Ernährung bei Diabetes im Alter: Erkennen durch Hinsehen

gesunde Ernährung

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Diabetes ist eine komplexe Erkrankung, die mit zahlreichen Gefährdungen für ältere Menschen einhergeht. Können sie die Therapie nicht mehr eigenständig umsetzen, benötigen sie Hilfe von ihren Angehörigen. Vor allem auf die Ernährung sollte ein besonderes Augenmerk geworfen werden.

Das lebensnotwendige Hormon Insulin ist zuständig für den Glukosestoffwechsel. Es ist zentral bei der Entwicklung eines Diabetes. Die Ursachen für eine Diabeteserkrankung reichen von unterschiedlichen Störungen der Insulinfreisetzung aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse bis hin zu einem absoluten Insulinmangel. Es wird zwischen Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes unterschieden.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung und führt dazu, dass der Körper kein Insulin mehr bilden kann. Weil ohne Insulin im Blut kein Überleben möglich ist, müssen die Betroffenen mehrfach täglich Insulin spritzen und die Dosis immer wieder anpassen, um die Blutglukose möglichst stabil einzustellen.

Typ-2-Diabetes ist die viel häufigere Form des Diabetes und wird auch als Altersdiabetes bezeichnet. Es besteht ein relativer Insulinmangel. Dies bedeutet, dass Insulin vorhanden ist, es aber nicht ausreicht, um den Blutzuckerspiegel in der Norm zu halten. Die Behandlung erfolgt stufenweise und ist mit Lebensstilveränderungen verbunden. Zunächst geht es darum, eine gesunde Ernährung umzusetzen mit ausreichend Bewegung, erst danach erfolgt die Verordnung von Tabletten zur Blutzuckersenkung, bevor im weiteren Verlauf eine Therapie mit Insulin notwendig wird.

Merke

Sofortmaßnahmen bei einer Hypoglykämie (Unterzuckerung)

„Erst essen, dann messen“ – auch bei dem Verdacht auf eine Hypoglykämie. Kommt es zu einer Unterzuckerung, müssen die Betroffenen möglichst schnell Glukose zu sich nehmen. Dazu eignen sich besonders diese Notfallkohlenhydrate:

  • 20 g Traubenzucker (4 Plättchen): oft sehr hart und schlecht zu kauen
  • Traubenzucker-Tabletten
  • 200 ml zuckerhaltiges Fruchtsaftgetränk oder zuckerhaltige Getränke wie Cola oder Limonade
  • Zuckerlösungen

Ernährungsempfehlungen

Ernährung ist eine essenzielle Säule in der Diabetestherapie. Es gibt aber keine spezielle Diabetesdiät. Stattdessen ist es ausschlaggebend, gesund zu essen und zu trinken mit dem Ziel, eine ausreichende Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen zu gewährleisten. Das heißt: Bereiten Sie Essen frisch zu und verwenden Sie viele frische Lebensmittel, möglichst wenig Fertigprodukte sowie Lebensmittel in Form von Vollkornprodukten. Reduzieren Sie soweit wie möglich den Zuckerverzehr. Lebensmittel wie Marmelade, Fruchtjoghurt, nachmittags ein Stück Kuchen oder ein paar Kekse sind jedoch kein Problem. Zucker in Getränken wie Fruchtsäften sollten in reiner Form nur im Fall einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) getrunken werden. Darüber hinaus sind täglich regelmäßige Mahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen) empfehlenswert.

Tipps für das Essen

  • Verwenden Sie hochwertige Öle wie z. B. Raps-, Oliven- oder Walnussöl.
  • Eiweißlieferanten sind Fleisch, Eier, Quark oder Tofu, mindestens ein- bis zweimal pro Woche sollte es auch (See-)Fisch, d. h. Hering, Makrele oder Lachs, sein.
  • Verzehren Sie täglich mindestens eine Handvoll Obst (frisch, als Kompott oder püriert).
  • Nehmen Sie täglich Milchprodukte (Joghurt oder Quark) zu sich.
  • Trinken Sie täglich mindestens ein bis 1,5 Liter Flüssigkeit in Form von Mineralwasser, Kräutertees oder Getränken ohne Zucker.
  • Essen Sie gedünstetes Hackfleisch, Geflügel und vor allem Fisch.
  • Für eine bedarfsgerechte Eiweißzufuhr sollte zu jeder Hauptmahlzeit eine fettarme Eiweißbeilage angeboten werden, wie z. B. Käse, Ei, Joghurt, Quark, Buttermilch, Kefir, Molke, Fleisch, Fisch, Fleischersatzprodukte (Tofu, Soja, Seitan etc.), Hülsenfrüchte.
  • Falls rohes Gemüse nicht vertragen wird, kann es in wenig Flüssigkeit kurz blanchiert bzw. bissfest gedünstet und wenn notwendig auch püriert werden.
  • Werden Gemüse und Obst fein geraspelt, können sie oft auch roh gut gegessen werden.
  • Selbst hergestelltes Kartoffelpüree ist eine Alternative zu Pell- und Salzkartoffeln.
  • Statt Vollkornbrot mit ganzen Körnern sind feines Schrotbrot, Grahambrote oder Brote mit gelockerter Kruste wie Weizenkeimbrot geeignet. Vollkorntoast, Knäckebrot und Vollkornzwieback sind eine Alternative.
  • Bei Milchunverträglichkeit sind Sauermilchprodukte wie Joghurt, Dickmilch, Kefir und Buttermilch Möglichkeiten. Sie sind gut bekömmlich, haben eine leicht abführende Wirkung. Das Calcium wird besonders gut ausgenutzt, wenn die Milchprodukte abends gegessen werden.

