilfe ist modular aufgebaut. Dazu gehören u. a.:

  • “Gut für sich sorgen”: Tipps für Angehörigen, wie sie die eigene psychische Belastung bewältigen können.
  • “Beziehungen stärken”: Wie Betroffene und Angehörige schwierige Gespräche über das Thema Krebs führen können, wie die Kommunikation mit Kindern gut gelingen kann oder wie die Erkrankung die Partnerschaft beeinflusst.
  • “Sich hilfreich fühlen”: Hier erfahren Angehörige, wie sie Krebserkrankte unterstützen können. Z. B. dabei, mit Angst, Wut und Frustration infolge der Krebserkrankung richtig umzugehen.

In den Rubriken „Wissen über Krebs“, „Behandlungen“ und „Krebsarten“ stehen Informationen über die Erkrankung und moderne Therapiemöglichkeiten im Vordergrund.

Die Leiterin des Krebsinformationsdienstes, Susanne Weg-Remers, sagte:

„Nichts ist schlimmer als die Angst vor dem Unbekannten. Wer mehr über Krebs weiß, fühlt sich sicherer und kann Patienten besser bei Entscheidungen unterstützen.“

Mehr als eine halbe Mio. Krebs-Erkrankte jährlich

Das Robert Koch-Institut geht aktuell von mehr als 500.000 Krebsneuerkrankungen pro Jahr in Deutschland aus.

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, sagte:

„Eine Krebserkrankung belastet auch die Angehörigen. Das Online-Selbsthilfeprogramm bietet hier niederschwellige und wissenschaftlich basierte Informationen, die sie jederzeit flexibel nutzen können.”

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Nachbarschaftshilfe

Nachbarschaft als Netzwerk und für Hilfe nutzen

Nachbarschaftshilfe

Getty Images/Sladic

01.06.2021 – Hilfe aus der Nachbarschaft kann Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nachhaltig unterstützen und entlasten – sofern die Nachbarschaftshilfe organisiert wird. Denn: Hilfebedarfe und Hilfsangebote finden nicht immer zusammen. An diesem Punkt setzt das Projekt „Förderung von Nachbarschaftshilfe durch Servicepunkte“ des Bundesministeriums für Gesundheit und des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) an.

In 5 Bundesländern erprobt

Nach 3-jähriger Entwicklungs- und Forschungszeit – von 2017-2020 – sei laut KDA klar: Die Arbeit in den örtlichen Servicepunkten trage erheblich dazu bei, Nachbarschaftshilfe zu fördern und die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen in ihren eigenen 4 Wänden zu verbessern.

Im Projekt wurden die Angebote bestehender Organisationen wie etwa die von Pflegestützpunkten, Mehrgenerationenhäusern, Seniorenbüros und Freiwilligen-Agenturen in den 5 Bundesländern Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland und Schleswig-Holstein durch die Einrichtung von insgesamt 56 Servicepunkten erweitert. So wurde eine Unterstützungsstruktur durch eine wohnortnahe Netzwerkarbeit geschaffen.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Die Stützpunkte boten dabei (rechtliche und versicherungstechnische) Beratung, Vermittlung und Begleitung der Nachbarschaftshelfenden und der Hilfe suchenden Menschen an und haben dabei geholfen, die passenden Tandems zusammenzubringen.

KDA-Vorsitzender Helmut Kneppe sagte in der Vorwoche:

„Wir haben festgestellt, dass es ein großes Potenzial an Hilfsbereitschaft gibt. Viele Menschen haben Freude daran, sich in ihrem Viertel zu engagieren, oft auch solche, die bisher noch nicht – etwa in einem Verein – ehrenamtlich aktiv waren.“

Gerade die einfache, niederschwellige Alltagshilfe spreche die Menschen an. Und diese Alltagshilfe könne mit Servicepunkten besser vernetzt werden.

Die Ehrenamtlichen hätten einem Nachbarn oder einer Nachbarin mit Pflegebedarf bei täglichen Dingen geholfen. Dabei handele es sich ausdrücklich nicht um pflegerische Tätigkeiten, betonte das KDA.

Pflegegesetz sieht Förderung vor

Kneppe verweist darauf, dass das Pflegegesetz (§ 45a SGB XI) sogar ausdrücklich eine Förderung solch einer ehrenamtlichen Unterstützung vorsieht – verbunden mit einer anerkannten Hilfe ist etwa ein Versicherungsschutz des Helfenden und die Möglichkeit, bis zu 125 Euro im Monat als Ersatz für Auslagen zu erhalten (Entlastungsbetrag).

Der KDA-Vorsitzende resümiert:

„Die Frage war: Kann mithilfe der Servicepunkte die Nachbarschaftshilfe so gefördert werden, dass Pflegebedürftige nachhaltig unterstützt werden? Die Antwort ist ein klares Ja. Wir sollten es also nicht dem Zufall überlassen, ob sich Hilfsbereitschaft und Hilfebedarf wirklich finden, sondern durch organisierende Strukturen nachhelfen.“

 

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Corona-Hilfen

Corona-Krise: Akuthilfen für pflegende Angehörige verlängert

Corona-Hilfen

Gett Images/Sladic

06.04.2021 – Die Corona-Krise belastet Familien von Pflegebedürftigen immer noch schwer. Pflegende Angehörige benötigen weiterhin flexible Unterstützungsangebote und Entlastungen. Der Bund hat deshalb erneut seine Akuthilfen verlängert, diesmal bis 30. Juni 2021.

