Mit Licht und Farbe belastende Symptome lindern

Licht und Farben

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Licht und Farben sind Stimmungsmacher und gehören zu unseren zentralen Bedürfnissen. Sie können aber auch zur Verbesserung von Symptomen eingesetzt werden und wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus – wie zahlreiche Studien belegen. Pflegekräfte nutzen in ihrem beruflichen Alltag gezielt diesen Effekt, um Symptome wie Schmerzen und Ängste zu reduzieren. Dieser Effekt könnte auch bei der Pflege von Angehörigen eingesetzt werden.

 

Gerade pflegende Angehörige sind oft auf der Suche nach möglichst einfachen und nebenwirkungsfreien Möglichkeiten, um die Versorgung ihrer pflegebedürftigen Angehörigen zu verbessern. Hier können stimmungsaufhellende Erfahrungen mit Licht und Farben sehr hilfreich sein.

Schlaf-Wach-Rhythmus fördern

Die Einhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus hat eine hohe Bedeutung, da die Regeneration der Organsysteme während des physiologischen Schlafs erfolgt. Um einen gesunden Schlaf zu fördern, sollte die Helligkeit des Zimmers immer der jeweiligen Tageszeit angepasst sein. Vermeidbare störende Faktoren wie laute Geräusche und „Lichteskapaden“ sollten möglichst während der Nachtstunden vermieden werden. Dunkelheit in der Nacht und Helligkeit am Tag sollte allen Patientinnen und Patienten (im Folgenden: Patienten) auch im häuslichen Umfeld ermöglicht werden. Angepasste Lichtverhältnisse können auch an trüben Tagen für etwas zusätzliche Stimmung sorgen. Jedoch sind im Kunstlicht eher rote Farbanteile vorhanden, die nicht zur Entspannung beitragen können. Daher gilt es, Kunstlicht möglichst zu vermeiden.

Pflegebedürftigen sollte daher der Zugang zum Tageslicht ermöglicht werden. In der Mittagszeit, wenn die entspannenden Blauanteile im Sonnenlicht am stärksten sind, sollten sie, wenn irgendwie möglich, ans Tageslicht kommen. Das könnte etwa in Form von Spaziergängen im Garten oder auf der Terrasse erfolgen. Grundsätzlich sollten pflegende Angehörige auch darauf achten, Fenster zu öffnen, Vorhänge aufzuziehen und frische Luft und Licht ins Zimmer zu lassen.

Mit Farben das Wohlbefinden steigern

Jeder Farbe wird eine bestimmte Assoziation und Wirkung zugesprochen. Je nach Bedürfnis, Symptomlast und aktueller Situation kann eine passende Farbe ausgewählt werden, um zu einem besseren Wohlbefinden beizutragen.

Allein schon die positiv und farblich gestaltete Umgebung des Zimmers kann helfen. Dies kann beispielsweise mit farbiger Bettwäsche, Bildern an der Wand oder entsprechend farbiger Kleidung erreicht werden.

Eine weitere und sehr einfache Methode zur Farbanreicherung der Umgebung eines pflegebedürftigen Menschen ist der Einsatz von Farblampen. Am Klinikum Bayreuth hat sich die „Living Colors“-Lampe der Firma Philips bewährt. Diese Lampen sind dimmbar und alle Farbnuancen über eine Fernbedienung wählbar.

Der Einsatz von Farblampen zeigt beispielsweise im Krankenhausalltag einen positiven Effekt auf Patienten mit motorischer Unruhe, Demenz, Ängsten zur Aktivierung und Verbesserung der Stimmungslage. Die Farblampen können ins Zimmer gestellt werden. Die entsprechende Farbe und Helligkeit kann je nach gewünschter Wirkung gewählt werden. So können auch Sonnenauf- oder -untergänge durch das Dimmen der Helligkeit und des Farbverlaufs simuliert werden. Diese Methode hat sich vor allem zur Schlafförderung bewährt. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Lampen so platziert werden, dass die pflegebedürftigen Personen nicht geblendet werden. Auch sollte die Anwendung auf ein angenehmes Zeitmaß reduziert werden. Wichtig dabei ist, auch die Tageszeit zu beachten.

Farbige Brillen sind alternativ zur Farblampe eine sehr elegante und einfache Methode, Pflegebedürftige mit einzelnen Farben zu versorgen. Diese sind in allen Farben erhältlich und einfach anzuwenden. Die Patienten sollten die Farbbrillen, je nach gewünschter Wirkung, für etwa 30 bis 60 Minuten tragen.

Patienten profitieren von mehr Licht und Farbe

Der positive Einfluss von Licht und Farben auf den Menschen wird zunehmend nun auch von der Schulmedizin erkannt und ist Inhalt großer Forschungsprojekte. Am Klinikum Bayreuth hat sich in der praktischen Anwendung von Farblampen gezeigt, dass viele Patienten von mehr Licht und Farbe im Krankenhausalltag profitieren können. In vielen Fällen konnte eine Senkung der Symptomlast erreicht werden.

Der gezielte Einsatz von Licht und Farbe ist gerade für pflegende Angehörige eine sehr einfache und kostengünstige Methode, um bei den Pflegebedürftigen belastende Symptome zu reduzieren und das Wohlbefinden zu steigern – garantiert ohne Nebenwirkungen.

 

 

Über den Autor

Stefan Scharnagel ist Teamleitung Akutschmerzdienst/ZIMB an der Klinikum Bayreuth GmbH, Dozent an der Fortbildungsstätte für Gesundheitsberufe Bad Berneck.