Organtransplantation: Hoffnung auf ein neues Leben

 

Organtransplantation: Hoffnung auf ein neues Leben

Foto: GettyImages/ThitareeSarmkasat

Für viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder einem Organversagen ist eine Organtransplantation die letzte Chance aufs Überleben. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Fakten zur Transplantation und die Zeit danach. 

Die Transplantation von Organen stellt eine lebensrettende und sehr erfolgreiche Therapie für Menschen mit akutem oder chronischem Versagen von Niere, Leber, Herz und Lunge dar. Auch die Bauchspeicheldrüse und Dünndarm können in seltenen Fällen transplantiert werden.

Organspende

Voraussetzung für eine erfolgreiche Organtransplantation ist eine Organspende. Die aktuell sehr niedrige Zahl an Organspenden in Deutschland macht eine erfolgreiche Transplantationsmedizin zunehmend schwierig.

Organe nach dem Tod spenden kann jede und jeder, unabhängig vom Alter. Ob es zum Zeitpunkt des Todes Gründe oder Erkrankungen gibt, die eine Spende unmöglich machen, wird immer sorgfältig von erfahrenen Mitarbeitern der Deutschen Stiftung

Organtransplantation (DSO) überprüft. Es braucht sich also zu Lebzeiten keiner Gedanken zu machen, ob eine Organspende möglich ist, sondern nur, ob man selbst das möchte. Hierzu informieren Hausärztinnen und Hausärzte (im Folgenden: Hausärzte). Grundsätzlich kommt eine Organspende nur bei Menschen infrage, die auf der Intensivstation versterben, denn nur hier kann der Ausfall der kompletten Hirnfunktion („Hirntod“) festgestellt werden.

Mit einem Organspendeausweis lässt sich der Wunsch zur Organspende oder die Ablehnung dokumentieren. Es ist aber auch möglich, den Willen hierzu in einer Patientenverfügung festzuhalten. Auch wer grundsätzlich keine (längere) Intensivtherapie am Lebensende möchte, könnte festlegen, dass diese zum Zwecke der Organspende gestattet wird.

Da in Deutschland Organe nur mit einer Zustimmung entnommen werden können, ist es sehr wichtig, die eigene Meinung hierzu zu Lebzeiten schriftlich festzulegen und mit den Angehörigen darüber zu sprechen. Sollte keine Willenserklärung vorliegen, werden nach dem Tod die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen gefragt. Diese Situation ist für alle Angehörigen schwierig, insbesondere, wenn über das Thema nie gesprochen wurde.

Viele Menschen möchten sich über das Thema Organspende keine Gedanken machen. Kommt es aber bei einem selbst, den Kindern oder anderen Angehörigen zu einem Organversagen, beispielsweise zu einer Dialysepflichtigkeit, wünschen sich die meisten Menschen eine Spende für sich selbst oder die Angehörigen.

 

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Wann kann eine Organspende notwendig sein?

Die am häufigsten durchgeführte Transplantation ist die Nierentransplantation. Menschen, die schwer nierenkrank sind, müssen irgendwann an die Dialyse (dreimal wöchentliche Blutwäsche). Die Lebensqualität an der Dialyse ist schon wegen des hohen Zeitaufwandes oft deutlich eingeschränkt und die Nebenwirkungen der Dialyse sind immens. Eine Transplantation einer Niere kann daher vielen Patienten eine bessere Lebensqualität und auch ein längeres Überleben sichern.

Die Wartezeit auf eine Spenderniere ist aufgrund der geringen Zahl an Organspenden in Deutschland allerdings sehr lang. Menschen mittleren Alters (18–64 Jahre) warten meist mehr als 5 Jahre. Für ältere Menschen (über 65 Jahre) gibt es ein extra Programm, dass die Wartezeit verkürzt. Bei diesem Programm erhalten Patienten über 65 Jahre auch ein älteres Spenderorgan über 65 Jahre. Auch diese Organe funktionieren oft noch viele Jahre.

Bei den anderen Organtransplantationen (Leber, Herz, Lunge) gibt es oft keine Alternative. Die Patienten mit einem Versagen dieser Organe sterben ohne Transplantation. Ursachen für ein Leberversagen können chronisch sein, zum Beispiel bei einer Leberzirrhose (chronische Vernarbung der Leber, zum Beispiel durch Alkohol oder Hepatitis) oder plötzlich auftreten, beispielsweise durch eine Vergiftung mit Knollenblätterpilz, Medikamentennebenwirkungen oder bestimmte akute Erkrankungen. In solchen Fällen ist eine Lebertransplantation unmittelbar lebensrettend.

Alternative Lebendspende

Nur in wenigen Fällen kommt als Alternative eine Lebendspende infrage. Wichtig ist hierbei, dass der Spender sich immer einem Risiko (mindestens der Operation) aussetzt, was beim verstorbenen Organspender nicht der Fall ist. Besteht der Wunsch nach einer Lebendspende (meist Niere, selten Leber, ganz selten Lunge), werden sowohl Spender als auch Empfänger immer sehr sorgfältig untersucht, um andere Erkrankungen auszuschließen. Viele Menschen können zu Lebzeiten daher keine Organe spenden, obwohl sie das gerne wollen.

