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Corona_Pflege_Angehoerige

Pflegende Angehörige in der Corona-Krise: Frischer Wind

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Hanna Lucassen

Die Corona-Krise hat den Alltag von Barbara Hedtmann (64) und Kurt Steffenhagen (86) verändert. Doch gemeinsam und mit viel Umsicht meistert das Ehepaar die außergewöhnliche Situation.

 

Der Lavendel blüht lila. Barbara Hedtmann und Kurt Steffenhagen sitzen auf ihrer kleinen Terrasse am Frankfurter Stadtrand, trinken Rotwein. Tara, die schwarze Labradorhündin, streckt sich genüsslich im Gras. Das Ehepaar liebt diese gemeinsame Stunde am frühen Abend. Ein Ritual, auf das es auch in der Corona-Krise nicht verzichtet. Vielleicht ist dies auch jetzt so wichtig wie nie: Es gibt ihnen Halt und hier finden sie in langen Gesprächen ihren individuellen Weg durch die Krise.

Gemeinsam stark

Barbara Hedtmann (64) ist Religionspädagogin. Eine temperamentvolle, durchsetzungsstarke Frau, die noch voll im Beruf steckt und für viele Themen brennt. Sie koordiniert die Seniorenarbeit und Erwachsenenbildung im evangelischen Regionalverband und hat einen Hochschullehrauftrag. Kurt Steffenhagen (86), ein großer schlanker Mann mit markanten Gesichtszügen und einem hellwachen Verstand, hat nur noch zwei Prozent Sehkraft. Seit einem Papilleninfarkt vor 13 Jahren kann der Diplom-Ingenieur nur noch grobe Umrisse erkennen. Ohne seine Frau, sagt er, wäre er aufgeschmissen. Sie legt ihm die passenden Hosen und Pullis hin, kauft ein, wäscht und kocht jeden Abend aufwendig. Sie achtet darauf, dass Zahnbürste und Telefon immer am selben Platz stehen und nichts auf dem Boden liegt, über das er stolpern könnte. Kurt Steffenhagen hat Pflegegrad 2. Der Antrag auf 3 läuft. In der Corona-Krise gehört er zur Risikogruppe der Hochaltrigen.

Ihr Weg durch die Krise

Die Pandemie wird für beide schlagartig ein Thema, als sie im März die Fernsehbilder aus Italien sehen: Schwerkranke, die isoliert im Krankenhaus liegen. Voll maskierte Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte. Sterbende, die sich von ihren Angehörigen nicht verabschieden können.

„Wollen wir das?“, fragt Barbara Hedtmann ihren Mann. Nein. Sie sind sich einig: Wenn einer von ihnen erkrankt, braucht er den anderen bei sich. Dann wollen sie nicht getrennt sein. Unter dem Eindruck der TV-Berichte verfasst Kurt Steffenhagen eine Corona-Patientenverfügung: „Für den Fall, dass ich mit dem Coronavirus infiziert werde, will ich nicht stationär in einer Klinik behandelt werden. Das gilt auch, wenn die Erkrankung COVID-19 einen schweren zum Tode führenden Verlauf nimmt.“ Kurt Steffenhagen zeigt die beiden handgeschriebenen Seiten, die in einem durchsichtigen Schutzumschlag liegen. „Ich habe keine Angst“, sagt er. „Wenn ich die Krankheit bekomme und daran sterben sollte, dann ist es so.“

Seine Frau sitzt daneben und nickt. Die beiden sind sehr offen miteinander, die Themen Tod und Sterben haben sie nie ausgeklammert. Von Anbeginn: Als sie sich vor 22 Jahren kennenlernen, sind sie beide geschieden und eigentlich frei füreinander. Aber Barbara Hedtmann braucht Zeit, um sich darauf einzulassen, der Altersunterschied macht ihr Sorgen. „Ich wusste ja, dass er wahrscheinlich lange vor mir gebrechlich werden würde.“ Sie nehmen sich Zeit, sich kennenzulernen und auch über diese Bedenken zu sprechen. Offen und ehrlich, ohne Tabus – das ist bis heute ihr Rezept.

