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Pflegeunterstützungsgeld, Pflegezeit und Familienpflegezeit


Unterstzützung für berufstätige pflegende Angehörige: Pflegeunterstützungsgeld, Pflegezeit, Familienpflegezeit

(c) canva

In Deutschland werden mehr als 2 Millionen Menschen zu Hause gepflegt – zwei Drittel davon ausschließlich durch Angehörige. Mittlerweile gibt es verschiedene gesetzliche Hilfen, wie Pflegeunterstützungsgeld, Pflegezeit und Familienpflegezeit, um der Pflegesituation trotz Berufstätigkeit gerecht zu werden.

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Häusliche Pflege: Nein sagen lernen

Häusliche Pflege: Auch mal Nein sagen

Häusliche Pflege: Nein sagen lernen

(c) AndreyPopov_Canva

E inen Angehörigen zu pflegen, ist eine weitreichende Entscheidung. Häusliche Pflege bedeutet unter anderem, Zeit, Aufmerksamkeit, Präsenz und Liebe zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus ist es eine große Verantwortung, die freiwillig übernommen wird. Diese Verantwortung wollen wir in der Regel gut ausfüllen und sind bereit, dafür viel zu tun. Sie kann jedoch zu einer emotionalen und auch körperlichen Last werden. Weiterlesen

Hausnotrufsysteme

Hausnotrufsysteme: Das müssen Sie wissen

Hausnotrufsysteme

Getty Images/SilviaJansen

Manche Menschen, die pflegebedürftig sind, müssten rund um die Uhr beaufsichtigt werden. Doch wie können Angehörige in der häuslichen Pflege das leisten? Andere Menschen brauchen zwar keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, sind jedoch anfällig für Verletzungen, zum Beispiel, weil sie unter Schwindelanfällen leiden und sturzgefährdet sind. Es gibt viele Situationen, in denen ältere und pflegebedürftige Menschen plötzlich medizinische Hilfe benötigen. Hausnotrufsysteme können hier für mehr Sicherheit sorgen. Wie sie funktionieren und was Sie bei der Auswahl beachten sollten, lesen Sie in diesem Beitrag. 

Was sind Hausnotrufsysteme?

Ein Hausnotrufsystem ist ein elektronisches Meldesystem, mit dem Sie per Knopfdruck medizinische Hilfe holen können. Der Notruf wird über einen Funksender ausgelöst, den Sie um den Hals tragen können, als Clip am Hosenbund oder als Armband. Die Verbindung zur Notrufzentrale wird durch ein Notrufgerät mit Freisprecheinrichtung sichergestellt. Die Reichweite für das Funksignal beträgt circa 50 Meter.

Für wen sind Hausnotrufsysteme sinnvoll?

Ältere Menschen oder Menschen mit gesundheitlichen Problemen haben oft Sorge, dass sie sich im Notfall nicht bemerkbar machen können. Vor allem dann, wenn sie unter einer chronischen Krankheit leiden oder sturzgefährdet sind, kann ein Hausnotrufsystem für mehr Sicherheit sorgen.

Andererseits können Hausnotrufsysteme auch Belastungen der häuslichen Pflegesituation reduzieren. Sie können einen pflegebedürftigen Angehörigen dann auch einmal beruhigt aus den Augen lassen, um Einkäufe zu erledigen oder Besorgungen zu machen. Außerdem können Hausnotrufsysteme dazu beitragen, dass ältere und pflegebedürftige Menschen länger zu Hause wohnen bleiben können.

In diesen Situationen kann ein Hausnotrufsystem sinnvoll sein:

  • Wenn eine pflegebedürftige oder ältere Person allein lebt
  • Nach Operationen
  • Wenn sie Angst vor Stürzen hat
  • Nach einem Herzinfarkt
  • Bei Gehbehinderungen, Sehbehinderungen oder Hörbehinderungen
  • Wenn wiederkehrende Schwächeanfälle ein Problem sind
  • Nach einem Schlaganfall
  • Bei chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes oder Asthma

Wie funktionieren Hausnotrufsysteme?

