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Impfstrategie

Pflegende Angehörige in nationaler Impfstrategie vorrangig berücksichtigen

Impfstrategie

Getty Images/Luis Alvarez

05.01.2021 – Beim Corona-Infektionsschutz müssen pflegende Angehörige endlich in die nationale Teststrategie eingebunden und mit Vorrang in die diskutierte Impfstrategie einbezogen werden. Das hat der Bundesverband „wir pflegen“ kurz vor Weihnachten in einer 4-seitigen Stellungnahme an die Bundesregierung und Abgeordnete im deutschen Bundestag gefordert.

„Die schwierige Lage pflegender Angehöriger während der Pandemie scheint in der Politik immer noch nicht angekommen zu sein und das, obwohl sie in Deutschland den größten Anteil der Pflegearbeit übernehmen“, mahnte Vorstandsmitglied Sebastian Fischer.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

In Deutschland pflegten rd. 5 Mio. Angehörige mehr als 2,6 Mio. Menschen mit Pflegebedarf im häuslichen Umfeld.

Die Situation der häuslichen Pflege sei in der zweiten Welle mehr als prekär, mahnt der Verband.

Wichtige Unterstützung wie Tagespflege, zugehende Beratung oder ambulante Pflege seien weggebrochen. Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr könnte auch der Freundes-, Nachbar- oder Bekanntenkreis nicht wie vor der Pandemie unterstützen. So blieben viele Familien sich selbst überlassen, Betreuung und Versorgung zu stemmen.

Pflegende Angehörige stärken

Die häusliche Pflege sei hinsichtlich der Corona-Maßnahmen vorrangig zu behandeln, so nun der Verband.

4 Maßnahmen seien deshalb erforderlich:

  1. Pflegende Angehörige sind in die nationale Teststrategie aufzunehmen und brauchen einen Zugang zu Schnelltests.
  2. Für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf braucht es eine Freistellung mit Lohnersatz nach Infektionsschutzgesetz.
  3. Die Pflegehilfsmittelpauschale ist von 60 auf 80 Euro anzuheben.
  4. Pflegende Angehörige sind ebenfalls mit Vorrang in eine nationale Impfstrategie aufzunehmen.

Anliegen von Angehörigen wahrnehmen und ernsthaft an Lösungen arbeiten

Darüber hinaus fordert der Verband Bundesregierung und Bundestag auf, die Anliegen pflegender Angehöriger „endlich ausreichend wahrzunehmen, Lösungsvorschläge ernsthaft voranzutreiben und zeitnah zu verabschieden“.

„Bei aller Liebe ist häusliche Pflege Arbeit. Häusliche Pflege gibt es nicht umsonst. Vor allem nicht in einer Pandemie. Die Zeit drängt. Handeln Sie!“, so der eindringliche Appell von „wir pflegen“.

Auch die Diakonie Deutschland hat vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass pflegende Angehörige in der Impfstrategie nicht vergessen werden dürften.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz

Neues Gesetz: Verbesserungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz

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1.12.2020 – Ende November hat der Bundestag das Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz (GPVG) verabschiedet. Das bringt Entlastungen sowohl für Pflegebedürftige als auch ihre Angehörigen mit sich.

Hilfsmittel leichter beantragen

So z. B. ist die Beantragung von Hilfsmitteln künftig leichter und verlängern sich die Corona-Akuthilfen für pflegende Angehörige.

Die bisher befristete Regelung, nach der im Rahmen der Pflegebegutachtung empfohlene Hilfsmittel automatisch – auch ohne ärztliche Verordnung – als beantragt galten, soll ab 2021 dauerhaft gelten.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Finanzielle Unterstützung verlängert 

Das bereits seit Ende Mai geltende, erweiterte Pflegeunterstützungsgeld für Corona-bedingte Versorgungsengpässe gilt in dieser Form bis Ende März 2021.

Das Pflegeunterstützungsgeld ist eine Lohnersatzleistung für Angehörige, die vorübergehend gezwungen sind, die häusliche Pflege zu übernehmen.

