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Amazon Sprachassistent

Amazon und Alzheimer Gesellschaft testen, ob Sprachassistent Menschen mit Demenz und Angehörige unterstützen kann

Amazon Sprachassistent

Foto: Amazon

17.05.2022 – Kann ein Sprachassistent Menschen mit Demenz unterstützen, ihren Alltag besser zu bewältigen? Das untersucht das Unternehmen Amazon aktuell gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Expertinnen und Experten beider Seiten begleiteten 12 Menschen mit Demenz. Gemeinsam mit ihren Pflegenden und Angehörigen testeten sie die Funktionen des Sprachassistenten „Alexa“, wie das Unternehmen in der Vorwoche mitteilte.

Erste Rückmeldungen fielen demnach überwiegend positiv aus.

Hilfreiche Funktionen für den Alltag

So habe der „Alexa“-Sprachassistent z. B. im Alltag dabei geholfen, Routinen einzuhalten oder an die Einnahme von Medikamenten zu erinnern.

Einen positiven Effekt auf die Testpersonen mit Demenz hatte laut Amazon das Betrachten alter Bilder, die auf dem Bildschirm des Geräts gezeigt wurden. Das habe ihr emotionales Wohlbefinden und die Aufmerksamkeit gesteigert.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Am häufigsten hätten die Testpersonen die Funktion zum Abspielen von Musik und ausgewählten Radiosendungen genutzt. Musik habe einigen Teilnehmenden zur Aufmunterung gedient.

Weiterentwicklung notwendig

Die Tests hätten nach Angaben des Unternehmens aber auch noch viel Entwicklungspotenzial ergeben. Eines der Hauptanliegen der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen sei gewesen, dass der Sprachassistent sich an ihre Sprachgeschwindigkeit anpasse.

„Da die Betroffenen teilweise sehr langsam sprechen und nach Worten suchen, müsste Alexa dieses verzögerte Sprachtempo berücksichtigen. Genauso bei abweichenden Formulierungen, die Alexa noch nicht erkennt“, teilte das Unternehmen mit.

Ein wichtiger Wunsch sei zudem eine Notruffunktion.

Zusätzlich hätten sich einige der Testpersonen eine alternative Aktivierungsmöglichkeit des Sprachassistenten gewünscht, wie über die automatische Gesichtserkennung oder bestimmte Signalwörter.

Die Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Saskia Weiß, äußerte sich überrascht, wie offen die Testpersonen den Sprachassistenten akzeptiert hätten:

„Das zeigt, Sprachdienste haben das Potenzial, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in ihrem Alltag zu unterstützen.“

Herausforderung für Menschen im fortgeschrittenen Stadium der Demenz

Allerdings nehme im Verlauf einer Demenz die Sprachfähigkeit ab – also jenes Können, das für die Nutzung eines Sprachassistenten ausschlaggebend sei.

Deshalb sei die eigenständige Nutzung des Sprachassistenten für Testpersonen im fortgeschrittenen Stadium nur schwer oder gar nicht möglich gewesen.

Amazon will nach eigenen Angaben den Sprachassistenten an das verzögerte Sprechtempo von an Demenz erkrankten Personen anpassen, damit sie mehr Zeit haben, ihre Anfrage zu formulieren. 

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegebevollmächtigte Claudia Moll

Pflegebevollmächtigte Moll will Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten

Pflegebevollmächtigte Claudia Moll

Foto: Nikolai Kues

12.05.2022 – Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten und unterstützen – das hat die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, am Donnerstag anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden angekündigt. Sie wolle die ehrgeizigen Ziele aus dem Koalitionsvertrag jetzt angehen.

Nicht erst durch die Pandemie sei klar geworden, unter welch großer Belastung die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu Hause funktionieren müssten, so Moll. 

Sie wolle ihr Augenmerk vorrangig auf 3 Punkte legen.

