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Pflegebevollmächtigte Claudia Moll

Pflegebevollmächtigte Moll will Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten

Pflegebevollmächtigte Claudia Moll

Foto: Nikolai Kues

12.05.2022 – Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten und unterstützen – das hat die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, am Donnerstag anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden angekündigt. Sie wolle die ehrgeizigen Ziele aus dem Koalitionsvertrag jetzt angehen.

Nicht erst durch die Pandemie sei klar geworden, unter welch großer Belastung die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu Hause funktionieren müssten, so Moll. 

Sie wolle ihr Augenmerk vorrangig auf 3 Punkte legen.

„Zum einen ist es zwingend notwendig, das Pflegegeld jetzt spürbar zu erhöhen.“

Dieses Geld sei als Unterstützung für die Pflege zu Hause gedacht und müsse mit der Entwicklung der Preise und Löhne Schritt halten.

Leistungen nicht an die Preissteigerungen angepasst

Seit 2017 hätte es trotz der zuletzt deutlichen Preissteigerungen keine Erhöhung gegeben. Für Pflegebedürftige hieße das, dass sie heute weit weniger damit finanzieren können als noch vor 5 Jahren.

Die Erhöhung des Pflegegelds sei daher sofort anzugehen und müsse deutlich ausfallen.

„Zum anderen müssen wir eine echte Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige auf den Weg bringen“, sagte Moll weiter.

Pflegearbeit sei mit finanziellen Einbußen im Erwerbsalter verbunden. Diese könnten sich viele nicht leisten.

Eine echte Lohnersatzleistung sorge für Ausgleich und würde laut der Pflegebevollmächtigten verstärkt auch Männer ansprechen, Sorgearbeit zu übernehmen. Das hätten entsprechende Erfahrungen mit dem Elterngeld bereits gezeigt.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Flexibles Budget für individuelle Bedürfnisse

Sie führt fort:

„Als drittes müssen wir jetzt mit den Diskussionen über die Ausgestaltung eines flexibel einsetzbaren Entlastungsbudgets beginnen.“

Das brächte gerade für junge Pflegebedürftige und Menschen mit einer Behinderung Vorteile. Ein für sie passendes Pflegesetting sei dann besser zu organisieren.

Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Zusammenfassung von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege müsse daher rasch umgesetzt werden.

„Gleichzeitig müssen wir prüfen, welche weiteren Leistungen in ein solches Entlastungsbudget einbezogen werden sollten, um die Selbstbestimmung zu stärken.“

Steigende Eigenanteile in Pflegeheimen

Die immer schneller steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen bezeichnet die Pflegebevollmächtigte als Katastrophe. Ihr zufolge seien die Maßnahmen der vergangnen Legislaturperiode, um Bewohnerinnen und Bewohner finanziell zu entlasten, nur ein erster Schritt gewesen.

Da auch künftig Menschen auf Hilfe zur Pflege in Einrichtungen angewiesen sein würden, müsse das sog. „Taschengeld“ bei Hilfe zur Pflege angehoben werden.

Von den aktuell 121 Euro im Monat müssten nicht nur persönliche Dinge finanziert werden, sondern all das, was die Kranken- oder Pflegekasse nicht bezahlt, wie verschreibungsfreie Medikamente.

Über diese Punkte hinaus sieht Moll weiteren Handlungsbedarf etwa in einer rechtssicheren Ausgestaltung der 24-Stunden-Betreuung sowie passgenauer Beratungs- und effektiver Beteiligungsstrukturen.

„Ich weiß, die Herausforderungen in dieser Legislatur sind groß. Gerade deshalb müssen wir die ehrgeizigen Ziele des Koalitionsvertrages umsetzen und jetzt auch für die Pflege durchstarten“, betonte Moll.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

VdK-Studie

VdK-Studie: Jeder dritte pflegende Angehörige überfordert

VdK-Studie

Henning Schacht

10.05.2022 – Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich stark belastet und können die Pflegesituation nur schwer oder nicht mehr bewältigen. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie zur Situation in der häuslichen Pflege, welche die Hochschule Osnabrück im Auftrag des Sozialverbands VdK durchgeführt hat.