Digitale Beratungsgespräche

Beratungsbesuche für Pflegegeldempfänger sollen ebenfalls bis Ende März 2021 nicht nur in der eigenen Häuslichkeit erfolgen, sondern auch telefonisch oder digital über Video.

Die Beratungsbesuche dienen insbesondere der regelmäßigen Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Unterstützung von z. B. pflegenden Angehörigen und somit der langfristigen Sicherstellung der häuslichen Pflege.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegereform

Pflegereform: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bekommen mehr Geld

Pflegereform

Getty Images/Luis Alvarez

19.11.2020 – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Eckpunkte für eine Pflegereform im kommenden Jahr ausgearbeitet. In dem 5-seitigen Konzept sind u. a. Entlastungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige vorgesehen.

Mehr Pflegesachleistungen und Pflegegeld

Um die häusliche Pflege zu stärken und die gestiegenen Kosten der vergangenen Jahre auszugleichen, sollen die ambulante Pflegesachleistung, das Pflegegeld sowie die Tagespflege zum 1. Juli 2021 um 5 % und ab 2023 regelhaft jährlich in Höhe der Inflationsrate angehoben werden.

Pauschale für Pflegehilfsmittel erhöht sich auf 60 Euro

Für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind – z. B. Inkontinenzwindeln –, soll die Pauschale von 40 auf 60 Euro im Monat steigen.

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Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege besser miteinander kombinieren

Mehr Flexibilität sollen Angehörige bei der Organisation der Pflege bekommen. Dafür sollen Kurzzeit- und Verhinderungspflege künftig smarter kombiniert werden können. Es soll zudem in der Entscheidung der Angehörigen liegen, ob sie bei Pflegediensten Leistungspakete oder Zeitkontingente buchen.

Im Gegenzug will die Regierung die Möglichkeiten der Kombination von betreutem Wohnen und Tagespflege einschränken.

Mehr Reha-Maßnahmen

Zur Vorbeugung vor Pflegebedürftigkeit plant Spahn, Reha-Maßnahmen für über 70-Jährige auszuweiten. Dies soll gelingen, indem die Pflegekassen verpflichtet werden, die Hälfte der Kosten zu übernehmen.

Wenn die Krankenkassen nicht mehr die vollen Kosten tragen müssen, werden sie häufiger die Reha-Maßnahmen genehmigen – so die Hoffnung des Ministers.

Die Reformüberlegungen sind noch in einem frühen Stadium und die Ausführungen bislang lediglich Gegenstand von „koalitionsinternen Beratungen“.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Hausbesuche

Einstufung in Pflegegrade: MDK setzt persönliche Hausbesuche wieder aus

Hausbesuche

Getty Images/Dobrila Vignjevic

10.11.2020 Qualitätsprüfungen und persönlichen Hausbesuche der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) sind während der aktuellen Kontaktbegrenzung im November erneut ausgesetzt. Das gab der MDK in der Vorwoche bekannt. Erst im Oktober waren die Kontrollen nach einer Zwangspause seit März wieder aufgenommen worden.

„Die Medizinischen Dienste leisten damit ihren Beitrag zur Kontaktreduzierung und zum Infektionsschutz der besonders gefährdeten pflegebedürftigen Menschen.“

Das sagte der Geschäftsführer des Medizinischen Diensts des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS), Peter Pick.

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Einstufung in Pflegegrade: Zeitnaher Leistungsbezug sichergestellt

 

Die Einstufung in Pflegegrade erfolge während der Kontaktbeschränkung auf Basis bereits vorliegender Informationen. Zusätzlich gebe es die zu Beginn der Corona-Krise entwickelten strukturierten Telefoninterviews mit Pflegebedürftigen und ihren Bezugspersonen. Sie hälfen, den Grad der Pflegebedürftigkeit festzustellen.

Auf diese Weise würden der zeitnahe Leistungsbezug und die damit verbundene Versorgung sichergestellt.

Die Begutachtungen der gesetzlichen Krankenversicherung erfolgten während der Kontaktbeschränkung ebenfalls ohne körperliche Untersuchung.