Das bedeutet im Detail:

Fortführung einer längeren Unterstützung in einer akuten Pflegesituation

Pflegeunterstützungsgeld und kurzzeitige Arbeitsverhinderung: Beschäftigte erhalten bis zu 20 Arbeitstage lang Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung (statt 10 Tage). Außerdem wird Pflegeunterstützungsgeld auch gewährt, wenn ein Engpass in der pflegerischen Versorgung entstanden ist – wenn die akute Pflegesituation aufgrund der COVID-19-Pandemie aufgetreten ist. Dafür können Beschäftige ebenfalls bis zu 20 Tage der Arbeit fernbleiben.

Familienpflegezeit und Pflegezeit weiterhin flexibler nutzen

Beschäftigte mit gleichzeitigen Pflegeaufgaben können die Familienpflegezeit und Pflegezeit weiterhin flexibler nutzen, wenn der Arbeitgeber zustimmt:

  • Wer die Höchstdauer einer Auszeit für pflegebedürftige nahe Angehörige bisher nicht ausgeschöpft hat, kann sich erneut von der Arbeit freistellen lassen. Während der Pandemie ist eine mehrfache Inanspruchnahme möglich und die Freistellungen müssen weiterhin nicht in unmittelbarem Anschluss genommen werden.
  • Es genügt, die Familienpflegezeit mind. 10 Tage vor dem Beginn schriftlich beim Arbeitgeber anzukündigen.
  • Die Ankündigung von Pflegezeit und Familienpflegezeit kann weiterhin in Textform statt in Schriftform erfolgen, eine Ankündigung per Mail reicht also aus.
  • Während einer Familienpflegezeit kann die Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden bis zu einen Monat lang unterschritten werden.
Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Zusätzliche finanzielle Unterstützung

  • Flexiblere Nutzung des Entlastungsbetrags in Höhe von 125 Euro für notwendige Hilfen, z. B. durch Nachbarn. Gilt bei Pflegegrad 1 in häuslicher Pflege.
  • Nicht genutzte Entlastungsbeträge aus dem Vorjahr können bis 30. September 2021 verwendet werden und verfallen nicht, wie normalerweise, schon im Juni.
  • 60 Euro statt 40 Euro für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, wie Mundschutze und Desinfektionsmittel – diese Regelung gilt sogar bis 31. Dezember 2021.
  • Zur Abfederung von Einkommensausfällen während der Pflegezeit und Familienpflegezeit kann ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden. Pandemiebedingte Einkommensausfälle können auch weiterhin bei der Ermittlung der Darlehenshöhe auf Antrag unberücksichtigt bleiben. Pandemiebedingte Rückzahlungsschwierigkeiten können auf Antrag erleichtert werden.

Beratungsangebote

Weitere Informationen für pflegende Angehörige gibt es auf dem Portal “Wege zur Pflege”. Zudem können sich Betroffene unter der Rufnummer 030 20 179 131 oder per Mail (info@wege-zur-pflege.de) an das Pflegetelefon wenden.

Das Pflegetelefon bietet fachliche Informationen zu allen Leistungsansprüchen und Unterstützungsmöglichkeiten im Pflegekontext.

Des Weiteren bietet es Beratung und Hilfestellung insbesondere auch für Angehörige in belastenden und kritischen Situationen. Bei der Vermittlung zu Beratungsangeboten vor Ort nimmt das Pflegetelefon eine Lotsenfunktion ein.

Die Beratungsgespräche sind anonym und vertraulich. Das Pflegetelefon berät von Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr.

Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Besondere Hilfe und Unterstützung bietet das Projekt “Pausentaste” für Kinder und Jugendliche, die sich um Angehörige kümmern. Wenn sie Sorgen oder Probleme haben, können sie bei der “Nummer gegen Kummer” anrufen: 116 111. Dort helfen ihnen bundesweit von Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr Beraterinnen und Berater – anonym und kostenlos.

 

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Entlastung

Entlastung für die Seele: Kostenfreier Ratgeber für pflegende Angehörige

Entlastung

Getty Images/Kathrin Ziegler

11.03.2021 – Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) hat ihre kostenfreie Broschüre „Entlastung für die Seele – Ratgeber für pflegende Angehörige“ aktualisiert.

Tipps für den Umgang mit den eigenen Kräften

Auf 80 Seiten gibt die BAGSO Tipps, wie ein gesunder Umgang mit den eigenen Kräften gelingen kann. Denn die häusliche Pflege von Angehörigen kann sehr herausfordernd sein. 

Der Ratgeber zeigt Möglichkeiten der Entlastung auf, gibt eine Übersicht über konkrete Unterstützungsangebote und ermutigt dazu, rechtzeitig Hilfen von außen in Anspruch zu nehmen.

Hilfreiche Angebote in Zeiten von Corona

Ein eigenes Kapitel ist hilfreichen Angeboten in Zeiten von Corona gewidmet.

Der Ratgeber kann kostenfrei als PDF von der BAGSO-Webseite heruntergeladen oder als ebenfalls kostenfreies Hörbuch via Mail über bestellungen@bagso.de bestellt werden.

Die Publikation wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung erstellt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.