Schlagwortarchiv für: psychische Belastung

Altersdepression

Online-Angebot hilft Angehörigen, Altersdepression zu erkennen und Erkrankte zu unterstützen

Altersdepression

GettyImages/ Maskot

03.03.2022 – Mit einem neuen Online-Angebot will die AOK die Aufmerksamkeit für das Thema „Depressionen im Alter“ erhöhen. In ihrem „Familencoach Depression“ gibt es daher einen neuen Bereich, der Angehörigen helfen soll, Altersdepressionen bei betroffenen Menschen zu erkennen und sie zu unterstützen. Das teilte die Krankenkasse am vergangenen Donnerstag mit.

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, sagt dazu:

 „Dass depressive Erkrankungen jeden treffen können und gut behandelbar sind, ist inzwischen weitgehend bekannt. Aber die meisten denken bei dem Thema kaum an ältere oder hochbetagte Menschen.“

Laut einer Studie seien 17 % der älteren Menschen über 75 Jahren von depressiven Symptomen betroffen, so die AOK. Unter Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen seien es sogar bis zu 50 %.

Laut Reimann sei zudem auch wenig bekannt, dass die Suizidrate bei älteren Menschen am höchsten ist.

Altersdepression: Familienangehörige sensibilisieren

Mit ihrem Angebot wolle die Krankenkassen Familienangehörige und Freunde von älteren Menschen für Anzeichen einer Altersdepression sensibilisieren, sie über Behandlungsmöglichkeiten informieren und bei der gemeinsamen Bewältigung der Erkrankung mit Tipps unterstützen.  

Entwickelt hat das neue Modul Elisabeth Schramm vom Universitätsklinikum Freiburg in Zusammenarbeit mit Michael Hüll, Chefarzt der Klinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie in Emmendingen.

Schramm betont:

„Gerade bei Depressionen im Alter ist es oft so, dass die Betroffenen von sich aus keine professionelle Hilfe suchen würden. Daher sind das Einbeziehen und die Information der Angehörigen besonders wichtig.“

Ihr zufolge ginge es darum, sich auch im höheren Alter immer wieder an Veränderungen anzupassen – wie beispielsweise körperliche Einschränkungen, der Eintritt in den Ruhestand, der Wegfall wichtiger Aufgaben oder der Abschied von langjährigen Weggefährten, so die AOK.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Depressive Störungen könnten laut der Expertin schwerwiegende Folgen haben:

„Sie gehen mit einem Verlust an Lebensqualität, kognitiven Beeinträchtigungen und einer erhöhten Suizidgefahr einher – und sie wirken sich oft auch ungünstig auf den Verlauf bestehender körperlicher Erkrankungen aus.“

Zudem würden die Symptome einer Depression im Alter manchmal auch mit einer beginnenden Demenz verwechselt.

Angehörige entlasten

Das Online-Angebot orientiere sich bei der Wissensvermittlung u. a. an Inhalten von sog. Psychoedukations-Kursen, welche die Belastung von Angehörigen nachweislichen senken könnten.

Das neue Online-Angebot sei eines von insgesamt 5Modulen im “Familiencoach Depression” und für jeden Interessierten kostenfrei sowie anonym nutzbar.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Lebensmüdigkeit

Lebensmüdigkeit bei pflegebedürftigen Menschen ernst nehmen

Lebensmüdigkeit

GettyImages/ fizkes

17.02.2022 – Mit Lebensmüdigkeit oder sogar Suizidgedanken eines pflegebedürftigen Angehörigen umzugehen, kann sehr belastend sein. Deshalb informiert das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in einem neuen Ratgeber, woran Angehörige Lebensmüdigkeit oder sogar Suizidgedanken bei pflegebedürftigen Menschen erkennen und wie sie damit umgehen können.

Ältere pflegebedürftige Menschen hätten häufig mit mehreren fortschreitenden Erkrankungen zu kämpfen sowie mit verschiedenen körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen, so das ZQP.

Dazu gehörten z. B. stark nachlassende eigene Fähigkeiten, chronische Schmerzen, Angst vor zunehmender Hilfebedürftigkeit, Verluste von Beziehungen oder mangelnde soziale Einbindung.

Dies könne zu einer inneren Krise führen und die Motivation nehmen, weiterzuleben. Laut ZQP spreche man dann von Lebensmüdigkeit.

Hinweise auf Lebensmüdigkeit

Hinweise darauf seien auch Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Desinteresse oder ein starker Rückzug, aber auch Sätze wie: „Ich will nicht mehr“ oder „Ich möchte einfach einschlafen und nicht mehr aufwachen“. Lebensmüdigkeit könne bis zu Suizidalität reichen.