Wie werden Pflegebedürftige aktuell begutachtet? Wie sehen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen aus? Antworten dazu hat der MDK in einem Infoblatt zusammengefasst.

Weitere Informationen zur Begutachtung und Qualitätsprüfung während der Pandemie gibt es auf den Internetseiten des MDS.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Studie_Corona

Pflegende Angehörige leiden zunehmend unter Corona-Krise

Studie_Corona

Getty Images/2K Studio

3.11.2020 – Pflegende Angehörige leiden überdurchschnittlich stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Für 57 % der Befragten wurde die Pflege nach eigenem Bekunden in der Pandemie zeitlich aufwendiger. Ein Drittel bewertet die eigene Lebensqualität als schlecht oder sehr schlecht – vor der Corona-Pandemie waren es nur 7 % – der Wert hat sich also mehr als vervierfacht. Ein Großteil der Befragten gab auch an, dass Pflege und Beruf aufgrund der Pandemie noch schwieriger zu vereinbaren seien. Das ergab eine repräsentative Studie der Universität Bremen für die DAK-Gesundheit.

Eigene Lebensqualität sinkt

Hintergrund sei unter anderem, dass professionelle Hilfe etwa von Pflegediensten nicht in gewohntem Umfang in Anspruch genommen werden konnte. Der eigene Gesundheitszustand hat sich demnach nun für 11 % der pflegenden Angehörigen „erheblich“ verschlechtert, für 41 % „etwas“. Als „nicht verändert“ beschrieben ihn 47 %.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sagte am Montag, die Situation pflegender Angehöriger sei schon vorher schlecht gewesen.

„Mit der Corona-Krise ist die Belastungsgrenze endgültig überschritten.“

Viele bräuchten kurzfristig mehr Flexibilität in der Pflege und im Beruf, weil die Pandemie noch anhalten werde.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Storm begrüßte Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in diese Richtung, die ein erster Schritt zur Entlastung seien.

Der Pflegeexperte und Studienleiter Professor Heinz Rothgang sagte:

„Pflegende Angehörige sind eine der größten Stützen unserer Gesellschaft. Doch sie bleiben unsichtbar: Auch in der Corona-Krise bekommen sie weder zusätzliches Geld noch Applaus. Diese geringe Anerkennung ihrer Arbeit macht die Situation Pflegender noch schwerer. Umso wichtiger ist es, ihre Leistung anzuerkennen und sie mit geeigneten Maßnahmen zu unterstützen.“

Für die Studie wurden vom 8. Juni bis 12. August 1.296 Menschen via Onlinefragebogen befragt. Im Blick standen zu Hause Pflegende im erwerbsfähigen Alter bis 67 Jahren. Insgesamt wurden 24.500 Personen angeschrieben, die als Pflegepersonen von pflegebedürftigen DAK-Versicherten registriert sind.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Umfrage_PflegendeAngehörige

Umfrage für pflegende Angehörige zu Belastungen während der Corona-Pandemie

Umfrage_PflegendeAngehörige

Getty Images/Daniel Balakov

29.10.2020 Die Corona-Pandemie hat den Alltag vieler Menschen verändert, insbesondere den pflegender Angehöriger. Neben der Belastung, die die Pflege eines Angehörigen ohnehin mit sich bringt, kommt oft noch Angst, eben diese Person unwissentlich mit dem Virus anzustecken.

Was entlastet pflegende Angehörige?

Das Zentrum für psychische Gesundheit im Alter in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie will deshalb herausfinden, welche Belastungen und Schwierigkeiten pflegende Angehörige während der Corona-Pandemie erfahren haben, wie sie mit diesen umgegangen sind und was ihnen dabei geholfen hat.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Ziel der Befragung ist, das Stress-, Belastungs- und Bewältigungserleben pflegender Angehöriger besser zu verstehen, um so geeignete Unterstützungsangebote entwickeln zu können.

