Pharmazeutische Dienstleistungen

Pharmazeutische Dienstleistungen

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Frage an Ihren Apotheker: Seit diesem Sommer können Apotheken sogenannte pharmazeutische Dienstleistungen anbieten. Was ist das genau? Und habe ich als Patient darauf einen Anspruch oder fallen hier zusätzliche Kosten an? 

In der Coronapandemie haben Apotheken über die zentrale Aufgabe der Arzneimittelversorgung hinaus weitere Leistungen übernommen wie die Versorgung mit Coronaimpfstoffen, Bürgertests, digitale Impf- und Genesenenzertifikate sowie COVID-19-Impfungen. Ab Herbst dieses Jahres werden sich Patientinnen und Patienten (im Folgenden Patienten) unabhängig von ihrer Krankenversicherung in vielen Apotheken auch gegen Grippe impfen lassen können.

Ein weiteres neues Gesundheitsangebot, das Patienten in den Apotheken vor Ort seit Juni dieses Jahres nutzen können, sind sogenannte pharmazeutische Dienstleistungen. Mit diesen unterstützen Apotheken Patienten beim richtigen Einsatz schwierig anzuwendender Arzneimittel. Zudem können bisherige Lücken bei der Vorsorge und Bekämpfung von Volkskrankheiten wie Bluthochdruck (etwa 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an Hypertonie) geschlossen werden.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Die pharmazeutischen Dienstleistungen im Überblick

In den folgenden fünf Bereichen haben alle Bürgerinnen und Bürger einen gesetzlichen Anspruch, die neuen Beratungs- und Betreuungsangebote der Vor-Ort-Apotheken zu nutzen. Die Kosten für die Erbringung der jeweiligen Leistungen tragen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen und bedürfen keiner Verordnung durch die Arztpraxis.

Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation

Patienten, die dauerhaft fünf oder mehr verordnete Arzneimittel einnehmen (sog. „Polymedikation“), können eine individuelle und umfassende Medikationsberatung in ihrer Apotheke erhalten. Ziel ist es, arzneimittelbezogene Probleme aufzudecken und zu lösen und damit eine Verbesserung der Sicherheit und Wirksamkeit einer Arzneimitteltherapie zu erreichen. So sind etwa fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen arzneimittelbedingt, bis zu zwei Drittel davon vermeidbar.

Betreuung bei Bluthochdruck

Personen, die einen ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck haben und Blutdrucksenker einnehmen, erhalten in ihrer Apotheke eine individuelle Betreuung.

Üben der Inhalationstechnik bei Asthma

Menschen mit Atemwegserkrankungen, die Medikamente zum Inhalieren erhalten, haben Anspruch auf eine persönliche Betreuung. Mitarbeitende der Apotheke informieren über die sichere Anwendung der Arzneimittel und üben vor Ort die richtige Inhalationstechnik mit den Betroffenen. Denn insgesamt ist die inhalative Applikation bei 79 Prozent der Patienten fehlerhaft.

Betreuung nach der Organtransplantation

Menschen, die nach einer Organtransplantation neue Medikamente verordnet bekommen, um die körpereigene Abstoßungsreaktion zu hemmen (Immunsuppressiva), haben einen Anspruch auf eine umfassende Betreuung in ihrer Vor-Ort-Apotheke.

Medikationsberatung bei Krebs

Patienten, denen neue Tabletten oder Kapseln gegen eine Krebserkrankung verordnet wurden (orale Antitumortherapie), erhalten eine spezielle Beratung und Betreuung durch qualifizierte Apothekerinnen und Apotheker.

Erkundigen Sie sich in Ihrer Apotheke vor Ort. Die Einführung der pharmazeutischen Dienstleistungen ist eine weitere Ergänzung des bisherigen Beratungs- und Betreuungsangebots der Apotheken, um zur Gesundheit der Menschen beizutragen.

Über den Autor

Apotheker Thomas Preis ist Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein e. V. und leitet eine Apotheke in Köln.