Die Studie basiere auf einer Online-Befragung von 56.000 Menschen im vergangenen Jahr.

Demnach seien 72 % der Pflegenden weiblich. Etwa die Hälfte versorge ein Elternteil.

Jeder zweite pflegende Angehörige sei bereits im Rentenalter und körperlich selbst nicht mehr fit. 63 % gaben an, dass sie täglich unter körperlichen Beschwerden litten und 59 %, dass sie wegen der Pflege die eigene Gesundheit vernachlässigen. 

Wunsch nach mehr Entlastungsangeboten

Obwohl die Mehrheit der Befragten sich mehr von den bisher möglichen Entlastungsangeboten wie Tages- und Nachtpflege (61 % der Befragten), Kurzzeitpflege (77 % der Befragten) oder Verhinderungspflege (84 % der Befragten) wünsche, werde ein Großteil dieser Leistungen von ihnen nicht in Anspruch genommen.

Laut VdK sind die Gründe für diesen Widerspruch zum einen, dass es nicht genügend Kapazitäten professioneller Pflegeanbieter gibt. So hätten 49 % der Befragten angegeben, dass nicht genug Tagespflegeplätze zur Verfügung stehen und 56 %, dass es zu wenige Kurzzeitpflegeplätze gibt.

Zum anderen seien die oft hohen Zuzahlungen ein Grund für die geringe Inanspruchnahme. Mehr als die Hälfte der Befragten schrecke dies davon ab, eines der Entlastungsangebote in Anspruch zu nehmen.

Sie befürchteten, dass vom Pflegegeld, welches 82 % der Befragten bekommen, sonst zu wenig übrigbleibt.

VdK-Studie: Antragsverfahren schreckt viele ab

Das Antragsverfahren und die Dauer des Prozederes der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege schrecke zudem jeden fünften der Befragten ab.

„Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung, und zwar eine, die auch wirklich zur Verfügung steht, zu ihren Bedürfnissen passt und sie unbürokratisch erreicht“, fasste VdK-Präsidentin Verena Bentele die Ergebnisse der Befragung auf einer Pressekonferenz am Montag zusammen.

Ihr zufolge ist eine grundlegende Reform der Unterstützungsleistungen nötig. Ein einheitliches Budget, in das alle Ansprüche einfließen, hilft laut VdK vielen Menschen mehr.

Bentele konkretisierte:

„Dann würden nicht genutzte Leistungen auch nicht mehr verfallen. Man nutzt das Geld für die Leistung, die einem was bringt. Zudem muss es möglich sein, dass damit auch die Personen bezahlt werden, die die Betroffenen schnell und verlässlich unterstützen und entlasten können: die Nachbarin, jemand aus dem Freundeskreis, Ehrenamtliche.“

Dies würde das System übersichtlicher machen und es vereinfachen.

Unabhängige Beratung notwendig

„Dringend notwendig ist zudem eine unabhängige Beratung“, so Bentele. Denn die Studie zeige auch, dass pflegende Angehörige deutlich weniger Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, wenn sie keine Beratung erhalten.

Wenn pflegende Angehörige beraten werden, steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Pflegeleistung nutzen, um ein Vielfaches. Im Fall der Tagespflege etwa von 17 % auf 83 %.

Bentele sagte weiter:

„Die Ergebnisse bestätigen: Die häusliche Pflege ist am Limit. Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde. Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflege-Zukunft entgegen!“

Kampagne zur Unterstützung pflegender Angehöriger gestartet

Mehr als 80 % der insgesamt 4,1 Mio. Pflegebedürftigen in Deutschland würden zu Hause von nahestehenden Menschen versorgt – entweder allein oder mithilfe von ambulanten Pflegediensten.

Die VdK-Studie zeige, dass auch in Zukunft die meisten Deutschen die Pflege zu Hause der in einem Pflegeheim vorziehen.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Aus diesem Grund hat der VdK am Montag mit der Präsentation der Studienergebnisse die Kampagne „Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung“ zur Stärkung der häuslichen Pflege gestartet.

„Häusliche Pflege steht nur für den Ort, wo gepflegt wird. Es geht aber um viel mehr: Die Beziehung zwischen Pflegebedürftigem und Pflegendem. Diese Beziehung ist sehr emotional und von Liebe geprägt. Deshalb sprechen wir nicht mehr von häuslicher Pflege, sondern von Nächstenpflege“, sagte Bentele dazu.

