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Parkinson kündigt sich lange vor der Diagnose an – Warnzeichen erkennen

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Getty Images/JGI/Tom Grill

10.06.2021Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, verursacht durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Vorboten und Warnzeichen der Krankheit können sehr früh auftreten – Jahre bevor sie erkennbar ist und diagnostiziert wird.

V. a. eine Form von Schlafstörung erhöht das Risiko, an Parkinson zu erkranken, um 80 %. Darauf verweist die Parkinsonexpertin Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, und Professorin an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).

Verlangsamung von Bewegungen, Steifigkeit der Muskeln, Zittern oder spezifische Veränderungen des Gangbilds – das sind typische und bekannte Kennzeichen der Parkinson-Erkrankung.

Häufig kann es aber viele Jahre bevor diese typischen Symptome die Diagnose Parkinson erlauben, zu Warnzeichen kommen.

Parkinson-Warnzeichen: Verstopfung, Riechstörung, Depression

Hierzu zählen laut Berg z. B. Verstopfung, Störungen der Geruchswahrnehmung oder Depressionen. Diese Symptome könnten schon früh auf die typische Nervenzellschädigung bei Parkinson hindeuten – ohne dass diese Schädigungen im zuständigen Gehirnareal angekommen seien und ohne dass damit die für Parkinson typischen Bewegungsstörungen verbunden wären.

 

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Allerdings: Diese Frühsymptome können viele Ursachen haben, betont Berg. Sie seien nicht spezifisch für die Parkinson-Erkrankung.

Gestörte Traumschlafphase erhöht Parkinson-Wahrscheinlichkeit

Ein sehr klares Indiz für eine drohende Parkinson-Erkrankung sind der Kieler Parkinson-Expertin zufolge Schlafstörungen in der Traumschlafphase.

“Wenn Menschen über 50 Jahren diese Form der Schlafstörung haben und keine anderen Ursachen dafür vorliegen, wie zum Beispiel Drogenkonsum, bekommen sie mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent in den nächsten Jahren Parkinson oder eine parkinsonähnliche Erkrankung.”

In der medizinischen Fachsprache wird die Traumschlafphase wegen der schnellen Augenbewegungen in dieser Zeit als „REM-Schlaf“ bezeichnet (von Englisch „Rapid Eye Movement”, schnelle Augenbewegung).

Normalerweise ist ein Mensch im Traumschlaf bewegungslos. Denn typisch für diese Tiefschlafphase ist ein Verlust an Muskelspannung.

Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung hingegen ist ein Muskeltonus vorhanden und die geträumten Bewegungen können ausgeführt werden.

“Das kann für Betroffene und Partner oder Partnerin gefährlich werden. Häufig haben Menschen mit einer solchen Störung sehr lebhafte oder angsteinflößende Träume. Sie werden richtig aktiv und können schon mal ihren Bettpartner schlagen oder selber aus dem Bett fallen und sich schwer verletzen.”

Da es viele Gründe für einen unruhigen Schlaf gibt, sollte die Diagnose REM-Schlaf-Verhaltensstörung im Schlaflabor gesichert werden, rät Berg.

Prognosemodell sagt Parkinson-Wahrscheinlichkeit voraus

Eine internationale Arbeitsgruppe, an der Berg mitarbeitet, hat ein Prognosemodell entwickelt, mit dem sich anhand von Frühsymptomen, genetischen Faktoren und bestimmten Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit berechnen lässt, ob sich eine Person in der Frühphase der Erkrankung befindet.

„Anhand der vorliegenden Symptome können auch Hinweise auf den Verlauf und weitere Symptome abgeleitet werden.“

Parkinson-Prävention: körperliche Aktivität und mediterrane Ernährung

Eine spezielle Therapie, die das Fortschreiten der Krankheit aufhalte, gebe es bisher nicht, sagt die Parkinson-Expertin.

Dennoch wollten immer mehr Menschen mit REM-Schlaf-Verhaltensstörungen oder einer nicht durch Erkältung, Allergie oder eine Corona-Infektion erklärbaren Riechstörung wissen, ob bei ihnen eine frühe Parkinsonerkrankung vorliegt.

“Diese Symptome sollte man ernst nehmen. Denn auch wenn es keine spezielle Therapie gibt, kann man den Menschen Mut machen. Eine Veränderung des Lebensstils, insbesondere vermehrte körperliche Aktivität und eine eher mediterran ausgerichtete Ernährung, senken das Risiko, später Parkinson zu bekommen, deutlich.”

 

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Parkinson und Corona

Parkinson-Erkrankte besonders stark von Corona betroffen

Parkinson und Corona

Getty Images/brusinski

27.05.2021 – Im Vergleich zu Menschen ohne Parkinson zeigten Parkinson-Betroffene, die wegen COVID-19 stationär versorgt wurden, häufiger schwere Krankheitsverläufe – dies v. a. bei Menschen in fortgeschrittenem Alter ab 65 Jahre oder mit besonders hohem Parkinson-Schweregrad. Auch die Sterblichkeit der Betroffenen im Krankenhaus war mit Parkinson erhöht.

Parkinson-Patienten habe viele Risikofaktoren für einen schweren Corona-Verlauf

Das hat eine Auswertung der Daten der ersten Welle der Corona-Pandemie durch ein Team der Klinik für Neurologie am St. Josef-Hospital der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gezeigt. Die Querschnittsstudie, die Anfang Mai publiziert wurde, stellt erstmals detaillierte landesweite Daten bereit.

Grund für die häufigeren schweren Krankheitsverläufe bei Parkinson-Erkrankten könnte nach RUB-Angaben sein, dass Patientinnen und Patienten mit dieser Diagnose häufig auch viele Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf aufweisen.