„Zum einen ist es zwingend notwendig, das Pflegegeld jetzt spürbar zu erhöhen.“

Dieses Geld sei als Unterstützung für die Pflege zu Hause gedacht und müsse mit der Entwicklung der Preise und Löhne Schritt halten.

Leistungen nicht an die Preissteigerungen angepasst

Seit 2017 hätte es trotz der zuletzt deutlichen Preissteigerungen keine Erhöhung gegeben. Für Pflegebedürftige hieße das, dass sie heute weit weniger damit finanzieren können als noch vor 5 Jahren.

Die Erhöhung des Pflegegelds sei daher sofort anzugehen und müsse deutlich ausfallen.

„Zum anderen müssen wir eine echte Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige auf den Weg bringen“, sagte Moll weiter.

Pflegearbeit sei mit finanziellen Einbußen im Erwerbsalter verbunden. Diese könnten sich viele nicht leisten.

Eine echte Lohnersatzleistung sorge für Ausgleich und würde laut der Pflegebevollmächtigten verstärkt auch Männer ansprechen, Sorgearbeit zu übernehmen. Das hätten entsprechende Erfahrungen mit dem Elterngeld bereits gezeigt.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Flexibles Budget für individuelle Bedürfnisse

Sie führt fort:

„Als drittes müssen wir jetzt mit den Diskussionen über die Ausgestaltung eines flexibel einsetzbaren Entlastungsbudgets beginnen.“

Das brächte gerade für junge Pflegebedürftige und Menschen mit einer Behinderung Vorteile. Ein für sie passendes Pflegesetting sei dann besser zu organisieren.

Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Zusammenfassung von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege müsse daher rasch umgesetzt werden.

„Gleichzeitig müssen wir prüfen, welche weiteren Leistungen in ein solches Entlastungsbudget einbezogen werden sollten, um die Selbstbestimmung zu stärken.“

Steigende Eigenanteile in Pflegeheimen

Die immer schneller steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen bezeichnet die Pflegebevollmächtigte als Katastrophe. Ihr zufolge seien die Maßnahmen der vergangnen Legislaturperiode, um Bewohnerinnen und Bewohner finanziell zu entlasten, nur ein erster Schritt gewesen.

Da auch künftig Menschen auf Hilfe zur Pflege in Einrichtungen angewiesen sein würden, müsse das sog. „Taschengeld“ bei Hilfe zur Pflege angehoben werden.

Von den aktuell 121 Euro im Monat müssten nicht nur persönliche Dinge finanziert werden, sondern all das, was die Kranken- oder Pflegekasse nicht bezahlt, wie verschreibungsfreie Medikamente.

Über diese Punkte hinaus sieht Moll weiteren Handlungsbedarf etwa in einer rechtssicheren Ausgestaltung der 24-Stunden-Betreuung sowie passgenauer Beratungs- und effektiver Beteiligungsstrukturen.

„Ich weiß, die Herausforderungen in dieser Legislatur sind groß. Gerade deshalb müssen wir die ehrgeizigen Ziele des Koalitionsvertrages umsetzen und jetzt auch für die Pflege durchstarten“, betonte Moll.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

VdK-Studie

VdK-Studie: Jeder dritte pflegende Angehörige überfordert

VdK-Studie

Henning Schacht

10.05.2022 – Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich stark belastet und können die Pflegesituation nur schwer oder nicht mehr bewältigen. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie zur Situation in der häuslichen Pflege, welche die Hochschule Osnabrück im Auftrag des Sozialverbands VdK durchgeführt hat.

Die Studie basiere auf einer Online-Befragung von 56.000 Menschen im vergangenen Jahr.

Demnach seien 72 % der Pflegenden weiblich. Etwa die Hälfte versorge ein Elternteil.

Jeder zweite pflegende Angehörige sei bereits im Rentenalter und körperlich selbst nicht mehr fit. 63 % gaben an, dass sie täglich unter körperlichen Beschwerden litten und 59 %, dass sie wegen der Pflege die eigene Gesundheit vernachlässigen. 