Trotzdem – die beiden sind in der Pandemie nicht fahrlässig. Beim Einkaufen tragen sie eine Schutzmaske, sie halten Abstand und waschen sich regelmäßig die Hände. Die Verbindung zu ihren Kindern und sechs Enkelkindern halten sie aufrecht. Das ist ihnen wichtig. „Wir wägen das Risiko immer ab, aber wir wollen und brauchen eben auch den frischen Wind in unserem Leben.“

Verunsicherung

Zu dieser Klarheit müssen sie erst mal finden. Am Anfang sind auch sie verunsichert. Barbara Hedtmann ist in der schwierigen Situation vieler pflegender Angehöriger. Sie selbst gehört nicht zur Risikogruppe, muss aber aufpassen, dass sie das Virus nicht mit nach Hause schleppt und ihren Mann ansteckt. Um das Risiko zu minimieren, geht sie ins Homeoffice, obwohl sie nicht gerne zu Hause arbeitet. Inzwischen ist sie an drei Vormittagen wieder im Büro. Kolleginnen und Kollegen trifft sie dort kaum. Sie fährt mit dem Auto hin, parkt in der Tiefgarage, sitzt alleine im Büro. Auch privat ist sie jetzt selten weg.

Veränderter Alltag

Ihr Alltag hat sich verändert. Normalerweise haben beide ihr eigenes Leben: Vor Corona kommen zu Kurt Steffenhagen an zwei Vormittagen Assistenten und helfen ihm am Computer und beim Schriftverkehr. Er geht mit der Blindenhündin im Ort spazieren, trifft sich mit Senioren aus der Kirchengemeinde, um über Glaubensdinge zu diskutieren, besucht Kulturveranstaltungen. Wenn Barbara Hedtmann gegen 17 Uhr von der Arbeit kommt und sie sich zum Reden auf die Terrasse setzen, sind beide voll von Erlebnissen und Eindrücken. Frischer Wind eben.

Und nun sind sie die meiste Zeit gemeinsam zu Hause. Immerhin kommen mittlerweile die Reinigungskraft und die Assistenten wieder. Für Barbara Hedtmann ist es nicht leicht, sich zu Hause auf ihre Arbeit zu konzentrieren: den Abwasch zu ignorieren, ihren Mann auf später zu vertrösten, auch mal die Tür zu ihrem Arbeitszimmer zu schließen. Sie fühlt sich oft hin- und hergerissen und hat auch mit einem schlechten Gewissen zu kämpfen. „Wenn ich sonst zu Hause war, war ich es voll und ganz. Jetzt bin ich mit dem Kopf im Büro. Ist für uns beide nicht so einfach.“ Kurt Steffenhagen bestätigt, halb witzelnd: „Ja, wir brauchten ein bisschen Zeit, uns aneinander zu gewöhnen.“

Es komme ihr manchmal vor wie eine Probezeit, meint seine Frau später. In ein, zwei Jahren wird sie in Rente gehen und viel zu Hause sein. „Da schnupper ich jetzt mal rein – und übe, wie das geht.“ So kann sie in der Krise durchaus eine Chance sehen.

Lernen aus der Krise

Beide wissen, die Pandemie trifft andere härter: pflegende Angehörige etwa, die verzweifelt sind, weil die 24-Stunden-Pflegekraft oder der ambulante Pflegedienst nicht mehr kommen. Aber Corona hat auch im Hause Hedtmann-Steffenhagen etwas verändert. Die Krise kratzt an den Strukturen, die für die Eheleute wichtig sind, um ihre Liebe, ihren Respekt füreinander zu erhalten.

Barbara Hedtmann kämpft für diese Strukturen. Sie pflegt lange Jahre ihre Eltern – bis sie am Rand ihrer Kräfte ist und das Verhältnis zu den Eltern extrem gespannt.

Mit ihrem Mann, das weiß sie, will sie es nie so weit kommen lassen. Die beiden sorgen vor und beschließen rechtzeitig: Sie würde weiter Vollzeit arbeiten, weil es ihr gut tut. Sie würde ihn nicht körperlich pflegen. Sollte das notwendig werden, würde sie einen Pflegedienst engagieren. Gegebenenfalls würde Kurt Steffenhagen auch in das nahe gelegene Altersheim ziehen. „Mein Mann soll mein Mann bleiben – und nicht mein Patient werden“, sagt Barbara Hedtmann.

