Schmerzpflaster: Wie werden sie angewendet?

Schmerzpflaster

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Opioidhaltige Schmerzpflaster sind mittlerweile sehr verbreitet. Sie sind auch für Laien einfach anzuwenden und zeigen gute schmerzlindernde Effekte. Wichtig für eine wirksame Schmerztherapie ist, die Pflaster korrekt aufzubringen und sicher zu entsorgen.

 

Menschen mit Krebs leiden häufig unter starken Tumorschmerzen. Hinzu können weitere Beschwerden kommen, wie Schmerzen durch langes Liegen, Punktionen oder die Entnahme von Gewebeproben. Wichtig ist, diese Schmerzen effektiv zu behandeln.Eine Möglichkeit sind opioidhaltige Schmerzpflaster. Bei diesen werden die Wirkstoffe – Fentanyl und Buprenorphin – transdermal über die Haut abgegeben. Das hat den Vorteil, dass die Betroffenen möglichst wenig mit zusätzlichen Injektionen und Infusionen belastet werden und viel Bewegungsfreiheit behalten. 

Wie werden Schmerzpflaster angewendet

Ein opioidhaltiges Schmerzpflaster ist kein Wundpflaster, es ist ein Medikament. Deshalb muss vor jeder Anwendung überprüft werden, dass es sich um das richtige Schmerzpflaster in der richtigen Dosierung handelt.Das Schmerzpflaster wird faltenfrei auf die Haut geklebt. Dabei darf nicht auf die Klebeflächen gefasst werden. Das Schmerzpflaster wird anschließend noch circa eine Minute mit der flachen Hand angedrückt, damit es sich richtig mit der Haut verbinden kann. Das Pflaster darf nicht auf verletzte oder hochsensible Hautareale geklebt werden, die zum Beispiel durch Bestrahlung oder allergischen Ausschlag beeinträchtigt sind. Bevorzugte Stellen für das Schmerzpflaster sind die beiden Oberarme, der Brust- und Schulterbereich sowie die beiden Oberschenkel vorne. Beim Wechsel des Schmerzpflasters wird zuerst das alte Schmerzpflaster entfernt und dann das neue auf eine andere Hautstelle geklebt. Wenn die Dosisstärke geändert wird, müssen alle aufgeklebten Schmerzpflaster entfernt werden, bevor mit der neuen Dosisstärke begonnen wird. Dies erfolgt immer in Absprache mit dem Arzt. Die Pflaster dürfen auch nicht zerschnitten werden, beispielsweise um die Dosis zu verändern.

Schmerzpflaster sind Medikamente und dürfen nicht unbeabsichtigt angewendet werden. Deshalb ist es im Privathaushalt dringend notwendig, diese vor dem Zugriff von Kindern und eventuell auch vor dem Anwender selbst an einem sicheren Ort aufzubewahren. Bei Kleinkindern, die mit herumliegenden Pflastern spielten, ist es mehrfach zu Vergiftungen gekommen, die teilweise tödlich ausgingen. Weder neue noch gebrauchte Pflaster dürfen in die Hände von Kindern gelangen! Zum Aufbewahrungsort sind auch die Anweisungen des Herstellers im Beipackzettel zu beachten. Wichtig ist, die Schmerzpflaster nach dem Gebrauch sicher zu entsorgen. Im Privathaushalt wird das gebrauchte Schmerzpflaster mit den Innenseiten zusammengeklebt und zusätzlich zum Beispiel in ein feuchtes, neutrales Papier gewickelt. Dann wird es über den Hausmüll oder über den Spritzenabwurf des Pflegedienstes entsorgt. Es darf nicht in der Toilette entsorgt werden. Nicht mehr benötigte, unbenutzte Schmerzpflaster nimmt die Apotheke zur Entsorgung zurück.

Was ist beim Einsatz zu beachten?

Wärme der Haut kann zu einer schnelleren und damit auch gefährlichen Dosisfreisetzung führen. Dazu gehören folgende Ursachen:

  • Fieber,
  • Wärmeflasche oder Körnerkissen: diese nicht in der Nähe des aufgeklebten Schmerzpflasters verwenden,
  • Heißes Wasser: Duschen/Baden und Schwimmen ist möglich, die Wassertemperatur sollte dabei nicht wärmer als 37°C sein.

