Kosten für Begleitung im Krankenhaus werden ab sofort erstattet

Begleitung im Krankenhaus

01.11.2022 – Gesetzlich Versicherte, die einen Menschen mit Behinderung ins Krankenhaus begleiten müssen, haben ab 1. November Anspruch auf Krankengeld. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die neue Krankenhausbegleitungs-Richtlinie, die nun in Kraft getreten ist, vergangenen August beschlossen.

Gesetzlich Versicherte hatten bisher zwar Anspruch auf eine aus medizinischen Gründen notwendige Mitaufnahme einer Begleitperson bei stationärer Behandlung. Allerdings ohne Anspruch auf Leistungen bei Verdienstausfall.

Die Richtlinie beschreibt u. a., wer Anspruch auf eine Begleitung hat und wie die medizinische Notwendigkeit ärztlich bescheinigt wird.

Anspruch auf Begleitung

Anspruch auf eine Begleitung haben laut der Richtlinie nur Patientinnen und Patienten (im Folgenden: Patienten), die Leistungen der Eingliederungshilfe nach Teil 2 des SGB IX beziehen:

  • Menschen mit Behinderung, die im Alltag regelhaft auf Begleitung und Unterstützung einer vertrauten Person angewiesen sind,
  • Menschen mit Behinderung, die nur in bestimmten Situationen unterstützt werden müssen, bspw. während einer Krankenhausbehandlung aufgrund der besonderen Belastung oder der Einbindung in ein Therapiekonzept.

Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten könnten die medizinische Notwendigkeit auf dem Formular 2 „Verordnung von Krankenhausbehandlung“ bescheinigen.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Regelung zur Begleitperson

Wer als Begleitperson infrage komme, sei laut G-BA gesetzlich geregelt. Das könne zum einen eine nahe Angehörige oder ein naher Angehöriger (im Folgenden Angehöriger), bspw. ein Elternteil, Schwester, Bruder oder Lebenspartnerin bzw. -partner sein oder eine Person aus dem engsten persönlichen Umfeld, zu der die gleiche persönliche Bindung wie zu einem nahen Angehörigen bestehe.

Aus medizinischen Gründen könne eine Begleitung im Falle eines Krankenhausaufenthalts notwendig sein bei Menschen, „die aufgrund einer schweren geistigen Behinderung oder fehlender sprachlicher Verständigungsmöglichkeiten durch eine vertraute Bezugsperson unterstützt werden müssen“.

In seinen Richtlinien konkretisiert der G-BA drei Fallkonstellationen, die eine medizinische Notwendigkeit für die stationäre Mitaufnahme einer Begleitperson begründen:

  • um während der Krankenhausbehandlung eine bestmögliche Verständigung mit dem Patienten zu gewährleisten,
  • damit der Patient die mit seiner Krankenhausbehandlung verbundene Belastungssituation besser meistern könne, insbesondere bei fehlender Kooperations- und Mitwirkungsfähigkeit,
  • um den Patienten im Laufe der Krankenhausbehandlung in das therapeutische Konzept einzubeziehen sowie zu seiner Einweisung in die anschließend weiterhin notwendigen medizinischen Maßnahmen.

Eine Begleitperson habe nur in den definierten Fällen Anspruch auf das Krankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung.

VdK übt Kritik

Der Sozialverband VdK begrüße zwar grundsätzlich die neue Regelung, für die er sich zuvor auch schon stark gemacht habe.

Gleichzeitig kritisiert VdK-Präsidentin Verena Bentele allerdings, dass der Personenkreis der Berechtigten zu eng gefasst ist:

„Krankengeld gibt es nur für die Begleitpersonen von Patientinnen und Patienten, die Eingliederungshilfe beziehen. Künftig muss auch die Assistenz für pflegebedürftige Menschen zum Beispiel mit Demenz mit aufgenommen werden. Gerade diese Gruppe ist aufgrund ihrer verschiedenen Einschränkungen auf eine Begleitung angewiesen, um überhaupt behandelt werden zu können.“

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.