Aber natürlich sind es manchmal nur Nuancen, die den Unterschied machen. Grenzen zu ziehen, um selbst gesund zu bleiben, fällt in Zeiten von Corona noch schwerer als sonst. Zu Hause ist sie schneller erreichbar als im Büro. Und Liebe und Fürsorge gehören eben doch oft zusammen.

Gespräche liefern frischen Wind

Wie gut, dass es die Terrassengespräche gibt. „Ihre Stunde“ ist übrigens oft auch ein Fenster nach draußen. Nachbarn oder Passanten laufen vorbei, grüßen rüber. Manchmal bleiben sie auch für einen kleinen Schwatz stehen, in sicherer Entfernung. „Was gibt’s Neues?“ „Wie kommt ihr über die Runden?“ Barbara Hedtmann genießt das ganz bewusst. Der frische Wind, der ihr so wichtig ist, er weht jetzt vielleicht nicht so stark wie sonst in ihr Haus. Aber wenn ein Lüftchen kommt, eine Brise – dann macht sie die Tür weit auf. Und atmet ganz tief ein.

 

 

 

Über die Autorin

Hanna Lucassen ist freie Journalistin und ehemalige Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Pauschbetrag: Pflegende Angehörige sollen steuerlich entlastet werden

Getty Images/the_burtons

04.08.2020Angehörige, die zu Hause Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 2, 3, 4 oder 5 betreuen und dafür keine Einnahmen erhalten, sollen künftig weniger Steuern zahlen. Mit einem neuen „Gesetz zur Erhöhung der Behinderten-Pauschbeträge und Anpassung weiterer steuerlicher Regelungen“ sollen auch die sogenannten Pflege-Pauschbeträge angepasst werden. Einen entsprechenden Entwurf hat das Bundeskabinett in der vergangenen Woche beschlossen.

Pflege-Pauschbetrag fast verdoppelt

Demnach wird der Pauschbetrag für die Pflege von Personen mit einem Pflegegrad 4 oder 5 von 924 Euro auf 1.800 Euro pro Kalenderjahr angehoben. Darüber hinaus werden nach Angaben des Bundesfinanzministeriums für die bislang nicht berücksichtigten Pflegegrade 2 und 3 Pflege-Pauschbeträge in Höhe von 600 Euro bzw. 1.100 Euro gewährt.

„Der Pflege-Pauschbetrag soll in erster Linie die nicht bezifferbaren Aufwendungen des Pflegenden für die persönliche Pflege abdecken“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung.

 

Pauschbetrag

Ein Pauschbetrag ist ein Sammelbetrag, der pauschal von der Steuer abgesetzt werden kann. Bei der Steuereinforderung soll so der Aufwand für eine genaue Berechnung reduziert werden.  

Steuerentlastung in Zahlen

Wie hoch die steuerliche Entlastung ausfallen soll, hat das Bundesgesundheitsministerium in einer Übersicht zusammengestellt:

Steuerentlastung bei ca. 35.000 Euro Bruttolohn im Jahr:

Pflegegrad 2: ca. 180 Euro

Pflegegrad 3: ca. 330 Euro

Pflegegrad 4: ca. zusätzliche 263 Euro (von 277 Euro auf 540 Euro)

Pflegegrad 5: zusätzliche 263 Euro (von 277 Euro auf 540 Euro)

 

Der Gesetzentwurf bedarf der Zustimmung des Bundesrats. Die Neuregelungen sollen ab 1. Januar 2021 gelten.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Haeusliche Pflege

Studie: Lage in der häuslichen Pflege während Pandemie weiter zugespitzt

Haeusliche Pflege

Getty Images/yulkapopkova

23.07.2020 – Die Pflegesituation zu Hause versorgter älterer Menschen hat sich während der Corona-Krise verschlechtert. Davon betroffen seien sowohl die Pflegebedürftigen als auch deren pflegende Angehörige. Das geht aus einer neuen Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hervor.