Ergebnisse sollen Unterstützungsangebote verbessern

Zur Teilnahme sind alle Personen aufgerufen, die privat einen Menschen pflegen, ob in direkter Verwandtschaft, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft. Die Befragung ist anonym und kostenfrei und läuft noch bis Ende Januar 2021.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Anerkennung_pflegendeAngehörige

Pflegende Angehörige fordern mehr Wertschätzung

Anerkennung_pflegendeAngehörige

Getty Images/the_burtons

29.09.2020 – Mehr Anerkennung für pflegende Angehörige – das fordern der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz und der Verein „Pflegende Angehörige“.

Die Corona-Pandemie habe deutlich gemacht, dass insbesondere der häuslichen Pflege eine Lobby fehle. Die Probleme und Nöte von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen fänden zu wenig öffentliche Beachtung.

Der VdK Rheinland-Pfalz will das mit einem landesweiten Aktionstag am 8. Oktober unter dem Motto „Wir schmeißen nicht das Handtuch“ ändern. Pflegende Angehörige, deren Familie und Freude sowie Mitarbeiter der häuslichen Pflege sind aufgerufen, an diesem Tag ein weißes Handtuch aus dem Fenster zu hängen.

 

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Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

„Wir wollen mit den weißen Handtüchern sichtbar machen, in wie vielen Haushalten in Rheinland-Pfalz Menschen gepflegt werden oder wer alles an der Pflege von Angehörigen und Freunden beteiligt ist“, teilte der Landesverband des VdK mit.

Pflegende Angehörige als tragende Säule der Pflege

Außerdem fordert er u. a. bessere Informationen über regionale Pflegeangebote durch Pflegekassen und Pflegestützpunkte, mehr individuelle Pflegeleistungen sowie den Ausbau von Kurzzeit- und Tagespflege.

Auch der Verein für pflegende Angehörige sieht Verbesserungsbedarf. Während der Corona-Krise sei v. a. die berufliche Pflege sehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Angesichts der Tatsache, dass fast 80 % aller Pflegebedürftigen derzeit in Deutschland zu Hause betreut würden, sei das eine Ungleichbehandlung. Pflegende Angehörige seien die tragende Säule der Pflege. Der Verein appelliert deshalb für einen gesellschaftlichen Diskurs über eine bessere Anerkennung für pflegende Angehörige.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegehaushalt_Belastung

Report: Rund ein Viertel der Pflegehaushalte „sehr stark belastet“

Pflegehaushalt_Belastung

Getty Images/Shestock

09.09.2020 – Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist für rund jeden vierten Pflegehaushalt zeitlich und psychisch sehr stark belastend. Das geht aus einer Befragung für den „Pflege-Report 2020“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. „Die Leistungsangebote der Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren deutlich ausgebaut und flexibler gestaltet worden. Trotzdem ist jede vierte Person, die einen Angehörigen zu Hause pflegt, durch die Pflege insgesamt hoch belastet“, sagte Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO und Mitherausgeberin des Pflege-Reports.

Psychische Belastung

Auf Grundlage der sogenannten „Häusliche-Pflege-Skala“ (HPS), die z. B. Aspekte wie körperliche Erschöpfung, Lebenszufriedenheit und psychische Belastung beinhaltet, zeige sich für knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen eine „hohe Belastung“ und für 43 Prozent eine „mittlere Belastung“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung des WIdO. Lediglich bei etwa einem Drittel der Befragten sei sie niedrig.

Zeitliche Belastung

Zudem habe die Befragung ergeben, dass die zeitlichen Belastungen der Haushalte ungleich verteilt seien. Demnach brachte die Hälfte der pflegenden Angehörigen etwa 4 Stunden und weniger täglich für die Pflege auf, ein Viertel der Haushalte hingegen mindestens 7,6 Stunden. Angehörige, die eine Person mit den Pflegegraden 3 bis 5 oder mit einer demenziellen Erkrankung versorgten, seien besonders gefordert: Ein Viertel von ihnen leistete etwa 10 Stunden pflegerische Tätigkeit täglich. Jeder 10. Haushalt berichtete Pflegezeiten von 20 Stunden und mehr pro Tag.