Menschen, die ihre Nächsten zu Hause pflegen, hätten keine Lobby und keine Zeit für ihre Belange auf die Straße zu gehen. „Deshalb geben wir ihnen eine Stimme“, sagte die VdK-Präsidentin zum Auftakt.

Den Anfang machte der VdK am Montag mit einer Demonstration ohne Menschen vor dem Kanzleramt, für die er die Botschaften seiner pflegenden Mitglieder auf Schilder gedruckt und aufgestellt hat.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Mentorenprojekt

Mentorenprojekt für Handwerksbetriebe zur Unterstützung Erwerbstätiger pflegender Angehöriger gestartet

Mentorenprojekt

GettyImages/skynesher

06.05.2022 – Im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen) ist das Mentorenprojekt „Erwerbstätige pflegende Angehörige: Mentorship für Handwerksbetriebe“ gestartet. Das Projekt soll Betrieben helfen, Mitarbeitenden, die einen Angehörigen pflegen, zu unterstützen. Das soll die Familienfreundlichkeit von Handwerksbetrieben verbessern und sie für Fachpersonal attraktiver machen.

Das Projekt ist Teil des von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ geförderten Projekts „münster.land.leben“ an der Fachhochschule Münster (FH Münster).

Betriebe bräuchten Ideen, um gutes Fachpersonal zu finden und zu halten, teilte die FH Münster Anfang April mit. Familienfreundlichkeit sei ein wichtiger Baustein. Die Unterstützung pflegender Mitarbeitender sei für viele Unternehmen jedoch Neuland.

Mentorenprojekt: Erfahrungen an andere weitergeben

Über das Mentorenprojekt könnten Unternehmen, die bereits Erfahrung mit pflegenden Mitarbeitenden hätten, ihr Wissen an andere Betriebe weitergeben.

Als erster Mentor wolle nun die Unternehmensgruppe Pietsch ihre Erfahrungen an die Kreishandwerkerschaft Borken weitergeben.

Begleitet wird das Projekt dabei von der Wirtschaftsförderung Borken, dem Fachbereich Gesundheit der FH Münster sowie dem Institut HeurekaNet in Münster. Das Angebot sei für die teilnehmenden Unternehmen kostenlos.

Keine Sorge um den Job in einer Notsituation

Geschehe ein Unfall oder trete eine plötzliche Erkrankung auf, müssten Angehörige in kürzester Zeit viel bedenken. Da sei es beruhigend, wenn der Job zunächst in den Hintergrund treten dürfe, so die FH Münster.

„Mitarbeitende in Akutsituationen sind oft erst mal gar nicht in der Lage zu reden“, sagt Rendel Pietsch von der Unternehmensgruppe Pietsch.

„Darum vermitteln wir ihnen als Erstes: Du bist nicht in Gefahr, sondern kannst deine Prioritäten anders setzen.“

Mitarbeitende wissen Engagement zu schätzen

Das Unternehmen habe nach eigenen Angaben bereits seit 2015 im Rahmen einer lebensphasenorientierten Personalplanung auch die wachsende Gruppe der pflegenden Angehörigen im Blick.

So stünden bspw. Pflegelotsen für alle Standorte als erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung.

Das zahle sich laut Pietsch aus, die Mitarbeitenden wüssten das Engagement und die Achtsamkeit ihres Arbeitgebers zu schätzen.

Der Zeitaufwand sei gering, der Nutzen groß, meint auch Thomas Oelschläger von HeurekaNet. Er werde den Austauschprozess moderieren.

Oelschläger erläutert weiter:

„Wenn Unternehmen die Situation der pflegenden Mitarbeitenden kennenlernen, können sie auch unterstützende Maßnahmen entwickeln – ein Schritt zum attraktiven Arbeitgeber, der seine Fachkräfte finden und binden kann.“

Weitere Teilnehmer gesucht

Interessierte Betriebe und Organisationen, die an dem Projekt teilnehmen möchten, können sich telefonisch unter der Nummer 0178/ 9 15 34 01 bei Oelschläger melden.