Es gibt analoge und digitale Geräte. Zurzeit ist die analoge Technologie weiter verbreitet. Die digitale Technologie wird sich jedoch langfristig etablieren, weil sie mit der Digitalisierung der Telefonnetze Schritt halten kann. Digitale Notrufgeräte funktionieren mit jedem Internetanschluss oder IP-basierten Telefonanschluss. Ihre Leistungsfähigkeit hängt aber nicht von der Datenübertragungsgeschwindigkeit ab.

Praxistipp

Lassen Sie sich bei der Installation des Notrufsystems von einer Fachkraft beraten. Testen Sie bei Inbetriebnahme, ob der Notruf aus allen Räumen Ihrer Wohnung, aus dem Garten, vom Dachboden und aus dem Keller funktioniert.

Klären Sie bei älteren Telefonanschlüssen (DSL- oder ISDN-Anschlüsse), was passiert, wenn die Leitungen nicht funktionieren, zum Beispiel bei einem Stromausfall. Überlegen Sie, ob Sie besser ein Gerät anschaffen, das mit einer SIM-Karte ausgestattet werden kann. So funktioniert es über die Mobilfunknetze.

Mobile Hausnotrufsysteme

Mobile Hausnotrufsysteme sind vor allem dann praktisch, wenn man viel allein unterwegs ist. Sie können also für pflegebedürftige Personen mit gut erhaltener Selbstständigkeit interessant sein,  zum Beispiel für Rollstuhlfahrer. Diese Hausnotrufgeräte lassen sich per GPS-Technologie orten. Dank einer SIM-Karte bieten sie so die Möglichkeit, sich über das Mobilfunknetz mit der Notrufzentrale zu verbinden.

Vorteile und Nachteile von mobilen Hausnotrufsystemen

Vorteile von mobilen HausnotrufsystemenNachteile von digitalen Hausnotrufsystemen
Ortung der hilfsbedürftigen Person möglichBei Nutzung des eigenen Handys für den Notrufdienst können Kompatibilitätsprobleme auftreten: Nicht alle Gerät und Mobilfunkanbieter unterstützen die Technologie
Personen mit eingeschränkten Kommunikationsfähigkeiten können Hilfe anfordernZuverlässigkeit kann bei nicht fachgerechten Einstellungen eingeschränkt sein
Für Menschen, die viel unterwegs sind geeignetEin spezielles Handy wird empfohlen (Zusatzkosten)

So läuft die Notrufkette ab

  1. Die hilfsbedürftige Person fühlt sich unwohl oder stürzt.
  2. Sie drückt den Knopf des Funksenders, der um ihren Hals hängt, als Clip am Hosenbund befestigt ist oder am Armband.
  3. Durch den Knopfdruck wird ein Funksignal an die Basisstation übertragen.
  4. Die Basisstation verbindet sich mit der Notrufzentrale.
  5. Der Notruf geht bei der Notrufzentrale ein und über die Freisprecheinrichtung der Basisstation wird ein Sprechkontakt mit der Notrufzentrale hergestellt.
  6. Der Mitarbeiter in der Notrufzentrale sieht auf dem Bildschirm die hinterlegten Daten zur hilfesuchenden Person, wie zum Beispiel Adresse, Kontaktmöglichkeiten der Angehörigen, Vorerkrankungen, Medikation und Zugang zur Wohnung.
  7. Hat die Notrufzentrale den Eindruck, die hilfsbedürftige Person benötigt keine medizinische Hilfe, sondern lediglich Unterstützung, verständigt sie die hinterlegte Kontaktperson. Das kann ein Angehöriger sein oder ein Nachbar.
  8. Hat die Notrufzentrale den Eindruck, die hilfsbedürftige Person benötigt medizinische Versorgung, verständigt sie den Notarzt.
  9. Der eintreffende Rettungsdienst ist bereits mit wichtigen Informationen ausgestattet und kann schnell erste Hilfe leisten.