Finanzielle Belastung

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Pflegehaushalte tragen durchschnittlich nur geringe finanzielle Eigenbeteiligungen. So wende nur jeder vierte Pflegebedürftige selbst Eigenleistungen für die Pflege und Betreuung zu Hause auf. Diese belaufen sich dem Report zufolge im Durchschnitt auf etwa 250 Euro monatlich. „Insgesamt zeigen sich deutlich geringere finanzielle Belastungen als in der vollstationären Pflege, wo die Eigenanteile – und zwar nur für Pflege und Betreuung – im vergleichbaren Zeitraum zur Befragung im 4. Quartal 2019 im Durchschnitt 775 Euro betrugen“, so Schwinger.

 

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Unterstützungsbedarf in anderen Bereichen

Als problematisch betrachteten die meisten befragten Personen aber eher andere Bereiche. Die Hälfte gab an, sich mehr Unterstützung auf den Gebieten „Körperpflege, Ernährung und Mobilität“, „Betreuung und Beschäftigung im Alltag“ sowie bei der „Führung des Haushalts“ zu wünschen.

Für die Studie befragte das Institut Forsa im Auftrag des WIdO von Dezember 2019 bis Januar 2020 etwa 1.100 pflegende Angehörige.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegende Angehörige

Akuthilfen für pflegende Angehörige in der Corona-Krise verlängert

Pflegende Angehörige

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03.09.2020 – Die Akuthilfen für pflegende Angehörige in der Corona-Pandemie, die zunächst bis zum 30. September 2020 gelten, werden bis Ende 2020 verlängert. Dies hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen.

„Pflegende Angehörige leisten in der Corona-Krise Enormes und springen ein, wenn die professionelle Pflege zum Beispiel wegen Schließungen von Tagespflegeeinrichtungen ausfällt. Sie haben unseren großen Dank, aber auch konkrete Unterstützung verdient“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD).

So sollen die im Mai in Kraft getretenen Akuthilfen bis Jahresende verlängert werden. „Wer coronabedingt Angehörige pflegt und erwerbstätig ist, erhält durch die Verlängerung auch weiterhin bis zum 31.12.2020 das Recht, bis zu 20 Arbeitstage pro Akutfall der Arbeit fernzubleiben“, so die SPD-Politikerin. Zudem verlängerten sich das Pflegeunterstützungsgeld für diese Zeit sowie flexiblere Regelungen wie z. B. eine kürzere Ankündigungsfrist der Familienpflegezeit, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung des Bundesfamilienministeriums.

Aktuell pflegen dem Ministerium zufolge rund 4,8 Millionen Angehörige ein Familienmitglied. Etwa 2,5 Millionen von ihnen seien erwerbstätig.

 

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Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Corona_Pflege_Angehoerige

Pflegende Angehörige in der Corona-Krise: Frischer Wind

Corona_Pflege_Angehoerige

Hanna Lucassen

Die Corona-Krise hat den Alltag von Barbara Hedtmann (64) und Kurt Steffenhagen (86) verändert. Doch gemeinsam und mit viel Umsicht meistert das Ehepaar die außergewöhnliche Situation.

 

Der Lavendel blüht lila. Barbara Hedtmann und Kurt Steffenhagen sitzen auf ihrer kleinen Terrasse am Frankfurter Stadtrand, trinken Rotwein. Tara, die schwarze Labradorhündin, streckt sich genüsslich im Gras. Das Ehepaar liebt diese gemeinsame Stunde am frühen Abend. Ein Ritual, auf das es auch in der Corona-Krise nicht verzichtet. Vielleicht ist dies auch jetzt so wichtig wie nie: Es gibt ihnen Halt und hier finden sie in langen Gesprächen ihren individuellen Weg durch die Krise.