Wunsch nach mehr Entlastungsangeboten

Obwohl die Mehrheit der Befragten sich mehr von den bisher möglichen Entlastungsangeboten wie Tages- und Nachtpflege (61 % der Befragten), Kurzzeitpflege (77 % der Befragten) oder Verhinderungspflege (84 % der Befragten) wünsche, werde ein Großteil dieser Leistungen von ihnen nicht in Anspruch genommen.

Laut VdK sind die Gründe für diesen Widerspruch zum einen, dass es nicht genügend Kapazitäten professioneller Pflegeanbieter gibt. So hätten 49 % der Befragten angegeben, dass nicht genug Tagespflegeplätze zur Verfügung stehen und 56 %, dass es zu wenige Kurzzeitpflegeplätze gibt.

Zum anderen seien die oft hohen Zuzahlungen ein Grund für die geringe Inanspruchnahme. Mehr als die Hälfte der Befragten schrecke dies davon ab, eines der Entlastungsangebote in Anspruch zu nehmen.

Sie befürchteten, dass vom Pflegegeld, welches 82 % der Befragten bekommen, sonst zu wenig übrigbleibt.

VdK-Studie: Antragsverfahren schreckt viele ab

Das Antragsverfahren und die Dauer des Prozederes der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege schrecke zudem jeden fünften der Befragten ab.

„Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung, und zwar eine, die auch wirklich zur Verfügung steht, zu ihren Bedürfnissen passt und sie unbürokratisch erreicht“, fasste VdK-Präsidentin Verena Bentele die Ergebnisse der Befragung auf einer Pressekonferenz am Montag zusammen.

Ihr zufolge ist eine grundlegende Reform der Unterstützungsleistungen nötig. Ein einheitliches Budget, in das alle Ansprüche einfließen, hilft laut VdK vielen Menschen mehr.

Bentele konkretisierte:

„Dann würden nicht genutzte Leistungen auch nicht mehr verfallen. Man nutzt das Geld für die Leistung, die einem was bringt. Zudem muss es möglich sein, dass damit auch die Personen bezahlt werden, die die Betroffenen schnell und verlässlich unterstützen und entlasten können: die Nachbarin, jemand aus dem Freundeskreis, Ehrenamtliche.“

Dies würde das System übersichtlicher machen und es vereinfachen.

Unabhängige Beratung notwendig

„Dringend notwendig ist zudem eine unabhängige Beratung“, so Bentele. Denn die Studie zeige auch, dass pflegende Angehörige deutlich weniger Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, wenn sie keine Beratung erhalten.

Wenn pflegende Angehörige beraten werden, steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Pflegeleistung nutzen, um ein Vielfaches. Im Fall der Tagespflege etwa von 17 % auf 83 %.

Bentele sagte weiter:

„Die Ergebnisse bestätigen: Die häusliche Pflege ist am Limit. Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde. Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflege-Zukunft entgegen!“

Kampagne zur Unterstützung pflegender Angehöriger gestartet

Mehr als 80 % der insgesamt 4,1 Mio. Pflegebedürftigen in Deutschland würden zu Hause von nahestehenden Menschen versorgt – entweder allein oder mithilfe von ambulanten Pflegediensten.

Die VdK-Studie zeige, dass auch in Zukunft die meisten Deutschen die Pflege zu Hause der in einem Pflegeheim vorziehen.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Aus diesem Grund hat der VdK am Montag mit der Präsentation der Studienergebnisse die Kampagne „Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung“ zur Stärkung der häuslichen Pflege gestartet.

„Häusliche Pflege steht nur für den Ort, wo gepflegt wird. Es geht aber um viel mehr: Die Beziehung zwischen Pflegebedürftigem und Pflegendem. Diese Beziehung ist sehr emotional und von Liebe geprägt. Deshalb sprechen wir nicht mehr von häuslicher Pflege, sondern von Nächstenpflege“, sagte Bentele dazu.