„Gesucht werden Handwerksbetriebe, die sich um ihre pflegenden Kolleginnen und Kollegen bemühen möchten und ein halbes Jahr lang einmal im Monat zwei Stunden in ein gemeinsames Treffen investieren wollen“, so die FH Münster. 

Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse in den teilnehmenden Betrieben verankert und erprobt werden – sodass die Mitarbeitenden am Ende eine „echte Unterstützung“ erführen.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Rechte Pflegebedürtiger

Neuer Kurzratgeber zu Rechten Pflegebedürftiger

Rechte Pflegebedürtiger

GettyImages/AE Pictures Inc.

03.05.2022 –Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat am Montag einen neuen Kurzratgeber mit dem Titel „Rechte pflegebedürftiger Menschen“ veröffentlicht. Darin fasst sie zusammen, was würdevolle Pflege ausmacht und zeigt 10 Merkmale guter Pflege sowie Rechte pflegebedürftiger Menschen auf.

Pflegebedürftige Menschen haben laut ZQP das Recht auf eine gute, würdevolle Pflege. Für sie und ihre Angehörigen sei jedoch entscheidend, wie dieses Recht im konkreten Fall gewahrt werde.

Eine Antwort darauf sei jedoch nicht immer einfach, denn Pflegebedürftige, Angehörige, Pflegende, Ärztinnen und Ärzte könnten eine Situation durchaus unterschiedlich bewerten.

Gute Pflege ist keine Ansichtssache

Gute Pflege sei aber nicht nur persönliche Ansichtssache, sondern weise verschiedene nachvollziehbare Merkmale auf, die sich z. B. aus Gesetzen oder fachlichen Leitlinien und Standards ergäben. Pflegebedürftige Menschen könnten erwarten, dass dies bei der Pflege Beachtung findet.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Der Ratgeber gibt nach ZQP-Angaben einen Überblick, welche Grundsatzdokumente relevant sind, wie u. a. die deutsche Pflege Charta. Sie sei das zentrale Grundsatzdokument für eine gute, würdevolle Pflege und erläutere konkret, wie sich die Rechte im Alltag pflegebedürftiger Menschen widerspiegeln sollten.

Interessierte erfahren auch, an welche Stellen sich pflegebedürftige Menschen im Fall von Mängeln in der Pflege oder  Kritik richten können.

Pflegefachfrau sowie ZQP-Geschäftsleiterin für Interventionsentwicklung und Praxistransfer, Daniela Sulmann, sagte dazu:

„Die Rechte pflegebedürftiger Menschen – und damit auch ihre Position als Verbraucherinnen und Verbraucher – sind in den letzten Jahren nach und nach gestärkt und ihre Ansprüche ausgeweitet worden. Ziel muss es sein, diese Rechte bekannter zu machen und pflegebedürftige Menschen oder ihre Vertreterinnen und Vertreter in die Lage zu versetzen, die Situation zu beurteilen und ihre Rechte nötigenfalls einfordern zu können.“

Die derzeitige Situation in der Langzeitpflege zeige, worauf Expertinnen und Experten schon lange hinweisen, dass nämlich mit einer Ausweitung von Ansprüchen und Rechten kein Automatismus für bessere Pflege verbunden ist, so Sulmann weiter.

Grundwerte guter Pflege

Ferner fasse der Kurzratgeber zusammen, was Betroffene und Angehörige zum Thema gute, würdevolle Pflege wissen sollten, bspw. was sie bedeutet und auf welchen Grundwerten sie beruht. So seien Ziele etwa das Wohlbefinden, die Gesundheit und Sicherheit pflegebedürftiger Menschen.  

Gute Pflege solle dazu beitragen, möglichst selbstbestimmt und selbstständig leben zu können. Der eigene Willen könne vorab z. B. in einer schriftlichen Patientenverfügung oder der Vorsorgevollmacht festlegt werden, so die Pflegeexpertin.

Den werbefreien Kurzratgeber gibt es kostenlos als Download auf der Website des ZQP.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegereform

Landesprogramm soll Vereinbarkeit von Beruf und Pflege stärken

Pflegereform

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14.04.2022 – In Nordrhein-Westfalen (NRW) ist ein neues Landesprogramm zur Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege an den Start gegangen. Mit dem Programm sollen sowohl die pflegenden Personen als auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit spezifischen Informationsmaterialien unterstützt und Betriebe beraten werden, wie sie sich pflegefreundlicher aufstellen können. Das teilte die Landesregierung zum Start des Programms im März mit.

NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann (CDU), sowie Vertreterinnen und Vertreter der Pflegeversicherung, der AOK Rheinland/Hamburg, verschiedener Unternehmen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) NRW gaben gemeinsam den Startschuss. Das Ziel der gemeinsamen Initiative sei eine Verbesserung der Vereinbarkeit einer Berufstätigkeit mit der Pflege von Angehörigen.

So soll nicht nur die Situation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Pflegeverantwortung verbessert werden, sondern gleichzeitig ein Beitrag zu Fachkräftesicherung und -gewinnung für Unternehmen geleistet werden.

Das Landesprogramm werde vom Sozialministerium zusammen mit den Landesverbänden der Pflegekassen und dem Verband der Privaten Krankenversicherung zunächst für 3 Jahre jeweils hälftig mit insgesamt 2,4 Mio. Euro gefördert.

Pflegende Angehörige sind eine wichtige Stütze

NRW-MinisterKarl-Josef Laumann betonte:

„Dass sich Beruf und Pflege miteinander in Einklang bringen lassen, ist in unserer alternden Gesellschaft von großer Bedeutung“

Das läge daran, dass immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen seien, aber auch wegen der wachsenden Zahl Berufstätiger, die den Spagat zwischen ihrer Arbeit und der Pflege von Angehörigen meistern müssten.

„Die Landesregierung hat die Wichtigkeit des Themas erkannt. Erstmals in einem Koalitionsvertrag haben wir uns darauf verständigt, dafür Konzepte zu erarbeiten, weil wir die Unterstützung der Familien bei der Pflege ihrer Angehörigen brauchen“, so Laumann weiter.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Das Programm richte sich an Arbeitgebende sowie Arbeitnehmende und unterstütze sie u. a. mit folgenden Angeboten:

  • Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in NRW für Arbeitgebende,
  • Qualifizierung für innerbetriebliche Ansprechpartnerinnen und -partner (Pflege-Guides) durch die AOK Rheinland/HH und Nordwest in Form von kostenfreien Kursen für Unternehmen, Betriebe, Behörden, Organisationen,
  • zielgruppenspezifische Informationsmaterialien für Unternehmerinnen und Unternehmer zum Aufbau von Vereinbarkeitsstrukturen (z. B. Faktenblättern, Pflegekoffer),
  • Informationen und Vernetzung über ein digitales Angebot des Landesprogramms,
  • Netzwerkveranstaltungen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit regionalen Strukturen von Beratung sowie Entlastung im Kontext „Pflege“,
  • Begleitveranstaltungen für Pflege-Guides,
  • Forschung und Teilhabe an Forschungsergebnissen

Charta „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ an erste Betriebe verliehen

NRW-Staatssekretär Edmund Heller hat Ende März bereits den ersten Betrieben im Land die Charta für „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ als Teil des Programms verliehen.

Mit der Charta würden Unternehmen, Behörden und Organisationen ausgezeichnet, die sich besonders für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzten, die neben dem Beruf Angehörige pflegten.

Vereinbarkeits-Partnerinnen und -Partner erklärten mit dem Zeichnen der Charta ihre Absicht zur Entwicklung eines pflegefreundlichen Unternehmens.

Die Charta verhelfe u. a. dazu, dieses Engagement im und außerhalb des Unternehmens sichtbar zu machen. V a. im Hinblick auf die angespannte Fachpersonalsituation könne sie – die auch als digitales Signet auf der Webseite geführt werden kann – einen Vorteil bedeuten.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Kuren für pflegende Angehörige

Kuren für pflegende Angehörige – Gestärkt geht es besser!

Kuren für pflegende Angehörige

GettyImages/Image Source

Angehörige, die sich um beeinträchtigte Ehe- oder Lebenspartner kümmern, Kinder, deren Eltern sich im Alter nicht mehr selbst versorgen können, Eltern, die ihre Kinder pflegen – ohne sie wären stationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland hoffnungslos überlastet. Aus der Herzensaufgabe der Pflege eines Angehörigen, die häufig wie selbstverständlich übernommen wird, kann aber schnell eine Überforderung werden. Eine Kur für pflegende Angehörige kann helfen, schwierige Pflegesituationen zu entspannen.

