Polyneuropathie: Ursachen, Diagnostik und Behandlung

Polyneuropathie

Getty Images/Science Photo Library – PASIEKA

 

Neuronen, wie die Nerven genannt werden, haben eine Vielzahl von Aufgaben. Erkranken Sie, führt dies zu Lähmungen, Funktions- und Empfindungsstörungen. Umso wichtiger ist es, erste Anzeichen zu erkennen, um die Ursache so früh wie möglich zu bekämpfen.

1. Was bedeutet Polyneuropathie?

Sind mehrere periphere Nerven, also die Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks erkrankt, sprechen Mediziner von einer Polyneuropathie. Diese Nerven haben zahlreiche Aufgaben. Zum einen bewegen sie die Muskeln, sie sind jedoch auch dafür verantwortlich, dass Schmerzen, Wärme, Kälte und Berührungen empfunden werden können. Gleichzeitig steuern sie die Funktion der Organe und die Gefäßweite.

2. Wie äußert sich eine Polyneuropathie?

So vielfältig wie die Aufgaben sind auch die Symptome der Polyneuropathie. Bei der am häufigsten verbreiteten chronischen Polyneuropathie kommt es oft nur zu Empfindungsstörungen, zunächst an den Füßen, manchmal auch an den Händen. Hinzu kommen Taubheit, brennender Schmerz und das Gefühl, Arme und Beine nicht mehr zu spüren. Typischerweise treten die Störungen symmetrisch auf. Betroffene sprechen daher oft davon, dass die Empfindungsstörungen handschuh- oder strumpfförmig auftreten. Im Verlauf der Erkrankung können Lähmungen und quälende Schmerzen sowie Missempfindungen auftreten. Gelegentlich kommt es auch zu vermehrtem oder verringertem Schwitzen oder gestörtem Nagelwachstum.

3. Welche Ursachen hat die Polyneuropathie? 

In etwa einem Drittel der Fälle wird eine Polyneuropathie durch einen Diabetes mellitus oder durch chronischen Alkoholmissbrauch verursacht. Hinzu kommt eine Vielzahl weiterer Erkrankungen, die die peripheren Nerven schädigen, darunter Stoffwechselkrankheiten wie Gicht, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Leberzirrhose sowie Infektionskrankheiten wie Borreliose oder AIDS. Eine Schädigung der peripheren Nerven tritt jedoch auch bei Vitaminmangel aufgrund von Mangelernährung oder einer gestörten Aufnahme durch den Darm auf. In 20 Prozent der Fälle bleibt die Ursache jedoch ungeklärt.

 

 

4. Wie kann der Arzt oder die Ärztin eine Polyneuropathie diagnostizieren?

Die Ursache einer Polyneuropathie herauszufinden, ist sehr aufwendig. Grundsätzliches Ziel ist, die zugrunde liegende Erkrankung zu diagnostizieren. Daher führt der Arzt oder die Ärztin zunächst ein ausführliches Vorgespräch und untersucht den Körper gründlich, um die Vielzahl an möglichen Ursachen einzugrenzen. Hinzu kommen Laboruntersuchungen, etwa des Blutes, um Stoffwechselerkrankungen oder Reaktionen des Körpers auf Infektionen, sogenannte Antikörper, aufzuspüren. In einigen Fällen kann es zudem notwendig sein, weiteren fachärztlichen Rat einzuholen, etwa den eines Spezialisten für Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen.

5. Wie wird eine Polyneuropathie behandelt? 

So vielfältig wie die Ursachen sind auch die Therapien der Polyneuropathie. Infektiöse Polyneuropathien wie sie etwa bei einer Borreliose auftreten können, werden mit Antibiotika behandelt. Diabetische Polyneuropathien lassen sich durch eine optimale Blutzuckereinstellung therapieren. So kann eine fortschreitende Verschlimmerung der Erkrankung verhindert werden. Ist chronischer Alkoholmissbrauch die Ursache, so ist ein absoluter Verzicht auf Alkohol die wichtigste Maßnahme. Da infolge eines Missbrauchs häufig Fehl- und Mangelernährung auftreten, können Vitamin-B-Gaben die Heilung der Nerven beschleunigen und so die Schmerzen lindern.

Über die Autorin

  Dr. Christina Lauer