Einsamkeit und depressive Verstimmungen

Demnach berichtete fast die Hälfte der befragten Personen, dass sich die Pandemie negativ auf den Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen ausgewirkt habe. Darüber hinaus stellten fast 75 % fest, dass Einsamkeit und/ oder depressive Verstimmungen bei der pflegebedürftigen Person zugenommen hätten. 85 % der Befragten gaben an, dass Pflegebedürftige weniger Besuche von Verwandten oder Bekannten erhalten hätten. Zudem hätten pflegende Angehörige beinahe zur Hälfte den Kontakt zu ihrer pflegebedürftigen Person eingeschränkt.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Überlastung und Verschlechterung der Beziehung

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: Mehr als die Hälfte der befragten Angehörigen sagte, dass die Pflege derzeit belastender sei als vor dem Corona-Ausbruch. Eine Überforderung mit der aktuellen Situation gaben 38 % an. Außerdem habe sich die Beziehung zwischen der pflegebedürftigen Person und pflegenden Angehörigen verschlechtert. Dies berichteten drei Viertel. Bei einem Drittel seien häufiger Konflikte aufgetreten.

Auswirkungen auf Gewalt in der häuslichen Pflege

Dies alles könnte den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge auch Auswirkungen auf Gewalt in der häuslichen Pflege haben. „Die Zunahme von Belastungen unter Covid-19 ist entsprechend beunruhigend. Im Gegensatz zur Thematisierung der möglichen Auswirkungen der Covid-19-Krise auf Gewalt gegenüber Kindern und Frauen, bleibt dieses Thema bezüglich der Altenpopulation allerdings bisher unberücksichtigt“, verdeutlicht Studienleiter Vincent Horn.

Für die Erhebung wurden 330 pflegende Angehörige online befragt und ergänzend qualitative Interviews durchgeführt.

 

Dass die Corona-Pandemie die häusliche Pflege zusätzlich belastet, zu diesem Ergebnis kam jüngst auch eine Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Nationale Demenzstrategie

Nationale Demenzstrategie: Deutschland soll demenzfreundlich werden

Demenz

Getty Images/ivanastar

7.07.2020 – Das Bundeskabinett hat in der vergangenen Woche die Nationale Demenzstrategie beschlossen, um Deutschland demenzfreundlich zu gestalten. Der Start soll im September erfolgen.

Aktuell sind hierzulande 1,6 Mio. Menschen an Demenz erkrankt. Einer entsprechenden Mitteilung der Bundesregierung zufolge könnten 2050 etwa 2,8 Mio. Menschen von der Erkrankung betroffen sein. Hierauf soll das Land nun vorbereitet werden, sagten Bundesseniorenministerin Franziska Giffey (SPD), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) in einem gemeinsamen Statement. „Die Krankheit geht uns alle an. Darum haben wir in einem breiten Bündnis mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, den Ländern und Kommunen, den Verbänden des Gesundheitswesens und der Pflege, den Sozialversicherungsträgern, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft konkret erarbeitet, wie wir Deutschland demenzfreundlich machen.“

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Die bundesweite Strategie umfasst 27 Ziele und rund 160 Maßnahmen, darunter z. B.:

  • Begleitung und Beratung – Professionelle und ehrenamtliche Unterstützungs- sowie Beratungsangebote sollen ausgebaut werden, um Betroffenen besonders in der Phase nach der Diagnose zu helfen.
  • Gesundheitsförderung für pflegende Angehörige – Der Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen ist v. a. für deren Angehörige belastend. Darum sollen Gesundheits- und Präventionsprogramme weiter etabliert und verbessert werden. Ebenso soll ein neues Förderprogramm geprüft werden.
  • Vor-Ort-Netzwerke – Bundesweit sollen Netzwerke auf regionaler Ebene errichtet werden, z. B. durch die Förderung von „Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz“.
  • Netzwerke zur pflegerischen Versorgung – Regionale Netzwerke zur besseren Vernetzung der an der pflegerischen Versorgung Beteiligten sollen ausgebaut und verstärkt sowie die dafür vorgesehenen Mittel aus der Pflegeversicherung deutlich erhöht werden.
  • Netzwerke „Pflege und Beruf“ – Pflege und Beruf zu vereinbaren ist für pflegende Angehörige von Demenzkranken besonders herausfordernd. Daher sollen Unternehmen, Kommunen und pflegende Angehörige Strategien erarbeiten und Netzwerke aufbauen. Um dies zu unterstützen, will das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf Bundesebene eine „Regiestelle“ einrichten.
  • Abgestimmte Abläufe in der Versorgung – In einem „Versorgungspfad“ sollen Ärzteschaft, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und weitere Beteiligte ihre Zusammenarbeit klarer beschreiben und das Schnittstellenmanagement verbessern.