Gemeinsam stark

Barbara Hedtmann (64) ist Religionspädagogin. Eine temperamentvolle, durchsetzungsstarke Frau, die noch voll im Beruf steckt und für viele Themen brennt. Sie koordiniert die Seniorenarbeit und Erwachsenenbildung im evangelischen Regionalverband und hat einen Hochschullehrauftrag. Kurt Steffenhagen (86), ein großer schlanker Mann mit markanten Gesichtszügen und einem hellwachen Verstand, hat nur noch zwei Prozent Sehkraft. Seit einem Papilleninfarkt vor 13 Jahren kann der Diplom-Ingenieur nur noch grobe Umrisse erkennen. Ohne seine Frau, sagt er, wäre er aufgeschmissen. Sie legt ihm die passenden Hosen und Pullis hin, kauft ein, wäscht und kocht jeden Abend aufwendig. Sie achtet darauf, dass Zahnbürste und Telefon immer am selben Platz stehen und nichts auf dem Boden liegt, über das er stolpern könnte. Kurt Steffenhagen hat Pflegegrad 2. Der Antrag auf 3 läuft. In der Corona-Krise gehört er zur Risikogruppe der Hochaltrigen.

Ihr Weg durch die Krise

Die Pandemie wird für beide schlagartig ein Thema, als sie im März die Fernsehbilder aus Italien sehen: Schwerkranke, die isoliert im Krankenhaus liegen. Voll maskierte Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte. Sterbende, die sich von ihren Angehörigen nicht verabschieden können.

„Wollen wir das?“, fragt Barbara Hedtmann ihren Mann. Nein. Sie sind sich einig: Wenn einer von ihnen erkrankt, braucht er den anderen bei sich. Dann wollen sie nicht getrennt sein. Unter dem Eindruck der TV-Berichte verfasst Kurt Steffenhagen eine Corona-Patientenverfügung: „Für den Fall, dass ich mit dem Coronavirus infiziert werde, will ich nicht stationär in einer Klinik behandelt werden. Das gilt auch, wenn die Erkrankung COVID-19 einen schweren zum Tode führenden Verlauf nimmt.“ Kurt Steffenhagen zeigt die beiden handgeschriebenen Seiten, die in einem durchsichtigen Schutzumschlag liegen. „Ich habe keine Angst“, sagt er. „Wenn ich die Krankheit bekomme und daran sterben sollte, dann ist es so.“

Seine Frau sitzt daneben und nickt. Die beiden sind sehr offen miteinander, die Themen Tod und Sterben haben sie nie ausgeklammert. Von Anbeginn: Als sie sich vor 22 Jahren kennenlernen, sind sie beide geschieden und eigentlich frei füreinander. Aber Barbara Hedtmann braucht Zeit, um sich darauf einzulassen, der Altersunterschied macht ihr Sorgen. „Ich wusste ja, dass er wahrscheinlich lange vor mir gebrechlich werden würde.“ Sie nehmen sich Zeit, sich kennenzulernen und auch über diese Bedenken zu sprechen. Offen und ehrlich, ohne Tabus – das ist bis heute ihr Rezept.

Trotzdem – die beiden sind in der Pandemie nicht fahrlässig. Beim Einkaufen tragen sie eine Schutzmaske, sie halten Abstand und waschen sich regelmäßig die Hände. Die Verbindung zu ihren Kindern und sechs Enkelkindern halten sie aufrecht. Das ist ihnen wichtig. „Wir wägen das Risiko immer ab, aber wir wollen und brauchen eben auch den frischen Wind in unserem Leben.“

Verunsicherung

Zu dieser Klarheit müssen sie erst mal finden. Am Anfang sind auch sie verunsichert. Barbara Hedtmann ist in der schwierigen Situation vieler pflegender Angehöriger. Sie selbst gehört nicht zur Risikogruppe, muss aber aufpassen, dass sie das Virus nicht mit nach Hause schleppt und ihren Mann ansteckt. Um das Risiko zu minimieren, geht sie ins Homeoffice, obwohl sie nicht gerne zu Hause arbeitet. Inzwischen ist sie an drei Vormittagen wieder im Büro. Kolleginnen und Kollegen trifft sie dort kaum. Sie fährt mit dem Auto hin, parkt in der Tiefgarage, sitzt alleine im Büro. Auch privat ist sie jetzt selten weg.