Menschen, die ihre Nächsten zu Hause pflegen, hätten keine Lobby und keine Zeit für ihre Belange auf die Straße zu gehen. „Deshalb geben wir ihnen eine Stimme“, sagte die VdK-Präsidentin zum Auftakt.

Den Anfang machte der VdK am Montag mit einer Demonstration ohne Menschen vor dem Kanzleramt, für die er die Botschaften seiner pflegenden Mitglieder auf Schilder gedruckt und aufgestellt hat.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Mentorenprojekt

Mentorenprojekt für Handwerksbetriebe zur Unterstützung Erwerbstätiger pflegender Angehöriger gestartet

Mentorenprojekt

GettyImages/skynesher

06.05.2022 – Im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen) ist das Mentorenprojekt „Erwerbstätige pflegende Angehörige: Mentorship für Handwerksbetriebe“ gestartet. Das Projekt soll Betrieben helfen, Mitarbeitenden, die einen Angehörigen pflegen, zu unterstützen. Das soll die Familienfreundlichkeit von Handwerksbetrieben verbessern und sie für Fachpersonal attraktiver machen.

Das Projekt ist Teil des von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ geförderten Projekts „münster.land.leben“ an der Fachhochschule Münster (FH Münster).

Betriebe bräuchten Ideen, um gutes Fachpersonal zu finden und zu halten, teilte die FH Münster Anfang April mit. Familienfreundlichkeit sei ein wichtiger Baustein. Die Unterstützung pflegender Mitarbeitender sei für viele Unternehmen jedoch Neuland.

Mentorenprojekt: Erfahrungen an andere weitergeben

Über das Mentorenprojekt könnten Unternehmen, die bereits Erfahrung mit pflegenden Mitarbeitenden hätten, ihr Wissen an andere Betriebe weitergeben.

Als erster Mentor wolle nun die Unternehmensgruppe Pietsch ihre Erfahrungen an die Kreishandwerkerschaft Borken weitergeben.

Begleitet wird das Projekt dabei von der Wirtschaftsförderung Borken, dem Fachbereich Gesundheit der FH Münster sowie dem Institut HeurekaNet in Münster. Das Angebot sei für die teilnehmenden Unternehmen kostenlos.

Keine Sorge um den Job in einer Notsituation

Geschehe ein Unfall oder trete eine plötzliche Erkrankung auf, müssten Angehörige in kürzester Zeit viel bedenken. Da sei es beruhigend, wenn der Job zunächst in den Hintergrund treten dürfe, so die FH Münster.

„Mitarbeitende in Akutsituationen sind oft erst mal gar nicht in der Lage zu reden“, sagt Rendel Pietsch von der Unternehmensgruppe Pietsch.

„Darum vermitteln wir ihnen als Erstes: Du bist nicht in Gefahr, sondern kannst deine Prioritäten anders setzen.“

Mitarbeitende wissen Engagement zu schätzen

Das Unternehmen habe nach eigenen Angaben bereits seit 2015 im Rahmen einer lebensphasenorientierten Personalplanung auch die wachsende Gruppe der pflegenden Angehörigen im Blick.

So stünden bspw. Pflegelotsen für alle Standorte als erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung.

Das zahle sich laut Pietsch aus, die Mitarbeitenden wüssten das Engagement und die Achtsamkeit ihres Arbeitgebers zu schätzen.

Der Zeitaufwand sei gering, der Nutzen groß, meint auch Thomas Oelschläger von HeurekaNet. Er werde den Austauschprozess moderieren.

Oelschläger erläutert weiter:

„Wenn Unternehmen die Situation der pflegenden Mitarbeitenden kennenlernen, können sie auch unterstützende Maßnahmen entwickeln – ein Schritt zum attraktiven Arbeitgeber, der seine Fachkräfte finden und binden kann.“

Weitere Teilnehmer gesucht

Interessierte Betriebe und Organisationen, die an dem Projekt teilnehmen möchten, können sich telefonisch unter der Nummer 0178/ 9 15 34 01 bei Oelschläger melden.