 

Demenzpatientinnen und -patienten fällt es häufig schwer, die derzeitige Situation der Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen zu verstehen. Erfahren Sie, wie Sie Betroffenen dabei helfen können.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

AOK_Familiencoach_Pflege

AOK startet „Familiencoach Pflege“ für pflegende Angehörige mit psychischen Belastungen

AOK_Familiencoach_Pflege

Getty Images/Dean Mitchell

25.06.2020 – Die AOK bietet ein neues Onlineprogramm zur Selbsthilfe für psychisch belastete pflegende Angehörige an. Der „Familiencoach Pflege“ sei ein kostenloses und für alle Interessierten anonym nutzbares Angebot, das die Psyche von pflegenden Angehörigen stärken und sie vor Überlastung schützen solle, teilte die Krankenkasse am Dienstag mit.

Mit Informationen, interaktiven Übungen, mehr als 40 Videos und 14 Audiodateien könnten Nutzer lernen, wie sie besser mit den seelischen Herausforderungen umgehen, sagte AOK-Bundesvorstandsvorsitzende, Martin Litsch. Ein Schwerpunkt liege dabei auf besonders schwierigen Pflegesituationen bei Menschen mit Demenz oder in der Begleitung von Sterbenden.

Das Angebot wurde von einem Expertenteam unter Beteiligung von pflegenden Angehörigen entwickelt.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Der „Familiencoach Pflege“ vermittelt u. a., wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, sich nicht zu isolieren. „Auch in schwierigen Zeiten sollten sie persönliche Kontakte zu Freunden, Bekannten und Nachbarn aufrechterhalten“, sagte die Leiterin der Abteilung für klinisch-psychologische Intervention an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gabriele Wilz. Das Programm zeige Nutzern Methoden und Wege auf, gut für sich zu sorgen und vor allem Zeit für sich zu finden. Auch der Umgang mit Trauer, Wut, Ekel oder Angst seien Thema.

Pflegesituation ist starke Belastung für Angehörige

Die AOK verweist auf eine repräsentative Onlinebefragung, nach der 43 % der pflegenden Angehörigen mittelschwer belastet sind. Angehörige, die Menschen mit Demenz versorgen, zeigten eine hohe Belastung. Das beträfe knapp 37 % der Befragten. Besonders belastet seien Angehörige, die Menschen mit „herausforderndem Verhalten“ betreuten. Hiervon seien fast 41 % betroffen.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

pflegende Angehoerige

Corona-Krise: Fachstellen unterstützen pflegende Angehörige

pflegende Angehoerige

Getty Images/Shestock

10.06.2020 – Die Corona-Pandemie ist für pflegende Angehörige besonders herausfordernd. In Bayern erhalten Betroffene Hilfe bei entsprechenden Fachstellen in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Darauf wies die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml am vergangenen Wochenende hin.