Veränderter Alltag

Ihr Alltag hat sich verändert. Normalerweise haben beide ihr eigenes Leben: Vor Corona kommen zu Kurt Steffenhagen an zwei Vormittagen Assistenten und helfen ihm am Computer und beim Schriftverkehr. Er geht mit der Blindenhündin im Ort spazieren, trifft sich mit Senioren aus der Kirchengemeinde, um über Glaubensdinge zu diskutieren, besucht Kulturveranstaltungen. Wenn Barbara Hedtmann gegen 17 Uhr von der Arbeit kommt und sie sich zum Reden auf die Terrasse setzen, sind beide voll von Erlebnissen und Eindrücken. Frischer Wind eben.

Und nun sind sie die meiste Zeit gemeinsam zu Hause. Immerhin kommen mittlerweile die Reinigungskraft und die Assistenten wieder. Für Barbara Hedtmann ist es nicht leicht, sich zu Hause auf ihre Arbeit zu konzentrieren: den Abwasch zu ignorieren, ihren Mann auf später zu vertrösten, auch mal die Tür zu ihrem Arbeitszimmer zu schließen. Sie fühlt sich oft hin- und hergerissen und hat auch mit einem schlechten Gewissen zu kämpfen. „Wenn ich sonst zu Hause war, war ich es voll und ganz. Jetzt bin ich mit dem Kopf im Büro. Ist für uns beide nicht so einfach.“ Kurt Steffenhagen bestätigt, halb witzelnd: „Ja, wir brauchten ein bisschen Zeit, uns aneinander zu gewöhnen.“

Es komme ihr manchmal vor wie eine Probezeit, meint seine Frau später. In ein, zwei Jahren wird sie in Rente gehen und viel zu Hause sein. „Da schnupper ich jetzt mal rein – und übe, wie das geht.“ So kann sie in der Krise durchaus eine Chance sehen.

Lernen aus der Krise

Beide wissen, die Pandemie trifft andere härter: pflegende Angehörige etwa, die verzweifelt sind, weil die 24-Stunden-Pflegekraft oder der ambulante Pflegedienst nicht mehr kommen. Aber Corona hat auch im Hause Hedtmann-Steffenhagen etwas verändert. Die Krise kratzt an den Strukturen, die für die Eheleute wichtig sind, um ihre Liebe, ihren Respekt füreinander zu erhalten.

Barbara Hedtmann kämpft für diese Strukturen. Sie pflegt lange Jahre ihre Eltern – bis sie am Rand ihrer Kräfte ist und das Verhältnis zu den Eltern extrem gespannt.

Mit ihrem Mann, das weiß sie, will sie es nie so weit kommen lassen. Die beiden sorgen vor und beschließen rechtzeitig: Sie würde weiter Vollzeit arbeiten, weil es ihr gut tut. Sie würde ihn nicht körperlich pflegen. Sollte das notwendig werden, würde sie einen Pflegedienst engagieren. Gegebenenfalls würde Kurt Steffenhagen auch in das nahe gelegene Altersheim ziehen. „Mein Mann soll mein Mann bleiben – und nicht mein Patient werden“, sagt Barbara Hedtmann.

Aber natürlich sind es manchmal nur Nuancen, die den Unterschied machen. Grenzen zu ziehen, um selbst gesund zu bleiben, fällt in Zeiten von Corona noch schwerer als sonst. Zu Hause ist sie schneller erreichbar als im Büro. Und Liebe und Fürsorge gehören eben doch oft zusammen.

Gespräche liefern frischen Wind

Wie gut, dass es die Terrassengespräche gibt. „Ihre Stunde“ ist übrigens oft auch ein Fenster nach draußen. Nachbarn oder Passanten laufen vorbei, grüßen rüber. Manchmal bleiben sie auch für einen kleinen Schwatz stehen, in sicherer Entfernung. „Was gibt’s Neues?“ „Wie kommt ihr über die Runden?“ Barbara Hedtmann genießt das ganz bewusst. Der frische Wind, der ihr so wichtig ist, er weht jetzt vielleicht nicht so stark wie sonst in ihr Haus. Aber wenn ein Lüftchen kommt, eine Brise – dann macht sie die Tür weit auf. Und atmet ganz tief ein.

 

 

 

Über die Autorin

Hanna Lucassen ist freie Journalistin und ehemalige Gesundheits- und Krankenpflegerin.