„Gesucht werden Handwerksbetriebe, die sich um ihre pflegenden Kolleginnen und Kollegen bemühen möchten und ein halbes Jahr lang einmal im Monat zwei Stunden in ein gemeinsames Treffen investieren wollen“, so die FH Münster. 

Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse in den teilnehmenden Betrieben verankert und erprobt werden – sodass die Mitarbeitenden am Ende eine „echte Unterstützung“ erführen.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Rechte Pflegebedürtiger

Neuer Kurzratgeber zu Rechten Pflegebedürftiger

Rechte Pflegebedürtiger

GettyImages/AE Pictures Inc.

03.05.2022 –Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat am Montag einen neuen Kurzratgeber mit dem Titel „Rechte pflegebedürftiger Menschen“ veröffentlicht. Darin fasst sie zusammen, was würdevolle Pflege ausmacht und zeigt 10 Merkmale guter Pflege sowie Rechte pflegebedürftiger Menschen auf.

Pflegebedürftige Menschen haben laut ZQP das Recht auf eine gute, würdevolle Pflege. Für sie und ihre Angehörigen sei jedoch entscheidend, wie dieses Recht im konkreten Fall gewahrt werde.

Eine Antwort darauf sei jedoch nicht immer einfach, denn Pflegebedürftige, Angehörige, Pflegende, Ärztinnen und Ärzte könnten eine Situation durchaus unterschiedlich bewerten.

Gute Pflege ist keine Ansichtssache

Gute Pflege sei aber nicht nur persönliche Ansichtssache, sondern weise verschiedene nachvollziehbare Merkmale auf, die sich z. B. aus Gesetzen oder fachlichen Leitlinien und Standards ergäben. Pflegebedürftige Menschen könnten erwarten, dass dies bei der Pflege Beachtung findet.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Der Ratgeber gibt nach ZQP-Angaben einen Überblick, welche Grundsatzdokumente relevant sind, wie u. a. die deutsche Pflege Charta. Sie sei das zentrale Grundsatzdokument für eine gute, würdevolle Pflege und erläutere konkret, wie sich die Rechte im Alltag pflegebedürftiger Menschen widerspiegeln sollten.

Interessierte erfahren auch, an welche Stellen sich pflegebedürftige Menschen im Fall von Mängeln in der Pflege oder  Kritik richten können.

Pflegefachfrau sowie ZQP-Geschäftsleiterin für Interventionsentwicklung und Praxistransfer, Daniela Sulmann, sagte dazu:

„Die Rechte pflegebedürftiger Menschen – und damit auch ihre Position als Verbraucherinnen und Verbraucher – sind in den letzten Jahren nach und nach gestärkt und ihre Ansprüche ausgeweitet worden. Ziel muss es sein, diese Rechte bekannter zu machen und pflegebedürftige Menschen oder ihre Vertreterinnen und Vertreter in die Lage zu versetzen, die Situation zu beurteilen und ihre Rechte nötigenfalls einfordern zu können.“

Die derzeitige Situation in der Langzeitpflege zeige, worauf Expertinnen und Experten schon lange hinweisen, dass nämlich mit einer Ausweitung von Ansprüchen und Rechten kein Automatismus für bessere Pflege verbunden ist, so Sulmann weiter.

Grundwerte guter Pflege

Ferner fasse der Kurzratgeber zusammen, was Betroffene und Angehörige zum Thema gute, würdevolle Pflege wissen sollten, bspw. was sie bedeutet und auf welchen Grundwerten sie beruht. So seien Ziele etwa das Wohlbefinden, die Gesundheit und Sicherheit pflegebedürftiger Menschen.  

