Medikationsplan: Alle Medikamente sicher im Blick

Medikationsplan: Alle Medikamente sicher im Blick

(c) canva

Je mehr Arzneimittel man nimmt, desto leichter ist es, den Überblick zu verlieren. Das kann gefährlich werden, besonders wenn man bestimmte Medikamente vergisst. Hilfreich ist hier ein Medikationsplan. Viele Patienten haben darauf einen gesetzlichen Anspruch.

Der Medikationsplan – was steht drin?

    • Persönliche Angaben wie Name, Vorname, Geburtsdatum und Angaben darüber, wer den Medikationsplan ausgestellt hat
    • Wirkstoff des betreffenden Arzneimittels, zum Beispiel Acetylsalicylsäure
    • Handelsname, zum Beispiel Aspirin beim Wirkstoff Acetylsalicylsäure
    • Stärke des Medikaments, zum Beispiel 40 mg
    • Form der Verabreichung, zum Beispiel Tablette, Tropfen etc.
    • Einnahmezeitpunkt und Einheit, d.h. zu welcher Tageszeit welche Menge eingenommen werden soll
    • Hinweise zur Einnahme oder Anwendung
    • Begründung, warum das Medikament eingenommen werden soll, zum Beispiel wegen Bluthochdruck.

So kann ein Medikationsplan aussehen

Medikationsplan: Bundesärztekammer

Medikationsplan hilft bei chronischen Erkrankungen

Wer chronisch erkrankt ist, muss häufig eine Vielzahl an Medikamenten einnehmen. Peter Laumer* kennt das nur zu gut. Vor vier Jahren ist bei dem 84-Jährigen eine Herzschwäche diagnostiziert worden. Seitdem bekommt er eine Menge Tabletten, die helfen, dass er mit seiner Herzerkrankung gut leben kann. Dazu gehören Medikamente, die den Blutdruck niedrig halten, Diuretika, die dem Körper Wasser entziehen und damit das Herz entlasten, gerinnungshemmende Medikamente, Cholesterinsenker und vieles mehr.
Insgesamt kommt Laumer auf neun unterschiedliche Medikamente, die er zu unterschiedlichen Tageszeiten einnimmt. „Das war am Anfang nicht einfach, sich das alles zu merken“, erzählt der pensionierte Realschullehrer.

Medikationsplan hilft, den Überblick zu behalten

Geholfen hat Peter Laumer vor allem der Medikationsplan, den er direkt nach der Diagnose von seinem Hausarzt bekommen hat. In diesem Plan sind alle Medikamente, die er bekommt, tabellarisch aufgeführt.
So kann er auf Anhieb sehen, welches Medikament er zu welcher Tageszeit einnehmen soll. Hilfreich war der Plan in der ersten Zeit auch, um seine Medikamente zu richten. „Mittlerweile ist mir das aber so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich das auch ohne Plan gut hinbekomme“, sagt Laumer.

Was viele nicht wissen: Seit dem 1. Oktober 2016 hat jeder gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf den sogenannten bundeseinheitlichen Medikationsplan. Voraussetzung ist, dass er mindestens drei Medikamente gleichzeitig einnimmt oder anwendet, die auf Kassenrezept verordnet sind. Die Medikamente müssen dabei systemisch – das heißt im Körper – wirken und ihre Anwendung muss dauerhaft vorgesehen sein, also über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen.

Der Bundestag hatte die Einführung des Medikationsplans mit dem E-Health-Gesetz beschlossen. Das Ziel: den Patienten bei der richtigen Einnahme seiner Arzneimittel zu unterstützen. Im Moment können Patienten den Medikationsplan von ihrem Hausarzt in Papierform erhalten. Zukünftig soll der Plan auch elektronisch auf der Gesundheitskarte gespeichert werden können. Eine elektronische Speicherung ist für den Patienten aber freiwillig – er hat weiterhin Anspruch auf die Papierversion.

Was gehört in den Medikationsplan?