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Versorgung bei räumlicher Distanz

Versorgung von Angehörigen bei räumlicher Distanz – Zwischen zwei Welten

Versorgung bei räumlicher Distanz

Heutzutage leben viele Menschen in räumlicher Entfernung zu ihrem schwer kranken oder sterbenden Angehörigen. Das betrifft beispielsweise erwachsene Kinder, die ihren Heimatort für Studium, Beruf oder Partnerschaft verlassen haben und daher in räumlicher Entfernung zu ihren Eltern wohnen, oder Menschen mit Migrationsgeschichte, die ihre Angehörigen im Ausland zurückgelassen haben. Die Fürsorge für eine räumlich entfernt lebende unheilbar erkrankte oder sterbende Person kann mit besonderen Herausforderungen und Belastungen verbunden sein.

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Ernstfall

Für den Ernstfall vorsorgen

Ernstfall

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Millionen Menschen in Deutschland sind aufgrund von Erkrankung oder Behinderung auf die Pflege durch einen Angehörigen angewiesen. Dieser hat meistens den Überblick über die Gesamtsituation und managet den Pflegealltag. Was passiert aber, wenn der pflegende Angehörige plötzlich durch einen Unfall oder einen Schlaganfall selbst auf Pflege angewiesen ist? Und was passiert in einer solchen Situation mit demjenigen, den diese Person gepflegt hat?

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Weltfrauentag, pflegende Angehörige

Weltfrauentag: Verein „wir pflegen“ fordert Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

pflegende Angehörige

Getty Images/filadendron

08.03.2022 – In Deutschland übernehmen rd. 5 Mio. Menschen die Pflege eines Angehörigen. 3 von 4 davon seien Frauen. Darauf weist der Bundesverband „wir pflegen“ in einer Mitteilung zum Weltfrauentag am Dienstag hin. Viele von ihnen müssten demnach ihre Erwerbsarbeit aufgrund der Pflegetätigkeit aufgeben, was zu starker sozialer Ungerechtigkeit führe.

Deshalb fordert der Bundesverband weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie zur Alterssicherung.  

Vorstandsmitglied Edeltraut Hütte-Schmitz sagte:

„Unser Pflegesystem schiebt die Verantwortung für die Pflege auf die Familien. Dort leisten immer noch Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit. Das fängt bei der Betreuung und Pflege von Kindern an und setzt sich fort, wenn es um die Pflege der alternden Eltern geht.“

Hohe Belastungen und prekäre Lebenslage

Für Frauen gingen mit der Pflege eines Angehörigen häufig hohe Belastungen und prekäre finanzielle Lebenslagen einher.

Laut „wir pflegen“ könnten viele der Frauen nur in Teilzeit arbeiten oder müssten ihren Beruf aufgrund fehlender Unterstützungsangebote ganz aufgeben. 

Hütte-Schmitz verdeutlichte:

„Besonders betroffen sind hiervon Mütter pflegebedürftiger Kinder, sie pflegen oft ein Leben lang. Die eingeschränkten Betreuungsmöglichkeiten machen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nahezu unmöglich. Das zieht erhebliche Folgen für die eigene Altersabsicherung nach sich: Armut durch Pflege ist dann oft vorprogrammiert.“

Nach Angabe des Bundesverbands bedürfe es einer grundlegenden Modernisierung des Pflegesystems, um die Benachteiligung von Frauen zu reduzieren und eine geschlechtergerechte Aufteilung der Pflegeverantwortung zu erreichen.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Flexible Arbeitsmodelle und Lohnersatzleistungen

Hütte-Schmitz zufolge gehörten dazu ausreichende bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige und flexiblere Arbeitsmodelle.

Mit der Einführung einer Lohnersatzleistung könnten bspw. pflegende Angehörige und insbesondere Frauen die Berufstätigkeit temporär reduzieren, sagte sie weiter.