Gute Pflege solle dazu beitragen, möglichst selbstbestimmt und selbstständig leben zu können. Der eigene Willen könne vorab z. B. in einer schriftlichen Patientenverfügung oder der Vorsorgevollmacht festlegt werden, so die Pflegeexpertin.

Den werbefreien Kurzratgeber gibt es kostenlos als Download auf der Website des ZQP.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Häusliche Pflege | Entlastung

Häusliche Pflege: Pflegebedürftige und Angehörige entlasten

Häusliche Pflege | Entlastung

Getty Images/FredFroese

26.08.2021 – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat angesichts der laufenden vierten Welle der Corona-Pandemie an die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen erinnert. In der häuslichen Pflege dürften diese Personen nicht alleingelassen werden. Fehler der vergangenen Monate dürften sich jetzt nicht wiederholen.

“Pflegende Angehörige waren durch die Reduzierung und Schließung von Betreuungsangeboten häufig auf sich allein gestellt und mussten in der Pandemie ohne professionelle Unterstützung große Herausforderungen meistern.”

Jetzt müssten die richtigen Schlüsse gezogen werden. In einem 3-seitigen Positionspapier fasst der Pflegebevollmächtigte deshalb Maßnahmen zusammen, die seiner Auffassung nach, Pflegebedürftige und Angehörige entlasten. Denn diese müssten nicht nur mit ihrer Schutzbedürftigkeit, sondern v. a. mit ihren Bedürfnissen in den Fokus genommen werden.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

So sollten z. B. für Betroffene und pflegende Angehörige Tagespflege, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege so weit wie möglich verfügbar bleiben.

Einfacher, schneller Zugang zum Impfen

Wichtigster Baustein in der Pandemie bleibe für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige das Impfen, betonte Westerfellhaus. Derzeit würden Vorkehrungen für notwendige Auffrischungsimpfungen getroffen. Insbesondere für die genannte Personengruppe müsse der Zugang zu Impfungen so leicht wie möglich sein – in der häuslichen Pflege etwa über mobile Impfteams.

Westerfellhaus:

“Unabhängig von einer Pandemie ist erste und wichtigste Aufgabe aller Beteiligten, Selbstbestimmung, Teilhabe und Würde in der stationären und in der häuslichen Pflege zu verwirklichen. Daran müssen sich Politik, Kostenträger und Leistungserbringer jetzt und auch in Zukunft messen lassen.”

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Leitlinie, ambulante Pflege

Leitlinie: Das können Angehörige von ambulanten Pflegediensten während Corona erwarten

Leitlinie, ambulante Pflege

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06.05.2021 – Die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) hat eine Leitlinie für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen veröffentlicht. In gut verständlicher Sprache bietet sie betreffenden Personen eine Grundlage, um sich auf das Gespräch und die Zusammenarbeit mit dem ambulanten Pflegedienst vorzubereiten.

In tabellarischer Form informiert die 2-seitige Leitlinie, was Pflegebedürftige und Angehörige von ambulanten Pflegediensten im Umgang mit der COVID-19-Pandemie erwarten können.

So sollten etwa alle Besucherinnen und Besucher sowie die Mitarbeitenden des Pflegedienstes immer FFP2-Masken tragen. Das gelte auch für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige, wenn ein Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

Zudem sollte jede Person, die die Wohnung betritt, sich die Hände waschen.

DGP-Wissenschaftler Thomas Fischer erläutert:

“Es ist uns ein Anliegen, pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen in ihrer Selbstbestimmung zu stärken.”

Klar verständliche Informationen über professionelle pflegerische Leistungen seien dafür eine wichtige Grundlage.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Die Leitlinie fasst neben aktuellen Informationen zum Tragen einer FFP-2-Maske z. B. auch zusammen, wie ambulante Pflegedienste bei der Organisation der Schutzimpfung für Pflegebedürftige unterstützen können.