Worauf Sie bei Verträgen für ein Hausnotrufsystem achten sollten

Es gibt unterschiedliche Anbieter von Notrufsystemen. Sie bieten verschiedene Vertragspakete an. In der Regel können Sie zwischen einem Basis-, einem Komfort und einem Premium-Paket wählen, die sich im Leistungsumfang und Preis unterscheiden.

Praxistipp

Lassen Sie sich von mehreren Anbietern über die unterschiedlichen Pakete und technischen Lösungen beraten.

Im Basispaket sind in der Regel Beratung vor Ort, die Installation der Geräte und die Vermittlung der Hilfedienstleistung enthalten. Manche Dienstleister melden sich regelmäßig bei der Person, um sicherzustellen, dass es ihr gutgeht. Eine solche Abfrage kann im Abstand von 12 oder 24 Stunden erfolgen.

Praxistipp

Achten Sie darauf, dass regelmäßige Wartung der Geräte und der Basisstation im Vertrag festgeschrieben sind. Wenn das Gerät defekt ist, sollten Sie die Möglichkeit haben, es umgehend auszutauschen bzw. reparieren zu lassen.

Für den Fall, dass ein plötzlicher Umzug in Pflegeheim nötig wird oder ein längerer Klinikaufenthalt nötig ist, sollte der Vertrag innerhalb von zwei Wochen zum Monatsende kündbar sein.

Über den Autor

Silke Jäger ist freie Journalistin und Texterin für Gesundheitsinformationen.

Intensivtagebuch nach Intensivstation

Intensivtagebuch: Nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation zurück ins Leben finden

Intensivtagebuch: Nach dem Aufenthalt auf einer Intensivstation

(c) Werner Krüper

Ehemalige Patienten einer Intensivstation finden häufig nur schwer den Weg zurück ins Leben. Viele leiden unter Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Gereiztheit. Besonders belastend ist es, wenn ehemalige Patienten das Geschehene nicht verarbeiten können, weil sie Erinnerungslücken haben. Ein Intensivtagebuch kann in solchen Fällen sehr hilfreich sein.

Wie kann ein Intensivtagebuch Betroffenen helfen?

Dass ein Intensivtagebuch dabei unterstützen kann, die Zeit auf einer Intensivstation leichter zu verarbeiten, zeigt die Geschichte von Dieter Sost.

Dieter Jost war ein glücklich verheirateter Familienvater aus dem oberbayerischen Fürstenfeldbruck, der im Job erfolgreich und mit seinem Leben rundum zufrieden war. Doch dann erkrankte der heute 54-Jährige am Miller-Fisher-Syndrom, einer seltenen Erkrankung des Nervensystems. Diese führt typischerweise zu einer starken Schwächung des Körpers und zu Atembeschwerden. Bei Dieter Jost kam es zu einer lebensbedrohlichen Situation, sodass er im Krankenhaus ins Koma versetzt und über mehrere Wochen intensivmedizinisch behandelt wurde. Er erlitt eine Lungenentzündung und Blutvergiftung. Es ging um Leben und Tod.



An diese schwere Zeit kann sich Dieter Jost nicht mehr erinnern. Alles, was er heute weiß, erzählte ihm seine Frau, nachdem die monatelange Intensivbehandlung und Rehabilitation Erfolgreich abgeschlossen waren. Dafür erinnert sich Dieter Jost noch sehr genau an Alpträume, die er während seiner Zeit im Koma hatte. Zum Beispiel an diesen: „Ich wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht und es wurde mir eine Spritze gesetzt“, berichtet Dieter Jost. „Plötzlich konnte ich nichts mehr bewegen und die Ärzte fingen an, schlimme Experimente an mir zu machen. Mit allen Kräften versuchte ich mich zu wehren, doch irgendwann ging es nicht mehr. Ich dachte, ich müsste sterben.“ Dieter Jost ist kein Einzelfall. Viele Patienten, die aufgrund einer schweren Erkrankung auf einer Intensivstation behandelt werden, berichten im Nachhinein von wahnhaften Erinnerungen.