Körperveränderungen und Kognition

Mangelernährung

Eine reduzierte oder einseitige Nahrungsaufnahme kann eine Mangelernährung verursachen. Auf der Suche nach der Ursache ist ein Blick in den Kühlschrank und Vorratsschrank sinnvoll. Sind ausreichend Lebensmittel vorhanden? Oder stehen im Kühlschrank nur drei oder weniger Lebensmittel? Sind im Kühlschrank vielleicht Dinge gelagert, die dort gar nicht hingehören? Besteht die Möglichkeit, die vorhandenen Lebensmittel zu verarbeiten oder ist es nicht mehr möglich? Eine Studie in der Schweiz konnte zeigen, dass ein Kühlschrank mit einem Inhalt von drei oder weniger Lebensmitteln mit häufigeren Krankenhauseinweisungen verbunden ist. Darum ist es wichtig, den Kühl- und Vorratsschrank regelmäßig zu kontrollieren und zu prüfen, ob Ihre zu pflegende Person noch ausreichend Fähigkeiten besitzt, um daraus etwa eine Mahlzeit zu kochen.

Anzeichen einer Mangelernährung können z. B. sein:

  • die Zahnprothese fällt vom Kiefer, passt nicht mehr, wird nicht mehr getragen,
  • Entzündungen im Mund,
  • die Kleidung wird zu groß,
  • der Gürtel wird enger geschnallt.

Inkontinenz

Häufiges Wasserlassen infolge einer Harninkontinenz kann zur Reduktion der Trinkmenge führen. Beachten Sie, dass mit höherem Lebensalter das Durstgefühl abnimmt. Animieren Sie deshalb Ihre Angehörigen zum Trinken – auch indem Sie mittrinken oder miteinander anstoßen:

  • Bunte und oft auch gesüßte Getränke werden besser getrunken, dünne Saftschorlen sind eine Alternative.
  • Wasser mit frischem Obst (z. B. Beeren, geschälte und geschnittene Orangen, Äpfel, Birnen, Kiwi) geben eine leichte Süße und Geschmack an das Wasser ab.

Hilfreich kann es auch sein, die Trinkmenge am Morgen bereitzustellen, um einen Überblick über die getrunkene Menge zu haben. Denken Sie bei einem unerklärlich hohen Blutzucker auch an einen Harnwegsinfekt.

Kontrolle der Füße

Zudem empfiehlt es sich, die Füße von Diabetespatientinnen und -patienten regelmäßig auf Druckstellen, Entzündungen oder andere Veränderungen hin zu kontrollieren. Bei dem Verdacht einer Entzündung sollten Sie den Fuß zeitnah der behandelnden Ärztin oder dem Arzt vorstellen. Außerdem kann es sinnvoll sein, den Fuß täglich mit einer harnstoffhaltigen Fußcreme einzusalben.

Intellektueller Abbau

Eine unregelmäßige und nicht planbare Nahrungsaufnahme bei kognitiven Defiziten – wie etwa einer Demenz – stellt eine besondere Herausforderung an die Diabetestherapie dar. Es bietet sich an, möglichst frühzeitig bestimmte Routinen einzuführen, an die sich die kognitiv eingeschränkte Person gewöhnen kann. Auch kann es hilfreich sein, eine Diabetespflegefachkraft in die Betreuung miteinzubinden.

Fazit

Pflegebedürftige Menschen mit Diabetes benötigen eine fundierte Betreuung und Hilfe für das Erreichen der Therapieziele. Bei Veränderungen des Körpers und/oder der kognitiven Fähigkeiten ist immer wieder eine Anpassung der Behandlung notwendig. Sie sollte von den Angehörigen eingefordert werden, um die Gefahr von Hypoglykämien zu reduzieren und eine gute Lebensqualität zu erreichen.

 

 

 

Über die Autorin

Helga Varlemann ist Diabetesberaterin der Deutschen Diabetes Gesellschaft und staatlich anerkannte Diätassistentin.