Die Leitlinie für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen basiert auf der Version für professionell Pflegende: S1-Leitlinie „Häusliche Versorgung, soziale Teilhabe und Lebensqualität bei Menschen mit Pflegebedarf im Kontext ambulanter Pflege unter den Bedingungen der COVID19-Pandemie – Living Guideline“.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pauschbetrag: Pflegende Angehörige sollen steuerlich entlastet werden

Getty Images/the_burtons

04.08.2020Angehörige, die zu Hause Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 2, 3, 4 oder 5 betreuen und dafür keine Einnahmen erhalten, sollen künftig weniger Steuern zahlen. Mit einem neuen „Gesetz zur Erhöhung der Behinderten-Pauschbeträge und Anpassung weiterer steuerlicher Regelungen“ sollen auch die sogenannten Pflege-Pauschbeträge angepasst werden. Einen entsprechenden Entwurf hat das Bundeskabinett in der vergangenen Woche beschlossen.

Pflege-Pauschbetrag fast verdoppelt

Demnach wird der Pauschbetrag für die Pflege von Personen mit einem Pflegegrad 4 oder 5 von 924 Euro auf 1.800 Euro pro Kalenderjahr angehoben. Darüber hinaus werden nach Angaben des Bundesfinanzministeriums für die bislang nicht berücksichtigten Pflegegrade 2 und 3 Pflege-Pauschbeträge in Höhe von 600 Euro bzw. 1.100 Euro gewährt.

„Der Pflege-Pauschbetrag soll in erster Linie die nicht bezifferbaren Aufwendungen des Pflegenden für die persönliche Pflege abdecken“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung.

 

Pauschbetrag

Ein Pauschbetrag ist ein Sammelbetrag, der pauschal von der Steuer abgesetzt werden kann. Bei der Steuereinforderung soll so der Aufwand für eine genaue Berechnung reduziert werden.  

Steuerentlastung in Zahlen

Wie hoch die steuerliche Entlastung ausfallen soll, hat das Bundesgesundheitsministerium in einer Übersicht zusammengestellt:

Steuerentlastung bei ca. 35.000 Euro Bruttolohn im Jahr:

Pflegegrad 2: ca. 180 Euro

Pflegegrad 3: ca. 330 Euro

Pflegegrad 4: ca. zusätzliche 263 Euro (von 277 Euro auf 540 Euro)

Pflegegrad 5: zusätzliche 263 Euro (von 277 Euro auf 540 Euro)

 

Der Gesetzentwurf bedarf der Zustimmung des Bundesrats. Die Neuregelungen sollen ab 1. Januar 2021 gelten.

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Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Haeusliche Pflege

Studie: Lage in der häuslichen Pflege während Pandemie weiter zugespitzt

Haeusliche Pflege

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23.07.2020 – Die Pflegesituation zu Hause versorgter älterer Menschen hat sich während der Corona-Krise verschlechtert. Davon betroffen seien sowohl die Pflegebedürftigen als auch deren pflegende Angehörige. Das geht aus einer neuen Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hervor.

Einsamkeit und depressive Verstimmungen

Demnach berichtete fast die Hälfte der befragten Personen, dass sich die Pandemie negativ auf den Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen ausgewirkt habe. Darüber hinaus stellten fast 75 % fest, dass Einsamkeit und/ oder depressive Verstimmungen bei der pflegebedürftigen Person zugenommen hätten. 85 % der Befragten gaben an, dass Pflegebedürftige weniger Besuche von Verwandten oder Bekannten erhalten hätten. Zudem hätten pflegende Angehörige beinahe zur Hälfte den Kontakt zu ihrer pflegebedürftigen Person eingeschränkt.

 

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Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Überlastung und Verschlechterung der Beziehung

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: Mehr als die Hälfte der befragten Angehörigen sagte, dass die Pflege derzeit belastender sei als vor dem Corona-Ausbruch. Eine Überforderung mit der aktuellen Situation gaben 38 % an. Außerdem habe sich die Beziehung zwischen der pflegebedürftigen Person und pflegenden Angehörigen verschlechtert. Dies berichteten drei Viertel. Bei einem Drittel seien häufiger Konflikte aufgetreten.