Was ist ein Intensivtagebuch?

Als Dieter Jost nach seinem vierwöchigen Aufenthalt auf der Intensivstation in eine Rehabilitationsklinik verlegt wurde und er sich zunehmend erholte, erfuhr er, dass die Pflegenden ein Tagebuch für ihn geführt hatten. In diesem hielten sie – und Dieter Josts Frau – mit kurzen handschriftlichen Notizen Fortschritte in der Behandlung, aber auch Alltägliches fest.

Das sogenannte Intensivtagebuch ist ein simples Hilfsmittel, damit Patienten und deren Angehörige Erlebnisse, Erinnerungslücken und Wahnvorstellungen besser verarbeiten. Ein Intensivtagebuch ist im Grunde schnell gemacht: Ein Schnellhefter mit ein paar leeren Seiten und einem schönen Foto auf der Umschlagseite reichen schon aus. Die Angehörigen benötigen gezielte Informationen der Pflegenden – dann füllt sich das Tagebuch meist wie von selbst.

Geringer Aufwand – großer Nutzen, wie Dieter Josts Beispiel zeigt: „Das Intensivtagebuch hat mir sehr geholfen“, sagt der Familienvater begeistert. „Es lässt sich damit gut nachvollziehen, was wann passiert ist und welche Fortschritte ich gemacht habe. Noch heute schaue ich immer wieder mal rein und lese, was die Schwestern da reingeschrieben haben. Ich finde es genial.“

5 Tipps zum Führen eines Intensivtagebuchs

1. Möglichst früh anfangen

Die Eintragungen sollten möglichst ab dem ersten Tag auf der Intensivstation starten. Es kann aber auch später damit begonnen werden. Die ersten Tage können dann aus der Erinnerung nachgeschrieben werden.

2. Eigene Regeln überlegen

Das Intensivtagebuch ist ein Instrument, für das es keine genauen Regeln gibt. Dies betrifft auch die Dauer. Selbst nach einer Verlegung kann das Schreiben fortgeführt werden. Zu Beginn des Intensivaufenthalts sind meist ein bis drei Eintragungen pro Tag sinnvoll. Bei stabilen Verläufen genügt ein Eintrag pro Tag.

3. Kreativ schreiben

Grundsätzlich ist eine direkte Ansprache der erkrankten Person sinnvoll. Am Anfang sollten die Ereignisse, die zum Aufenthalt führten, zusammenfassend beschrieben werden. Dann stehen der tägliche Zustand, besondere Ereignisse und die Fortschritte des Betroffenen im Mittelpunkt. Je nach den Interessen des Patienten kann dann auch Alltägliches zur Sprache kommen, wie Ereignisse in der Familie, Fußballergebnisse und politische Entwicklungen.

4. Prioritäten setzen

Es gibt Situationen, in denen das Schreiben eines Intensivtagebuchs eine untergeordnete Priorität hat, zum Beispiel bei einer deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands. Viele Angehörige haben dann andere Sorgen als Tagebucheintragungen zu machen. Es kann hilfreich sein, die Pflegenden zu bitten, mit den Eintragungen fortzufahren.

5. Pragmatisch vorgehen

Ein Intensivtagebuch ist ein Hilfsmittel, das bewusst simpel gehalten ist. Es erfordert weder eine sorgfältige Planung noch langes Überlegen. Meist genügt es, einfach drauflos zu schreiben. Dabei liegt die Würze in der Kürze. Ein Eintrag sollte nicht länger dauern als fünf Minuten.

Über den Autor

Stephan Lücke ist Redakteur des Magazins Angehörige pflegen und steht in engem Kontakt mit pflegenden Angehörigen in ganz Deutschland.