Liste mit Fachstellen und Ansprechpartnern online aufrufbar

Die rund 110 Fachstellen, die dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege zufolge vom Land mit 1,6 Millionen Euro im Jahr gefördert werden, sollen häuslich Pflegende mithilfe von Beratung und begleitender Unterstützung psychosozial entlasten. So gebe es z. B. eine telefonische Beratung und eine Beratung per E-Mail, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Zudem kontaktierten einzelne Fachstellen pflegende Angehörige auch proaktiv telefonisch, um sie aufzufangen. Eine Übersicht der Fachstellen, an die sich Betroffene wenden können, und Unterstützungsangebote stellt das Ministerium online zur Verfügung.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Zweites Bevölkerungsschutzgesetz: Erleichterungen für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige

Weitere Entlastungen für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige – zunächst befristet bis Ende September – sieht das „Zweite Gesetz zum Schutz der Bevölkerung in einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ vor. „So können etwa Angehörige, wenn pandemiebedingt eine Versorgungslücke bei der Pflege zu Hause entsteht und sie daher der Arbeit fernbleiben müssen, bis zu 20 Tage lang das Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung bezahlt bekommen“, verdeutlichte Huml. „Sofern der Entlastungsbetrag aus dem Jahr 2019 für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5 noch nicht für Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch genommen wurde, ist er über den 30.06.2020 hinaus bis zum 30.09.2020 übertragbar“, heißt es in der Mitteilung weiter. 

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Prämie_pflegende_Angehörige

500 Euro Prämie für pflegende Angehörige in Mecklenburg-Vorpommern

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Getty Images/Westend61

28.05.2020 – Pflegende Angehörige in Mecklenburg-Vorpommern sollen wegen der besonderen Belastungen während der Corona-Krise eine Prämie von 500 Euro erhalten. Dies gelte für Privatpersonen, die Angehörige pflegen oder Menschen mit Behinderung betreuen, teilte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) am Dienstag in Schwerin mit.

„Wir wollen damit die Leistungen und das Engagement von pflegenden Angehörigen würdigen. Sie sind eine unverzichtbare Stütze unseres Pflegesystems. Das wird in der Corona-Krise besonders deutlich“, sagte Drese weiter.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Aufgrund der Schließungen von Tagespflegen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung hätten pflegende Angehörige vielfach die Pflege in der Häuslichkeit komplett übernommen. Dabei komme es zu finanziellen Belastungen.

Den Angaben der Ministerin zufolge ist die Prämie eine Einmalzahlung, die das Bundesland übernimmt. Dafür sollen insgesamt 1,4 Mio. Euro aus dem Sozialfonds des Landes zur Verfügung gestellt werden. Diese Prämie können laut Sozialministerium Privatpersonen erhalten, die ihren Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern haben und eine pflegebedürftige Person betreuen, der mindestens Pflegegrad 1 anerkannt wurde. Wer einen Menschen mit Behinderung betreue, könne die Prämie ebenfalls erhalten.

Drese: „Die Prämie kann natürlich kein finanzieller Ausgleich sein. Sie ist eine Anerkennungsleistung für pflegende Angehörige. Das ist mir ein besonderes Anliegen.“

–> Zum Antragsformular (unter Punkt „Säule 6.2 – Anerkennungsprämien für Angehörige von Menschen mit Behinderung und pflegebedürftiger Personen“)

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Stress_Belastung

Online-Befragung: Welche psychosozialen Auswirkungen hat die Corona-Pandemie?

Stress_Belastung

Getty Images/Juanmoni26

26.05.2020 – Die Veränderungen, die das neuartige Coronavirus auf das öffentliche, berufliche und private Leben nimmt, haben nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen, sondern beeinflussen Menschen auch emotional.

Studien zufolge werden 76 % der zu Pflegenden in der eigenen Häuslichkeit betreut, jeder Zweite von ihnen wird allein von pflegenden Angehörigen versorgt. In den vergangenen Monaten ist die Zahl jener, die zu Hause einen Angehörigen pflegen sogar gestiegen, wie Krankenkassen berichten, – teilweise sogar um fast 12 %. Denn Tagespflegeeinrichtungen sind vielerorts geschlossen, ambulante Pflegedienste haben mit Personalmangel zu kämpfen und die Unterstützungsleistungen vor Ort haben sich reduziert. Angehörige müssen die Versorgung ihrer Lieben verstärkt sicherstellen.

Wie gehen die Menschen mit diesen neuen Anforderungen um? Wie belastet sind die Familien? Wie wirken sich Homeoffice, Kurzarbeit oder vielleicht sogar der drohende Arbeitsplatzverlust auf die Psyche der Menschen aus?

