Pflegebevollmächtigte Moll will Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten

Pflegebevollmächtigte Claudia Moll

Foto: Nikolai Kues

12.05.2022 – Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten und unterstützen – das hat die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, am Donnerstag anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden angekündigt. Sie wolle die ehrgeizigen Ziele aus dem Koalitionsvertrag jetzt angehen.

Nicht erst durch die Pandemie sei klar geworden, unter welch großer Belastung die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu Hause funktionieren müssten, so Moll. 

Sie wolle ihr Augenmerk vorrangig auf 3 Punkte legen.

„Zum einen ist es zwingend notwendig, das Pflegegeld jetzt spürbar zu erhöhen.“

Dieses Geld sei als Unterstützung für die Pflege zu Hause gedacht und müsse mit der Entwicklung der Preise und Löhne Schritt halten.

Leistungen nicht an die Preissteigerungen angepasst

Seit 2017 hätte es trotz der zuletzt deutlichen Preissteigerungen keine Erhöhung gegeben. Für Pflegebedürftige hieße das, dass sie heute weit weniger damit finanzieren können als noch vor 5 Jahren.

Die Erhöhung des Pflegegelds sei daher sofort anzugehen und müsse deutlich ausfallen.

„Zum anderen müssen wir eine echte Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige auf den Weg bringen“, sagte Moll weiter.

Pflegearbeit sei mit finanziellen Einbußen im Erwerbsalter verbunden. Diese könnten sich viele nicht leisten.

Eine echte Lohnersatzleistung sorge für Ausgleich und würde laut der Pflegebevollmächtigten verstärkt auch Männer ansprechen, Sorgearbeit zu übernehmen. Das hätten entsprechende Erfahrungen mit dem Elterngeld bereits gezeigt.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Flexibles Budget für individuelle Bedürfnisse

Sie führt fort:

„Als drittes müssen wir jetzt mit den Diskussionen über die Ausgestaltung eines flexibel einsetzbaren Entlastungsbudgets beginnen.“

Das brächte gerade für junge Pflegebedürftige und Menschen mit einer Behinderung Vorteile. Ein für sie passendes Pflegesetting sei dann besser zu organisieren.

Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Zusammenfassung von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege müsse daher rasch umgesetzt werden.

„Gleichzeitig müssen wir prüfen, welche weiteren Leistungen in ein solches Entlastungsbudget einbezogen werden sollten, um die Selbstbestimmung zu stärken.“

Steigende Eigenanteile in Pflegeheimen

Die immer schneller steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen bezeichnet die Pflegebevollmächtigte als Katastrophe. Ihr zufolge seien die Maßnahmen der vergangnen Legislaturperiode, um Bewohnerinnen und Bewohner finanziell zu entlasten, nur ein erster Schritt gewesen.

Da auch künftig Menschen auf Hilfe zur Pflege in Einrichtungen angewiesen sein würden, müsse das sog. „Taschengeld“ bei Hilfe zur Pflege angehoben werden.

Von den aktuell 121 Euro im Monat müssten nicht nur persönliche Dinge finanziert werden, sondern all das, was die Kranken- oder Pflegekasse nicht bezahlt, wie verschreibungsfreie Medikamente.

Über diese Punkte hinaus sieht Moll weiteren Handlungsbedarf etwa in einer rechtssicheren Ausgestaltung der 24-Stunden-Betreuung sowie passgenauer Beratungs- und effektiver Beteiligungsstrukturen.

„Ich weiß, die Herausforderungen in dieser Legislatur sind groß. Gerade deshalb müssen wir die ehrgeizigen Ziele des Koalitionsvertrages umsetzen und jetzt auch für die Pflege durchstarten“, betonte Moll.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.