ZQP Vorstandsvorsitzender Ralf Suhr verdeutlichte:

„Was genau gegen Lebensmüdigkeit und Suizidalität zu tun ist, hängt von der individuellen Situation ab. Grundlage dafür ist, dass man der betroffenen Person gut zuhört und einfühlsam nachfragt. Denn es ist wichtig herauszufinden, was die konkreten Ursachen sind und was die pflegebedürftige Person besonders belastet. Dann kann man passende Hilfe suchen, zum Beispiel praktische, soziale oder psychotherapeutische Unterstützung.“

Anzeichen bemerken und richtig deuten

Mitunter werden laut ZQP entsprechende Anzeichen bei älteren pflegebedürftigen Menschen vielleicht nicht bemerkt, nicht ernst genommen oder ignoriert. Sie seien aber in der Regel Ausdruck von hohem Leidensdruck und sollten auch so verstanden werden.

Diese Problematik greift das ZQP in seinem neuen Kurzratgeber „Wenn ältere pflegebedürftige Menschen lebensmüde sind“ auf. Die Broschüre ist  in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Suizidpräventionsprogramm entstanden.

In einfachen Worten wird darin erläutert, was unter Lebensmüdigkeit und Suizidalität zu verstehen ist, was die Ursachen dafür sind und welche Warnsignale darauf hindeuten. Zusätzlich sind Tipps enthalten, wie Betroffenen geholfen werden kann.

Suhr sagt:

„Insbesondere pflegende Angehörige sind nicht selten über Jahre mit den Themen Lebensende, Sterben und Tod konfrontiert. Das kann sehr traurig machen sowie auch erhebliche Folgen für die Pflegesituation oder für andere persönliche Beziehungen haben. Daher ist es wichtig, dass Unterstützungs- und Entlastungsangebote für Angehörige bereitstehen und genutzt werden.“

Interessierte können den 4-seitigen Ratgeber kostenlos auf der Webseite des ZQP bestellen oder als PDF herunterladen.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegehaushalt_Belastung

Report: Rund ein Viertel der Pflegehaushalte „sehr stark belastet“

Pflegehaushalt_Belastung

Getty Images/Shestock

09.09.2020 – Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist für rund jeden vierten Pflegehaushalt zeitlich und psychisch sehr stark belastend. Das geht aus einer Befragung für den „Pflege-Report 2020“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. „Die Leistungsangebote der Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren deutlich ausgebaut und flexibler gestaltet worden. Trotzdem ist jede vierte Person, die einen Angehörigen zu Hause pflegt, durch die Pflege insgesamt hoch belastet“, sagte Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO und Mitherausgeberin des Pflege-Reports.

Psychische Belastung

Auf Grundlage der sogenannten „Häusliche-Pflege-Skala“ (HPS), die z. B. Aspekte wie körperliche Erschöpfung, Lebenszufriedenheit und psychische Belastung beinhaltet, zeige sich für knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen eine „hohe Belastung“ und für 43 Prozent eine „mittlere Belastung“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung des WIdO. Lediglich bei etwa einem Drittel der Befragten sei sie niedrig.

Zeitliche Belastung

Zudem habe die Befragung ergeben, dass die zeitlichen Belastungen der Haushalte ungleich verteilt seien. Demnach brachte die Hälfte der pflegenden Angehörigen etwa 4 Stunden und weniger täglich für die Pflege auf, ein Viertel der Haushalte hingegen mindestens 7,6 Stunden. Angehörige, die eine Person mit den Pflegegraden 3 bis 5 oder mit einer demenziellen Erkrankung versorgten, seien besonders gefordert: Ein Viertel von ihnen leistete etwa 10 Stunden pflegerische Tätigkeit täglich. Jeder 10. Haushalt berichtete Pflegezeiten von 20 Stunden und mehr pro Tag.

Finanzielle Belastung

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Pflegehaushalte tragen durchschnittlich nur geringe finanzielle Eigenbeteiligungen. So wende nur jeder vierte Pflegebedürftige selbst Eigenleistungen für die Pflege und Betreuung zu Hause auf. Diese belaufen sich dem Report zufolge im Durchschnitt auf etwa 250 Euro monatlich. „Insgesamt zeigen sich deutlich geringere finanzielle Belastungen als in der vollstationären Pflege, wo die Eigenanteile – und zwar nur für Pflege und Betreuung – im vergleichbaren Zeitraum zur Befragung im 4. Quartal 2019 im Durchschnitt 775 Euro betrugen“, so Schwinger.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Unterstützungsbedarf in anderen Bereichen

Als problematisch betrachteten die meisten befragten Personen aber eher andere Bereiche. Die Hälfte gab an, sich mehr Unterstützung auf den Gebieten „Körperpflege, Ernährung und Mobilität“, „Betreuung und Beschäftigung im Alltag“ sowie bei der „Führung des Haushalts“ zu wünschen.

Für die Studie befragte das Institut Forsa im Auftrag des WIdO von Dezember 2019 bis Januar 2020 etwa 1.100 pflegende Angehörige.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.