Stark behaarte Körperstellen, die für das Aufbringen des Schmerzpflasters vorgesehen sind, sollten nicht rasiert werden. Hierbei könnte die Haut verletzt werden. Die Haare bitte nur mit einer Schere kürzen. Beim Auftreten von Nebenwirkungen das Schmerzpflaster nicht einfach weglassen oder pausieren. Es kann zu schweren Komplikationen kommen. Bitte besprechen Sie dies genau mit Ihrem Arzt. Auch sind Wechselwirkungen mit Schlafmitteln und Alkohol zu beachten. Für die Anwendung von Schmerzpflastern bei kognitiv beeinträchtigten oder zeitweise desorientierten Personen und Kindern das Pflaster so kleben, dass es nicht selbstständig entfernt werden kann. Der Wechsel und/oder das Entfernen von Schmerzpflastern sollte zum Selbstschutz mit Handschuhen durchgeführt werden. Denn auch gebrauchte opioidhaltige Schmerzpflaster erhalten noch größere Mengen Wirkstoff und setzen ihn frei. Generell gilt: Die schmerzlindernde Wirkung tritt erst nach zwölf Stunden ein. Sie kann noch ebenso lange anhalten, nachdem das Pflaster entfernt wurde.

 

Nutzen Sie einen Opioid-Ausweis

Es wird empfohlen, Schmerzpatienten einen Opioid-Ausweis auszustellen, den sie immer mit sich führen. Mit diesem Ausweis werden mitbehandelnde Ärzte darüber informiert, dass die Betroffenen Opioide benötigen und in welcher Dosierung sie verabreicht werden müssen. So sind sie bei Notfällen, auf Reisen und im Krankenhaus besser geschützt.

Was tun bei Über- oder Unterdosierung? 

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass versehentlich mehrere Schmerzpflaster oder eine falsche Stärke geklebt werden. Auch kann ein Schmerzpflaster aus Versehen bei einer falschen Person aufgeklebt werden. In diesen Fällen entfernen Sie umgehend das/die Schmerzpflaster und kontaktieren Sie sofort den behandelnden Arzt. Lassen Sie die betroffene Person nicht alleine. Eine Überdosierung kann sich äußern durch Schläfrigkeit, erschwerte oder verlangsamte Atmung, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Halluzinationen, Schwindelanfälle, Muskelzuckungen, Verengungen der Pupillen. Auch kann es versehentlich vorkommen, dass vergessen wurde, das Schmerzpflaster zu kleben. Dies könnte sich äußern durch Zittern, Unruhe, vermehrte Schmerzen. In diesem Fall kontaktieren Sie den behandelnden Arzt. Auch wenn die Schmerzen durch das Pflaster nicht ausreichend gelindert werden, sollten Sie den Arzt ansprechen. Kleben Sie aber auf keinen Fall ohne Arztanordnung einfach ein weiteres Schmerzpflaster auf.

Gerade in der Einstellphase mit Schmerzpflastern kann es zu Übelkeit mit möglichem Erbrechen und Abgeschlagenheit bis hin zu Schläfrigkeit kommen. Das gibt sich meistens nach einer gewissen Zeit wieder, bitte besprechen Sie dies mit dem zuständigen Arzt. Sehr häufig verursachen opioidhaltige Schmerzpflaster Probleme beim Stuhlgang bis zur Verstopfung. Deshalb muss konsequent darauf geachtet werden, dass sich die Betroffenen ausgewogen ernähren, viel trinken und, wenn möglich, viel bewegen. Bei Bedarf können abführende Maßnahmen notwendig werden.


Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des „Leitfadens für den Umgang mit opioidhaltigen Schmerzpflastern“. Er wurde von der Fachgruppe der Pflegeexperten Schmerz im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) erstellt, um Einrichtungen, Anwendern und pflegenden Angehörigen Hilfestellung zu geben. Er ersetzt aber ausdrücklich nicht die in jeder Pflasterpackung beiliegende Gebrauchsinformation des Herstellers, den Beipackzettel. Dieser sollte in jedem Fall vor der Anwendung des Pflasters gründlich gelesen werden, Die Herstellerempfehlungen sind stets zu beachten. Der Leitfaden kann unter www.dbfk.de/de/shop/artikel/Leitfaden-fuer-den-Umgang-mit-opioidhaltigen-Schmerzpflastern.php bestellt werden.

Über die Autoren

DBfK-Fachgruppe der Pflegeexperten Schmerz