„Lohnersatzleistungen wären auch für Männer ein Anreiz, mehr Pflegeverantwortung zu übernehmen. Darüber hinaus sollte die Anerkennung von Pflegezeiten rentenrechtlich gleichgestellt werden mit Erziehungszeiten.“

Weiterhin plane der Verein „wir pflegen“ in Kürze eine ausführliche Handlungsempfehlung zur Verbesserung der Position pflegender Angehöriger zu veröffentlichen, darunter auch weitere Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege und zur Alterssicherung pflegender Angehörige.

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Pflegereform

Das ist 2022 neu für pflegende Angehörige

Pflegereform

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25.01.2022 – Zu Beginn des neuen Jahres ist die neue Pflegereform in Kraft getreten. Der Bundestag hat diese Reform bereits im Juni 2021 beschlossen. Wir erklären die wichtigsten Neuerungen für pflegende Angehörige.

Erhöhung der Pflegeleistungen

Für verschiedene Pflegeleistungen gibt es Erleichterungen und mehr Geld. Die Erhöhung der Pflegesachleistungen beträgt 5 %. Für Pflegegrad 3 bedeutete das z. B., dass einem pflegebedürftigen Menschen ab sofort 1.363 Euro statt wie bisher 1.298 Euro zustehen.

Diese Erhöhung betrifft allerdings nicht das Pflegegeld. Wer also auf einen Pflegedienst verzichtet und die Pflege eines Angehörigen vollständig selbst übernimmt, profitiert nicht von der neuen Reform.

Allerdings wird dafür der jährliche Betrag für Kurzzeitpflege um 10 % angehoben. Dennoch kann weiterhin nur der jährliche Betrag in Höhe von 806 Euro auf die Verhinderungspflege übertragen werden.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Übergangspflege im Krankenhaus

Als neue Leistung wurde die bis zu 10-tägige Übergangspflege im Krankenhaus eingeführt. Der Anspruch auf die Übergangspflege besteht, wenn unmittelbar im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt erforderliche Leistungen der häuslichen Krankenpflege, der Kurzzeitpflege, zur Rehabilitation oder Pflegeleistungen nach SGB XI nicht oder nur unter erheblichem Aufwand sichergestellt werden können.

Pflegehilfsmittel

Das Pflegepersonal soll mit der neuen Reform mehr Entscheidungsbefugnis hinsichtlich der Auswahl geeigneter Hilfsmittel bekommen. Damit soll es für pflegebedürftige Menschen unkomplizierter und schneller möglich sein, die nötigen Hilfsmittel zu erhalten.

Bisher musste der Bedarf für Hilfsmittel von einer Ärztin, einem Arzt oder von einer Gutachterin oder einem Gutachter im Rahmen der Pflegebegutachtung festgestellt werden. Seit 1. Januar kann eine Pflegefachperson den entsprechenden Antrag an die Pflegekasse weiterleiten.

Stationäre Pflege im Pflegeheim

Auch für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen gibt es Entlastung, besonders dann, wenn sie schon seit Längerem im Pflegeheim leben. Je länger der Pflegeheimaufenthalt bereits dauert, desto höher fällt der Leistungszuschlag für den Eigenanteil aus.

Diese Entlastung gilt aber nur für die Kosten für Pflege und die Ausbildungsumlage (Refinanzierung der Ausbildungskosten einer Pflegeeinrichtung), falls diese vorhanden ist. Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investition (Ausgaben des Heimbetreibers für langfristige Anschaffungen wie z.B. Ausstattung und Sanierung des Gebäudes) übernimmt die Pflegekasse nicht.

Der Entlastungsbeitrag steigt mit der Dauer des Pflegeheimaufenthalts:

  • Bis 12 Monate – 5%
  • Mehr als 12 Monate – 25%
  • Mehr als 24 Monate – 45%
  • Mehr als 36 Monate – 70%

Pflegeversicherung

Für die gesetzliche Pflegeversicherung steht seit Anfang des Jahres ebenfalls mehr Geld zur Verfügung. Der Bund bietet ab 2022 einen jährlichen Zuschuss von rd. 1 Mrd. Euro.

Zudem wird der Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte erhöht, wodurch die Pflegeversicherung weitere 400 Mio. Euro im Jahr erhält.

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