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden, läuft seit März 2020 eine wissenschaftliche Online-Befragung der Technischen Universität (TU) Chemnitz. Die Techniker Krankenkasse (TK) unterstützt das Projekt. Bereits mehr als 3.000 Menschen haben daran teilgenommen. Jetzt werden noch weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

Bertolt Meyer von der Professur für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie leitet die Studie und sagt: „Ziel ist es, ein möglichst repräsentatives Bild der psychosozialen Auswirkungen auf die Menschen durch die Corona-Pandemie zu bekommen. Die Erkenntnisse können dabei helfen, die negativen psychosozialen Auswirkungen der Pandemie zu erkennen und mit konkreten Maßnahmen zu vermindern.“

Der Studienzeitraum läuft über mehrere Monate. Die Befragten werden – nach Einwilligung – nach mehreren Wochen erneut online befragt. „So erhalten wir einen guten Überblick über die Belastungen innerhalb der einzelnen Abschnitte der Kontaktbeschränkungen. Von der ersten großen Kontaktbeschränkung Anfang März bis hin zu den stufenweisen Lockerungsmaßnahmen“, so Meyer.

Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig und anonym. Es werden keine Daten erfasst, die einen Rückschluss auf eine konkrete Organisation oder Person ermöglichen. Interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer können noch bis Ende Juni den Fragebogen ausfüllen. Ausführliche Ergebnisse will die TK im Herbst 2020 veröffentlichen.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Online

So werden Angehörige fit für die Pflege

Online

Getty Images/MoMo Productions

21.05.2020 – Die Corona-Pandemie verunsichert viele pflegende Angehörige. Unterstützung für den herausfordernden Pflegealltag finden Angehörige z. B. in den kostenlosen Online-Pflegekursen „Grundlagen der häuslichen Pflege“, „Demenz: Alltagsgestaltung und Begleitung“ und „Schlaganfall – Die Krankheit verstehen“ von „Angehörige pflegen“.

Die Kurse sind zusammen mit professionell Pflegenden erarbeitet worden. Die Inhalte sind verständlich aufbereitet und übersichtlich strukturiert. Mit Videos, Bildern und Grafiken werden selbst komplexe Lerninhalte leicht nachvollziehbar.

Die Kosten für die zertifizierten Kurse werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Stürzen

Wie Angehörige Pflegebedürftige vor Stürzen schützen können

Stürzen

Getty Images/RealPeopleGroup

19.05.2020 – Statistisch gesehen stürzt jede zehnte durch ambulante Pflegedienste versorgte pflegebedürftige Person einmal innerhalb von 14 Tagen. Um das Sturzrisiko so gering wie möglich zu halten, können Angehörige helfen. Dabei sind v. a. 2 Aspekte entscheidend: regelmäßige Bewegung, etwa über gemeinsame Spaziergänge, und eine „aufgeräumte“ Wohnung. Wichtig ist es, die pflegebedürftige Person dabei zu unterstützen, möglichst viel selbst zu erledigen, z. B. beim Anziehen oder bei der Körperpflege. Das fördert die Selbstständigkeit und den Bewegungsradius im Alltag.

Allerdings: „Menschen mit Pflegebedarf zu motivieren, ist wichtig. Sie unter Druck zu setzen oder gar zu zwingen, darf dabei nicht sein“, gibt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zu bedenken. Um Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht zu trainieren, empfiehlt Sulmann u. a. fachlichen Rat z. B. über eine Physiotherapie einzuholen. Auch Bewegungsangebote von Krankenkassen und Gemeinden böten oft hilfreiche Kurse wie Herzkreislauf-Trainings oder Sitzgymnastik.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

In der eigenen Wohnung sollten Stolperfallen aus Teppichkanten und Kabeln vermieden werden. Insbesondere wenn mit Rollator oder Rollstuhl rangiert werden müsse, brauche es ausreichend Platz. Haltegriffe oder Handläufe an den Wänden sorgten für Sicherheit. Gute Lichterverhältnisse, festes Schuhwerk sowie gutsitzende Kleidung trügen darüber hinaus zu einem möglichst sicheren Gang bei.

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.