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Pflegende Angehörige leiden zunehmend unter Corona-Krise

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Getty Images/2K Studio

3.11.2020 – Pflegende Angehörige leiden überdurchschnittlich stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Für 57 % der Befragten wurde die Pflege nach eigenem Bekunden in der Pandemie zeitlich aufwendiger. Ein Drittel bewertet die eigene Lebensqualität als schlecht oder sehr schlecht – vor der Corona-Pandemie waren es nur 7 % – der Wert hat sich also mehr als vervierfacht. Ein Großteil der Befragten gab auch an, dass Pflege und Beruf aufgrund der Pandemie noch schwieriger zu vereinbaren seien. Das ergab eine repräsentative Studie der Universität Bremen für die DAK-Gesundheit.

Eigene Lebensqualität sinkt

Hintergrund sei unter anderem, dass professionelle Hilfe etwa von Pflegediensten nicht in gewohntem Umfang in Anspruch genommen werden konnte. Der eigene Gesundheitszustand hat sich demnach nun für 11 % der pflegenden Angehörigen “erheblich” verschlechtert, für 41 % “etwas”. Als “nicht verändert” beschrieben ihn 47 %.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sagte am Montag, die Situation pflegender Angehöriger sei schon vorher schlecht gewesen.

“Mit der Corona-Krise ist die Belastungsgrenze endgültig überschritten.”

Viele bräuchten kurzfristig mehr Flexibilität in der Pflege und im Beruf, weil die Pandemie noch anhalten werde.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Storm begrüßte Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in diese Richtung, die ein erster Schritt zur Entlastung seien.

Der Pflegeexperte und Studienleiter Professor Heinz Rothgang sagte:

“Pflegende Angehörige sind eine der größten Stützen unserer Gesellschaft. Doch sie bleiben unsichtbar: Auch in der Corona-Krise bekommen sie weder zusätzliches Geld noch Applaus. Diese geringe Anerkennung ihrer Arbeit macht die Situation Pflegender noch schwerer. Umso wichtiger ist es, ihre Leistung anzuerkennen und sie mit geeigneten Maßnahmen zu unterstützen.”

Für die Studie wurden vom 8. Juni bis 12. August 1.296 Menschen via Onlinefragebogen befragt. Im Blick standen zu Hause Pflegende im erwerbsfähigen Alter bis 67 Jahren. Insgesamt wurden 24.500 Personen angeschrieben, die als Pflegepersonen von pflegebedürftigen DAK-Versicherten registriert sind.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Umfrage_PflegendeAngehörige

Umfrage für pflegende Angehörige zu Belastungen während der Corona-Pandemie

Umfrage_PflegendeAngehörige

Getty Images/Daniel Balakov

29.10.2020 Die Corona-Pandemie hat den Alltag vieler Menschen verändert, insbesondere den pflegender Angehöriger. Neben der Belastung, die die Pflege eines Angehörigen ohnehin mit sich bringt, kommt oft noch Angst, eben diese Person unwissentlich mit dem Virus anzustecken.

Was entlastet pflegende Angehörige?

Das Zentrum für psychische Gesundheit im Alter in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie will deshalb herausfinden, welche Belastungen und Schwierigkeiten pflegende Angehörige während der Corona-Pandemie erfahren haben, wie sie mit diesen umgegangen sind und was ihnen dabei geholfen hat.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Ziel der Befragung ist, das Stress-, Belastungs- und Bewältigungserleben pflegender Angehöriger besser zu verstehen, um so geeignete Unterstützungsangebote entwickeln zu können.

Ergebnisse sollen Unterstützungsangebote verbessern

Zur Teilnahme sind alle Personen aufgerufen, die privat einen Menschen pflegen, ob in direkter Verwandtschaft, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft. Die Befragung ist anonym und kostenfrei und läuft noch bis Ende Januar 2021.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegehaushalt_Belastung

Report: Rund ein Viertel der Pflegehaushalte „sehr stark belastet“

Pflegehaushalt_Belastung

Getty Images/Shestock

09.09.2020 – Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist für rund jeden vierten Pflegehaushalt zeitlich und psychisch sehr stark belastend. Das geht aus einer Befragung für den „Pflege-Report 2020“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. „Die Leistungsangebote der Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren deutlich ausgebaut und flexibler gestaltet worden. Trotzdem ist jede vierte Person, die einen Angehörigen zu Hause pflegt, durch die Pflege insgesamt hoch belastet“, sagte Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO und Mitherausgeberin des Pflege-Reports.

Psychische Belastung

Auf Grundlage der sogenannten „Häusliche-Pflege-Skala“ (HPS), die z. B. Aspekte wie körperliche Erschöpfung, Lebenszufriedenheit und psychische Belastung beinhaltet, zeige sich für knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen eine „hohe Belastung“ und für 43 Prozent eine „mittlere Belastung“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung des WIdO. Lediglich bei etwa einem Drittel der Befragten sei sie niedrig.