Auswirkungen auf Gewalt in der häuslichen Pflege

Dies alles könnte den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge auch Auswirkungen auf Gewalt in der häuslichen Pflege haben. „Die Zunahme von Belastungen unter Covid-19 ist entsprechend beunruhigend. Im Gegensatz zur Thematisierung der möglichen Auswirkungen der Covid-19-Krise auf Gewalt gegenüber Kindern und Frauen, bleibt dieses Thema bezüglich der Altenpopulation allerdings bisher unberücksichtigt“, verdeutlicht Studienleiter Vincent Horn.

Für die Erhebung wurden 330 pflegende Angehörige online befragt und ergänzend qualitative Interviews durchgeführt.

 

Dass die Corona-Pandemie die häusliche Pflege zusätzlich belastet, zu diesem Ergebnis kam jüngst auch eine Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegeberatung

Studie zeigt: Pflegebedürftige sind mit Pflegeberatung zufrieden

Pflegeberatung

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9.07.2020Pflegebedürftige sind mit der Pflegeberatung ihrer Pflegekassen zufrieden. Das geht aus einer im Auftrag des GKV-Spitzenverbands erstellten wissenschaftlichen Studie des IGES Instituts hervor. So gaben fast 90 % der befragten Pflegebedürftigen an, dass Kontaktaufnahme und Terminvereinbarung einfach gewesen seien. Mehr als 95 % berichteten, dass sie der Beratung gut folgen konnten und auf ihre Bedürfnisse ausreichend eingegangen worden sei. Fast 96 % beurteilten die Pflegeberatung ihrer Pflegekasse als unabhängig und neutral.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Zeitnah und vor Ort

Persönliche Erstberatungen erfolgten der Untersuchung zufolge innerhalb weniger Tage, 86,2 % dieser Beratungen fanden in der häuslichen Umgebung statt. 4,8 % aller Pflegeberatungen seien am Telefon durchgeführt worden. 3,4 % der Befragten hätten sich in einem Pflegestützpunkt und 2,2 % in der Geschäftsstelle ihrer Pflegekasse beraten lassen.

Inhalte der Beratungen

Als Gründe für die Inanspruchnahme der Pflegeberatung gaben diejenigen, die gerade einen Erstantrag auf Leistungen nach dem SGB XI gestellt hatten, allgemeinen Informationsbedarf zu Leistungen der Pflegekasse (74,4 %) oder zur Pflegesituation (64,8 %) an. 39,6 % fragten nach Unterstützung in einer verschlechterten Pflegesituation, 38,2 % nach Hilfe beim Ausfüllen von Formularen der Pflegekasse und 35,8 % nach Unterstützung bei der Suche nach einem Pflegedienst/Pflegeheim.

Erstantragstellende, die zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Pflegeberatung wahrgenommen hatten, nannten als Gründe: keinen Bedarf (41,4 %), kannten das Angebot nicht (26,4 %) und hätten bereits eine andere Pflegeberatung (Pflegeeinrichtung, Sozialdienst der Krankenhäuser, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung , Pflegestützpunkt) erhalten (23,1 %).

Studienteilnehmende

Für die Studie wurden 2.486 Versicherte mit Erstantrag auf Pflegebegutachtung, 2.676 Pflegegeld-Leistungsempfänger sowie 299 Pflegebedürftige, die gerade eine Pflegeberatung erhalten hatten, befragt – ebenso Pflegeberatende, Pflegeberatungsstellen, Pflegekassen und andere in der Pflegeberatung Tätige.

Alle gesetzlich Versicherten, die Leistungen der Pflegeversicherung beziehen oder einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt haben, können Pflegeberatung über ihre Pflegekassen nutzen.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.