Das Forscherteam der RUB hat für die Studie Daten zu Parkinson-Behandlungen in 1.468 Krankenhäusern analysiert.

Einer der Autoren der Studie, Lars Tönges aus dem RUB-Klinikum St. Josef Hospital, sagte:

„Parkinson-Patienten sind durch die Gebrechlichkeit, die mit dem Alter und fortgeschrittenen Krankheitsstadien zunimmt, möglicherweise einem besonderen Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf ausgesetzt.“

 

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Die Lungenfunktion könne durch häufige Begleiterkrankungen und eine Parkinson-assoziierte Atemmuskelschwäche beeinträchtigt sein. Außerdem machten Schluckstörungen anfälliger für Lungenentzündungen.

Die Parkinson-Erkrankung

Die Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie führt zu einer Einschränkung von Beweglichkeit, Feinmotorik, Balance und Gangfunktionen. Auch Depressionen, Schlafstörungen oder Gedächtnisprobleme können mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen.

Parkinson betrifft v. a. Menschen in der zweiten Lebenshälfte und kommt verstärkt bei Männern vor. Viele von Parkinson Betroffene haben Begleiterkrankungen wie eine koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen – bedeutende Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Parkinson

Welt-Parkinson-Tag: Die Krankheit verstehen

Parkinson

Gett Images/sandra standbridge

08.04.2021 – Die Parkinson-Krankheit ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Im Durchschnitt erkranken Personen im Alter von etwa 60 Jahren an Parkinson. Dem Ausbruch gehen aber nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) vermutlich jahrzehntelange Veränderungen im Körper voraus. Das Risiko einer Parkinson-Erkrankung liegt für Männer bei 2,0 % und für Frauen bei 1,3%.

Welt-Parkinson-Tag informiert

Anlässlich des Welt-Parkinson-Tages veranstaltet die Parkinson Stiftung am Mittwoch, 14. April 2021, gemeinsam mit Partnern und Unterstützern einen kostenfreien, digitalen Informationstag, um die Öffentlichkeit auf die Situation von Erkrankten hinzuweisen und konkrete Ansätze in Therapie und Forschung aufzuzeigen.

Symptome von Parkinson

Charakteristisch für die Parkinson-Krankheit ist nicht nur das Zittern (Tremor), weitere Bewegungsstörungen wie Steifheit der Muskeln (Rigor), verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie) und Gleichgewichtsstörungen kommen hinzu.

Zusätzliche Symptome können das „Einfrieren“ von Bewegungen (Freezing) sein, Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken, Störungen der vegetativen Funktionen (z.B. Blutdruckregulation), Schlafstörungen, Depressionen und geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz.

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Diagnose und Therapie

Bei Verdacht auf Vorliegen einer Parkinson-Krankheit sollten Betroffene von einem Spezialisten für Bewegungsstörungen untersucht werden, rät die DPG, um sie von ähnlichen Krankheitsbildern zu unterscheiden.

Die wichtigsten Anzeichen seien eine anfänglich einseitig ausgeprägte Bewegungsverlangsamung und ggf. Zittern in Ruhe.

Eine Therapie beruhe wesentlich auf dem Ausgleich des Mangels am Botenstoff Dopamin durch Medikamente. Mit der Einnahme von L-Dopa (Levodopa) z. B. ließen sich Parkinson-Symptome „deutlich verbessern“. Auch eine Kombination verschiedener Präparate verspreche „eine möglichst lange und gute Wirksamkeit bei geringstmöglichen Nebenwirkungen“.

Die DPG betont:

„Im Zusammenspiel mit Physiotherapien und weiteren aktivierenden Maßnahmen bewirken die Medikamente, dass Patienten über Jahre hinweg eine gute Lebensqualität haben.“

Gleichwohl könne das Fortschreiten der Grunderkrankung momentan noch nicht aufgehalten werden. Die Suche nach ursächlichen Therapien habe in der Parkinsonforschung deshalb oberste Priorität.

 

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Parkinsonbeschwerden

Parkinson-Ratgeber: Was über Ursachen und Symptome bekannt ist

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Morbus Parkinson – wenn Sie von dieser Krankheit lesen, werden Sie vermutlich ein ganz bestimmtes Bild im Kopf haben: das von zitternden Händen. Tatsächlich erkennen die meisten Betroffenen die Krankheit daran, wenn ihnen die Hände zittern oder andere Bewegungen nicht mehr reibungslos funktionieren. Dabei gibt es weitere Warnzeichen der Erkrankung, die weitestgehend unbekannt sind. Welche Symptome von Parkinson existieren und woran Sie und Ihr Angehöriger die Krankheit erkennen können, möchte dieser Ratgeber beantworten.
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Frau macht Origami

Mittel gegen Parkinson: Welche Therapieansätze gibt es?

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iStock.com | MichikoDesign

Da die genauen Auslöser nach wie vor unbekannt sind, gibt es kein Mittel zur Heilung von Parkinson, wohl aber verschiedene Therapien, die die Symptome der Erkrankung lindern können. Welche Wege die Medizin heute kennt, welche Rolle Physiotherapie bei Parkinson dabei spielt und was Sie als Angehöriger selbst tun können, zeigen wir in diesem Artikel.
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Parkinson positive Lebenseinstellung

Leben mit Parkinson: Das Positive im Leben sehen [Interview]

 

Parkinson positive Lebenseinstellung

© iStock.com | michellegibson

Stefan Berg, vier Kinder, Redakteur beim „Spiegel“, war 44, als er an Parkinson erkrankte. In „Zitterpartie“ erzählt er die fiktive Geschichte eines Mannes, der sich von der unheilbaren Krankheit nicht unterkriegen lässt. Wir sprachen mit ihm über seine persönlichen Erfahrungen mit Parkinson und wie die Diagnose sein Leben änderte. Weiterlesen