Zeitliche Belastung

Zudem habe die Befragung ergeben, dass die zeitlichen Belastungen der Haushalte ungleich verteilt seien. Demnach brachte die Hälfte der pflegenden Angehörigen etwa 4 Stunden und weniger täglich für die Pflege auf, ein Viertel der Haushalte hingegen mindestens 7,6 Stunden. Angehörige, die eine Person mit den Pflegegraden 3 bis 5 oder mit einer demenziellen Erkrankung versorgten, seien besonders gefordert: Ein Viertel von ihnen leistete etwa 10 Stunden pflegerische Tätigkeit täglich. Jeder 10. Haushalt berichtete Pflegezeiten von 20 Stunden und mehr pro Tag.

Finanzielle Belastung

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Pflegehaushalte tragen durchschnittlich nur geringe finanzielle Eigenbeteiligungen. So wende nur jeder vierte Pflegebedürftige selbst Eigenleistungen für die Pflege und Betreuung zu Hause auf. Diese belaufen sich dem Report zufolge im Durchschnitt auf etwa 250 Euro monatlich. „Insgesamt zeigen sich deutlich geringere finanzielle Belastungen als in der vollstationären Pflege, wo die Eigenanteile – und zwar nur für Pflege und Betreuung – im vergleichbaren Zeitraum zur Befragung im 4. Quartal 2019 im Durchschnitt 775 Euro betrugen“, so Schwinger.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Unterstützungsbedarf in anderen Bereichen

Als problematisch betrachteten die meisten befragten Personen aber eher andere Bereiche. Die Hälfte gab an, sich mehr Unterstützung auf den Gebieten „Körperpflege, Ernährung und Mobilität“, „Betreuung und Beschäftigung im Alltag“ sowie bei der „Führung des Haushalts“ zu wünschen.

Für die Studie befragte das Institut Forsa im Auftrag des WIdO von Dezember 2019 bis Januar 2020 etwa 1.100 pflegende Angehörige.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Stress_Belastung

Online-Befragung: Welche psychosozialen Auswirkungen hat die Corona-Pandemie?

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Getty Images/Juanmoni26

26.05.2020 – Die Veränderungen, die das neuartige Coronavirus auf das öffentliche, berufliche und private Leben nimmt, haben nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen, sondern beeinflussen Menschen auch emotional.

Studien zufolge werden 76 % der zu Pflegenden in der eigenen Häuslichkeit betreut, jeder Zweite von ihnen wird allein von pflegenden Angehörigen versorgt. In den vergangenen Monaten ist die Zahl jener, die zu Hause einen Angehörigen pflegen sogar gestiegen, wie Krankenkassen berichten, – teilweise sogar um fast 12 %. Denn Tagespflegeeinrichtungen sind vielerorts geschlossen, ambulante Pflegedienste haben mit Personalmangel zu kämpfen und die Unterstützungsleistungen vor Ort haben sich reduziert. Angehörige müssen die Versorgung ihrer Lieben verstärkt sicherstellen.

Wie gehen die Menschen mit diesen neuen Anforderungen um? Wie belastet sind die Familien? Wie wirken sich Homeoffice, Kurzarbeit oder vielleicht sogar der drohende Arbeitsplatzverlust auf die Psyche der Menschen aus?

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden, läuft seit März 2020 eine wissenschaftliche Online-Befragung der Technischen Universität (TU) Chemnitz. Die Techniker Krankenkasse (TK) unterstützt das Projekt. Bereits mehr als 3.000 Menschen haben daran teilgenommen. Jetzt werden noch weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

Bertolt Meyer von der Professur für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie leitet die Studie und sagt: “Ziel ist es, ein möglichst repräsentatives Bild der psychosozialen Auswirkungen auf die Menschen durch die Corona-Pandemie zu bekommen. Die Erkenntnisse können dabei helfen, die negativen psychosozialen Auswirkungen der Pandemie zu erkennen und mit konkreten Maßnahmen zu vermindern.”

Der Studienzeitraum läuft über mehrere Monate. Die Befragten werden – nach Einwilligung – nach mehreren Wochen erneut online befragt. “So erhalten wir einen guten Überblick über die Belastungen innerhalb der einzelnen Abschnitte der Kontaktbeschränkungen. Von der ersten großen Kontaktbeschränkung Anfang März bis hin zu den stufenweisen Lockerungsmaßnahmen”, so Meyer.

Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig und anonym. Es werden keine Daten erfasst, die einen Rückschluss auf eine konkrete Organisation oder Person ermöglichen. Interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer können noch bis Ende Juni den Fragebogen ausfüllen. Ausführliche Ergebnisse will die TK im Herbst 2020 veröffentlichen.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.