Deutscher Pflegerat: Pflegesachleistungen prozentual an die Lohnerhöhungen koppeln

Kommunikation bei Inkontinenz

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15.12.2022 – Die seit September geltende Tarif-Treue-Regelung in Pflegeeinrichtungen (siehe Hintergrund) hat eine Diskussion über Zuzahlungen höherer Pflegekosten und die dauerhaft sinnvolle Finanzierung der Pflege ausgelöst. Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e. V. (DPR), sieht auf Deutschland eine drohende pflegerische Unterversorgung zukommen, wenn die Pflegesachleistungen nicht ebenfalls angepasst würden, wie der DPR am Sonntag mitteilte. Zusätzlich werde die Diskussion durch weitere Kostensteigerungen für Pflegebedürftige wie bspw. stark gestiegene Energiepreise und eine hohe Inflation angeheizt.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Die Pflegebedürftigen in der häuslichen Versorgung müssten diese Kostensteigerungen selbst tragen. In der Folge schränkten sie aus finanzieller Not vielfach Leistungen der ambulanten Pflegedienste ein.

DPR-Präsidentin Vogler sieht die Pflegebedürftigen als Leidtragende:

„Die Lohnsteigerungen in der Pflege sind richtig und wichtig. Vergessen wurde dabei, dass die Hauptlast dieser Erhöhungen in der ambulanten Pflege ausschließlich durch die Pflegebedürftigen getragen wird. Der Deutsche Pflegerat fordert kontinuierliche Erhöhungen der Pflegesachleistungen in der ambulanten Pflege, die an die Lohnsteigerungen in der Pflege prozentual gekoppelt werden.“

Das gewährleiste, dass es durch Preiserhöhungen nicht zu Leistungseinbußen bei der Inanspruchnahme der Pflegeleistungen kommt.

„Die aktuellen Kostensteigerungen tragen allein die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen“, so Vogler weiter.

Würden diese wegen der steigenden Kosten weniger an notwendigen Leistungen der Pflegedienste abrufen, drohe eine pflegerische Unterversorgung.

Angehörige müssen einspringen

Pflegende Angehörige müssten wieder vermehrt einspringen, ohne unter Umständen das pflegefachliche Know-how zu haben.

Hintergrund

Nach dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung sind alle Pflegeeinrichtungen seit September gesetzlich verpflichtet, ihre Pflege- und Betreuungskräfte nach Tarif oder in tariflicher Anlehnung bezahlen, um der Tariftreueregelung nachzukommen.

Der Gesetzgeber hatte vorgesehen, dass die Kostensteigerungen der Tarif-Treue-Regelung den Pflegeeinrichtungen vollständig refinanziert werden.

Über die Autorin

Britta Waldmann ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.