Gesundheit wiederherstellen: Wann eine Kur sinnvoll ist und wie sie beantragt wird

 

Gesundheit wiederherstellen: Wann eine Kur Sinn macht und wie sie beantragt wird

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Langjährige private Pflege, schwierige Pflegeverhältnisse und eine ausgeprägte Mehrfachbelastung können dazu führen, dass eine Pflegeperson körperlich oder psychisch so angeschlagen ist, dass eine punktuelle Entlastung für die eigene Erholung nicht mehr ausreicht. In einem solchen Fall kann es notwendig werden, eine stationäre Kur zu beantragen, um die eigene Gesundheit wiederherzustellen. Im folgenden Text erfahren Sie, wann dies Sinn ergibt, wohin Sie sich wenden können und wie Sie die nötigen Schritte einleiten.

Was genau ist unter einer Kur zu verstehen?

Eine Kur ist eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme, die verordnet wird, wenn ambulante oder teilstationäre Krankenbehandlungen im Vorfeld nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben und die Gesundheit eines Menschen stark gefährdet ist. Gründe für eine Kur sind beispielsweise starke oder anhaltende körperliche Beeinträchtigungen und Schmerzen oder auch eine psychische Überlastung, die sich unterschiedlich zeigen kann, etwa in Depressionen, Nervenzusammenbrüchen und Aggressionen.

Eine Kur wird in der Regel für einen Zeitraum von zunächst 3 Wochen geplant. Nach Abschluss sollten die Kur-Erfolge durch eine ambulante Nachsorge gesichert werden. Dafür wäre dann wieder der Hausarzt zuständig.

Vorteile einer stationären Kurmaßnahme:

  • Die Belastungssituation wird angehalten und der Teufelskreis der Überforderung wird unterbrochen.
  • Man wird selbst gepflegt und kann sich ausruhen/Unterbringung und Verpflegung werden organisiert.
  • Es gibt eine intensive ärztliche Betreuung.
  • Verschiedene Therapiemöglichkeiten unter einem Dach, beispielsweise Physiotherapie, Psychosomatische Beratung, Sozial-medizinische Angebote, Psychologische Unterstützung, Spezialbehandlungen und Gesundheitsfortbildungen (Vorträge, Infomaterial).
  • Körperliche Ertüchtigung: Durch Erholung, Behandlungen, Sport und Muskeltraining.
  • Psychische Ertüchtigung: Durch den Abstand zum eigenen Alltag werden neue Lösungsansätze sichtbar.
  • Man erlernt Strategien und Entspannungstechniken für die Rückkehr nach Hause, etwa Progressive Muskelentspannung, Meditation, Atemübungen, Yoga, Tai Chi.

Wie und wo ist der Antrag zu stellen?

Für Rehabilitationsleistungen ist Ihre Krankenkasse zuständig. Zwar kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein anderer Träger der Leistungsträger sein, etwa die Rentenkasse, eine Berufsgenossenschaft oder die Agentur für Arbeit. Dies erfahren Sie aber im Zweifel von Ihrer Krankenkasse, wo Sie auch den Kurantrag erhalten.

Um den Antrag für eine Kur stellen zu können, benötigen Sie eine ärztliche Empfehlung. Wenden Sie sich hierfür an Ihren Hausarzt. Er kennt Ihren Beschwerdeverlauf, idealerweise auch die heimische Belastungs- und Pflegesituation und kann dadurch die Notwendigkeit oder gar Dringlichkeit einer Kur richtig einschätzen und begründen.

Wichtig zu wissen:

  • Sind Sie gesetzlich krankenversichert, müssen zwischen zwei stationären Kur- oder Rehabilitationsmaßnahmen mindestens 4 Jahre Wartezeit liegen. Sind Sie privat versichert, sind Ihre Ansprüche in den Vertragsbedingungen Ihrer Kasse geregelt.
  • Die Krankenkassen haben Kooperationen mit bestimmten Kliniken, mit anderen nicht.
  • Die Bearbeitung des Antrags dauert in der Regel mehrere Wochen, je nach Patientenakte, Antragsbegründung und hinzugezogenen Gutachtern (weiterer Arzt/MDK) auch länger.

Kosten

Wird die stationäre Kur bewilligt, übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten für die Kur- oder Reha-Maßnahme inklusive Unterkunft. Auch die Fahrtkosten zur Vertragsklinik mit öffentlichen Transportmitteln, etwa der Bahn, werden von Ihrem Leistungsträger bezahlt. Möchten Sie mit dem privaten Pkw anreisen, müssen Sie die Höhe der Kostenübernahme vorab klären.

Wichtig zu wissen:

  • Für Versicherte ab 18 Jahren wird eine Zuzahlung von 10 Euro pro Kalendertag privat fällig. Um jedem Versicherten die Möglichkeit auf eine Kur zu geben, wurden jedoch individuelle Belastungsgrenzen eingeführt. Ob Sie eine Befreiung von der Zuzahlung erhalten können, erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse.
  • Es gibt eine Frist ab Bewilligungsdatum, innerhalb der Sie Ihre Kur antreten müssen. Ansonsten verfällt Ihr Anspruch oder Sie riskieren, die Kur privat zahlen zu müssen.
  • Möchten Sie Ihre Kur in einer bestimmten Einrichtung durchführen, die NICHT zu den Vertragspartnern Ihres Leistungsträgers gehört, müssen Sie eventuell entstehende höhere Kosten privat begleichen.
  • Treten Sie eine Kur an bevor Sie die schriftliche Zusage für eine Kostenübernahme haben, riskieren Sie, dass Sie die Gesamtkosten alleine tragen müssen.

Was tun bei Ablehnung des Antrags?

Sie bekommen in jedem Fall einen schriftlichen Bescheid für Ihren Antrag. Sollte Ihr Kurantrag abgelehnt werden, können Sie dagegen Widerspruch einlegen. Beachten Sie, dass Sie dies schriftlich tun müssen und binnen 4 Wochen nach der Absage. In Ihrem Widerspruch müssen Sie klar begründen, warum eine Kur-Maßnahme in Ihrem Fall notwendig ist. Hierfür können Sie die Hilfe Ihres Hausarztes in Anspruch nehmen und auch eine persönliche Begutachtung Ihres Falles beantragen.

Über den Autor

Esther Niederhammer ist Journalistin und Autorin. Ihre Schwerpunktthemen sind Wohnen und Leben im Alter, Generationen, Gesellschaft, Pflege, ärztliche Versorgung und Sterbebegleitung.