Im Medikationsplan sind alle aktuellen Medikamente des Versicherten vollständig aufgeführt. In einer Tabelle wird angegeben, welches Mittel in welcher Darreichungsform und Wirkstärke verordnet wurde und zu welcher Tageszeit es eingenommen oder angewendet werden soll. Auch der Verordnungsgrund ist genannt. Arzneimittel, die nur zu besonderen Zeiten zu nehmen sind, zum Beispiel alle drei Tage, können extra aufgeführt werden. Neben den verordneten Medikamenten sollten auch alle nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel aufgeführt werden, zum Beispiel Johanniskraut oder Antihistaminika.

Wer erstellt und ändert den Medikationsplan?

In der Regel erstellt der Hausarzt den Medikationsplan. Wer keinen Hausarzt hat, der kann sich auch von einem Facharzt, der überwiegend die Arzneimitteltherapie koordiniert, den Medikationsplan ausstellen lassen. Sinnvoll ist, aber nur einen Arzt um die Erstellung des Medikationsplans zu bitten. So läuft es auch bei Peter Laumer. Bei ihm kümmertsich ausschließlich der Hausarzt um den Medikationsplan. „Wenn meine Kardiologin zum Beispiel meine Herzmedikamente ändert, schickt sie einen Bericht an meinen Hausarzt“, erzählt er. „Dieser ändert dann den Medikationsplan und druckt mir den neuen Plan aus.“
Möglich ist auch, dass der Facharzt den Medikationsplan handschriftlich ergänzt. In diesem Fall sollte der Patient den Medikationsplan nach einer Änderung bei seinem nächsten Hausarztbesuch vorlegen. Das gilt auch für den Fall, dass im Krankenhaus neue Medikamente verordnet werden.

Welche Vorteile hat der Medikationsplan?

Patienten haben alle Informationen über ihre Medikation schnell zur Hand. Werden sie von einem anderen Arzt, in der Klinik oder in einer Apotheke nach ihren Arzneimitteln gefragt werden, müssen sie einfach nur ihren Medikationsplan vorlegen. Alle Eintragungen und Aktualisierungen erfolgen nach einheitlichem Muster. Das erleichtert auch im Notfall einen schnellen Überblick über die korrekte Medikation.

Grundsätzlich gilt: Wie ein gesetzlich Versicherter mit dem Medikationsplan umgeht, ist allein ihm selbst überlassen. Er ist Besitzer seines Plans. Er entscheidet also, ob er seinen Medikationsplan einem Arzt oder Apotheker und weiteren an seiner Behandlung beteiligten Personen vorlegen möchte oder diesen einfach vernichtet.

Richtige Medikation sichert den Therapieerfolg

Peter Laumer möchte auf seinen Medikationsplan nicht mehr verzichten.
Er weiß, dass gerade bei einer Herzerkrankung eine Über- oder Unterdosierung schnell gefährlich werden kann. Seine Herzleistung hat sich unter der verordneten Medikation von anfänglich zirka 30 auf aktuell 55 Prozent verbessert. „Das ist für mein Alter fast normal, sagt meine Kardiologin“, berichtet der 84-Jährige. „Ich weiß aber, dass ich trotzdem vorsichtig bleiben muss und mich nicht zu sehr belasten darf.“
Er nimmt seinen Medikationsplan zu jedem Arztbesuch und bei jedem Klinikaufenthalt mit.

Auch wenn er Rezepte einlöst, legt er den Plan seinem Apotheker vor. Vor einem Jahr hat der Medikationsplan ihm sogar den Urlaub gerettet. Er war mit seiner Frau auf der Nordseeinsel Wangerooge. Am ersten Abend bemerkte er, dass er eines der Medikamente vergessen hatte – und dazu noch ein Herzmedikament.
Er schlief die Nacht darauf kaum und ging am nächsten Morgen sofort zur Insel-Apotheke. Der Apotheker schaute sich seinen Medikationsplan an und telefonierte mit dem zuständigen Hausarzt. Dieser bestätigte die Richtigkeit der Medikation und der Apotheker händigte Herrn Laumer das Herzmedikament direkt aus. „Das hat wunderbar geklappt – und danach konnte ich meinen Urlaub ganz beruhigt genießen.“

*Name von der Redaktion geändert.

Über den Autor

Brigitte Teigeler ist Journalistin und Diplom-Pflegewirtin.