Wer auf eine Organspende angewiesen ist oder einem vertrauten Menschen ein Organ spenden möchten kann sich beim jeweiligen Haus- oder Facharzt informieren. Dieser überweist an ein Transplantationszentrum der Wahl, in dem die weitere Abklärung erfolgen kann.

Wann kommt eine Transplantation nicht infrage?

Manchmal kommt eine Transplantation nicht infrage. Gründe hierfür können sein, dass eine so schwere Erkrankung von Herz oder Lunge vorliegt, dass eine Operation zu risikoreich ist, oder Situationen, in denen die für eine Transplantation notwendige Nachbehandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken („Immunsuppressiva“), nicht zu vertreten ist. Das können Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen („Krebs“) sein, welche sich beide durch die Immunsuppressiva verschlechtern würden.

Wie kommt man auf die Warteliste?

Wie bereits ausgeführt kann eine Transplantation ganz plötzlich notwendig werden oder lange geplant sein. In jedem Fall werden vor einer Transplantation viele Untersuchungen benötigt, um festzustellen, ob der Patient für eine Transplantation infrage kommt. Diese Untersuchungen werden in der Regel in einem Transplantationszentrum durchgeführt oder in enger Abstimmung mit dem Transplantationszentrum vom Haus- oder Facharzt veranlasst.

Eine Liste aller Transplantationszentren gibt es zum Beispiel unter https://d-t-g-online.de/informationen/zentren.

Wichtig zu wissen: Man kommt nicht automatisch auf eine Warteliste, sondern nur, wenn man von einem Transplantationszentrum bei Eurotransplant angemeldet wird. Eurotransplant ist die für Deutschland und einige Nachbarländer zuständige Vermittlungsstelle. Eine solche Anmeldung erfolgt nur mit der jeweiligen Zustimmung, nach Abschluss der notwendigen Untersuchungen. Zudem wird der oder die Betroffene (im Folgenden: der Betroffene) schriftlich informiert.

Während der Wartezeit stellt sich die Patientin oder der Patient regelmäßig im Transplantationszentrum vor und erfährt dort auch, wie die Wartezeit eingeschätzt wird. Eine genaue Aussage dazu ist aber schwierig, denn die Wartezeit hängt nicht nur von der Dringlichkeit der Transplantation ab, sondern auch von der Spenderrate in Deutschland. Für jedes Organ gibt es andere Kriterien zur Organvergabe, sodass man von einem Herz nicht auf eine Niere schließen kann.

Wie geht es nach der Transplantation weiter?

Eine Organtransplantation ist zwar chirurgisch inzwischen ein Routineeingriff, für den betroffenen Patienten aber immer noch eine Herausforderung. Sowohl durch die Spende eines Verstorbenen als auch nach einer Lebendspende kann in den allermeisten Fällen die Lebensqualität des Empfängers erheblich verbessert und die Gesundheit erhalten werden. Dennoch sind einige Dinge zu beachten.

Nach jeder Organtransplantation ist die lebenslange Einnahme von Medikamenten (Immunsuppressiva) notwendig, die das Immunsystem unterdrücken und damit das Risiko für Abstoßungen (also die natürliche Abwehrreaktion des Körpers auf das fremde Organ) reduziert. Durch die Unterdrückung des Immunsystems ist das Risiko für Infektionen und Krebserkrankungen erhöht. Nach einer Organtransplantation ist daher eine medizinische Begleitung durch das erfahrene Transplantationszentrum sehr wichtig. Gerade in der ersten Zeit nach einer Transplantation kann es noch zu Komplikationen und häufigen Arztbesuchen oder gar Krankenhausaufenthalten kommen.

Die Mitarbeit des Patienten ist in dieser Phase sehr wichtig. Es hilft, wenn der oder die Transplantierte versteht, welche Medikamente wann und warum genommen werden müssen und welche Nebenwirkungen auftreten können. Auch aufmerksame Angehörige können hier die Genesung unterstützen. Oft ist eine Anschlussheilbehandlung (AHB, „Kur“) nach einer Transplantation sinnvoll, um den Umgang mit den neuen Medikamenten und das Verhalten nach der Transplantation noch besser zu erlernen.

Im Verlauf des ersten Jahres kann die Dosis der Medikamente oft reduziert werden, Abstoßungen und Infektionen treten seltener auf. Dennoch sind Basisregeln der Hygiene weiter einzuhalten, da auf die Immunsuppression nie ganz verzichtet werden kann. Das zuständige Transplantationszentrum berät und unterstützt in dieser Zeit.

Trotz aller Hürden, die sich insbesondere kurz nach einer Transplantation ergeben können, erlangen die meisten Patienten ein normales Leben zurück, können (wieder) berufstätig sein, ihrem Alltag fast ohne Einschränkungen nachgehen und sogar eine Familie gründen. Für Empfänger eines Spenderorgans ist jede Organspende daher ein Segen.

 

Über die Autorin

Prof. Dr. Martina Koch ist Fachärztin für Allgemeinchirurgie, Fachärztin für Viszeralchirurgie, Leiterin des Bereichs viszerale Organtransplantation/Transplantationsimmunologie in der Klinik für Allgemein-, Viszeral und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz und Mitglied im Vorstand der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG).