Ratgeber Demenz: Anzeichen von Demenz erkennen

 

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Das wohl bekannteste Anzeichen von Demenz ist es, wenn Ihr Angehöriger immer öfter Sachen vergisst. Dabei genügt das alleine noch nicht aus, um von einer Demenz zu sprechen. Nicht jeder ältere Mensch, der etwas zerstreut geworden ist, muss zwangsläufig eine Demenz entwickeln. Manchmal kann es auch eine Altersvergesslichkeit vorliegen, gerade bei Personen in sehr hohen Lebensalter. An welchen Symptomen Sie Demenz erkennen und von einer Altersvergesslichkeit unterscheiden können möchten wir Ihnen in diesem Artikel beantworten.

Was ist Demenz?

Landläufig sprechen wir von Demenz, wenn verschiedene Anzeichen gemeinsam auftreten. Der Arzt aber unterscheidet hier deutlich genauer: So gibt es nicht die Demenz an sich, sondern unterschiedliche Formen demenzieller Erkrankungen. Zum Beispiel die Alzheimer-Demenz, die die meisten Betroffenen mit demenzieller Erkrankung betrifft. Neben ihr existieren aber auch die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und weitere Ausprägungen und Mischformen.

Welche Demenz letztlich vorliegt, bestimmt der Arzt anhand verschiedener Untersuchungen etwa mithilfe eines speziellen Fragebogens oder bildgebenden Untersuchen (z.B. ein CT oder MRT). Diese sind alle schmerzfrei und recht unkompliziert. Natürlich wird Ihnen und Ihrem Angehörigen die Untersuchung nochmals genau erklärt, bevor Sie zustimmen dürfen.

Die Untersuchungen helfen dabei, die Ursachen der Demenz herauszufinden. Ursachen können beispielsweise in zerstörten Nervenzellen im Gehirn oder auch in Eiweißablagerungen liegen. Auch die Anzeichen sind oft ähnlich, wobei die unterschiedlichen Symptome nicht bei allen Erkrankten auftreten. Auch entwickeln sie sich im Laufe der Erkrankung weiter, wodurch die Demenz deutlicher zu erkennen ist.

Merke

Es gibt nicht die Demenz, sondern verschiedene Formen demenzieller Erkrankungen, die aber ähnliche Symptome beinhalten.

Welche Anzeichen von Demenz gibt es?

  • Vergesslichkeit: Das klassische Anzeichen von Demenz, welches auch sehr früh in der Erkrankung sichtbar ist. Doch müssen Sie keine Bedenken haben, wenn Ihr Angehöriger einmal seinen Haustürschlüssel im Haus vergessen hat. Wirkt sich seine Vergesslichkeit aber deutlich auf den Tagesablauf aus, könnte dies ein Hinweis auf eine beginnende Demenz sein. Lassen Sie uns ein ganz praktisches Beispiel nennen: Ihr Angehöriger macht sich fertig, verlässt die Wohnung und weiß bereits im Hof nicht mehr, warum er dies tut. Was er sich eben vorgenommen hatte, hat er kurz darauf bereits wieder vergessen. Ein anderes sehr klassisches Anzeichen ist, das Betroffene viele Zettel schreiben, um sich zum Beispiel an Termine zu erinnern. Gerade am Anfang einer demenziellen Erkrankung bemerken Sie die typischen Anzeichen von Demenz im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses, wie es in diesem Beispiel der Fall ist.
  • Zurückgezogenheit: Bereits zu Beginn der Erkrankung bemerken Betroffene die Veränderungen und versuchen, diese vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Deshalb ziehen sie sich zurück und sprechen immer weniger mit anderen Menschen, oftmals, weil sie sich für die eigenen Symptome schämen. Dieses Anzeichen von Demenz ist ganz typisch, wird aber oftmals mit einer depressiven Verstimmung verwechselt.
  • Orientierungslosigkeit: Findet Ihr Angehöriger sich in neuen Gebieten nicht mehr so gut zurecht wie früher? Oder findet dieser gar den Weg zum Bäcker nicht mehr, obwohl er ihn seit Jahren regelmäßig geht? Oder hat er plötzlich Probleme, den Weg nach Hause zu finden? Sich schlechter orientieren zu können, ist ein klassisches Anzeichen von Demenz.
  • Persönlichkeitsveränderung: Eine Erkrankung an Demenz betrifft auch häufig die Persönlichkeit und kann diese teilweise stark verändern. Gerade zu Beginn einer Demenz können Personen negativ auf Nachfragen reagieren – weil sie merken, dass sich etwas verändert und sie dies nicht mehr kontrollieren können. Im Verlauf der Erkrankung können Gefühle nur schlecht beherrscht werden. Daher sind Reaktionen sehr direkt, sei es Weinen, Lachen, Aggressivität oder ein Rufen. Je mehr man eine Person mit Demenz überfordert, desto wahrscheinlicher sind negative Reaktionen.
  • Unruhe & Nervosität: Eine bereits fortgeschrittene demenzielle Erkrankung äußert sich oft in ständiger Unruhe und Rastlosigkeit. Klassischerweise kann sich eine Demenz bei Ihrem Angehörigen in nervösen, unruhigen, rastlosen und zunehmend auch misstrauischen Verhalten äußern. Parallel zu dieser Rastlosigkeit verschlechtert sich zunehmend auch das Zeitgefühl der Betroffenen.
  • Ungepflegtes Erscheinungsbild: An Demenz Erkrankte vergessen nicht immer nur Namen und Gesichter, sondern auch die eigene Körperpflege. Wenn der sonst routinierte Tagesablauf stockt und Ihr Angehöriger sich nicht mehr regelmäßig wäscht oder ankleidet, kann dies auf eine fortschreitende Demenz hinweisen.
  • Nichterkennen bekannter Personen: Schreitet eine Demenz weiter fort, nehmen auch die Symptome zu. Nach und nach leidet auch das Langzeitgedächtnis. Dies äußert sich schließlich darin, dass Betroffene plötzlich gute Bekannte und später die eigene Familie nicht mehr erkennen. Ein erstes Anzeichen ist hierbei, wenn Ihr Angehöriger zunehmend Schwierigkeiten dabei hat, sich an Namen zu erinnern oder diese den richtigen Personen zuzuordnen.
  • Klare Kindheitserinnerungen: Erinnerungen, die Jahrzehnte zurückliegen, sind Ihrem Angehörigen plötzlich ganz präsent, während er nicht mehr weiß, was es heute zu essen gab? Auch das ist bei demenziellen Erkrankungen typisch, denn mit der Zeit verlagert sich die Erinnerung zunehmend auf die frühen Jahre der eigenen Kindheit und Jugend.

Bei Personen im hohen Alter kann auch eine sogenannte „Altersvergesslichkeit“ auftreten. Sie vergessen ebenfalls viel und teilweise leidet der Orientierungssinn. Jedoch sind Personen mit einer Altersvergesslichkeit für gewöhnlich älter und die Einschränkungen entwickeln sich nicht so rasant wie bei Personen mit einer Demenzerkrankung.

Merke

Eine Demenz schreitet fort und bleibt nicht bei einem einzigen Symptom stehen. Je nach Form der Erkrankung können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Was kann ich tun, wenn ich Anzeichen von Demenz beobachte?

Bemerken Sie eines oder mehrere Anzeichen von Demenz wiederholt bei Ihrem Angehörigen, sollten Sie einen Facharzt (z.B. einen Neurologen oder Geriater) aufsuchen. Dieser kann dann genau untersuchen, ob eine Demenz vorliegt oder nicht. Wie Sie sich in der Praxis verhalten können, um Ihrem Angehörigen zu helfen, lesen Sie ergänzend in diesem Artikel zum Umgang mit Demenz.

Über den Autor

Sonja Mahr ist freie Texterin und schreibt unter anderem zu Pflegebedürftigkeit und Pflegestärkungsgesetz.