Osteoporose

Osteoporose: Tipps zur Stärkung der Knochengesundheit

Osteoporose

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19.10.2020 – Hierzulande sind etwa 7 Mio. Menschen von Osteoporose betroffen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Skeletts, bei der die Knochenfestigkeit verloren geht und die Knochen leichter brechen. „Der Knochen wird lebenslang umgebaut und erneuert, wenn dieser Umbau aber nicht in der Balance ist, nimmt die Knochendichte mit zunehmendem Alter ab“, verdeutlicht der Leiter des Instituts für Osteologie und Biomechanik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, Prof. Dr. Michael Amling, in einem Interview anlässlich des Weltosteoporosetags am 20. Oktober.

Mögliche Ursachen 

Ursächlich für diese „Dysbalance“ seien verschiedene Faktoren wie z. B. die individuelle Konstitution, Lebensweise und Hormone. „Bei Frauen in den Wechseljahren lässt die Produktion des Sexualhormons Östrogen nach, das für den Schutz vor Knochenmasseabbau mitverantwortlich ist.“ Fehlten Östrogene, könne dies zu einem Rückgang von Knochengewebe führen. „Die Osteoporose bleibt oft lange Zeit unentdeckt und offenbart sich dann erst durch Knochenbrüche der Hüfte, der Wirbelkörper oder des Handgelenkes“, erläutert Amling. 

Auf Rauchen und Alkohol verzichten, sich ausgewogen ernähren und bewegen

Um dem Knochenverlust vorzubeugen, sollten z. B. Rauchen und übermäßiger Alkoholgenuss gemieden sowie das Körpergewicht im Normalbereich gehalten werden. Darüber hinaus empfiehlt Amling eine kalziumreiche, ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung sowie eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr. „Vitamin D ist von entscheidender Bedeutung dafür, dass der Körper das Calcium aus der Nahrung aufnehmen kann. Besteht ein Mangel, so greift der Körper die Calciumreserven des Skeletts an und wir verlieren Knochen!“, warnt der Experte.

 

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Sport treiben und die Koordination stärken

Zudem sei Sport wichtig für die Knochengesundheit. Geeignet sei bspw. ein individuell angepasster Mix aus Ausdauer-, Kraft- und Balancetraining, „aber auch jede alltägliche körperliche Aktivität ist empfehlenswert“, unterstreicht Amling. Älteren Menschen rät er, ihre Koordination und Trittsicherheit zu stärken. „Das kann einfach in den Alltag eingebaut werden, also so oft als möglich Treppen steigen, kurze Wege zu Fuß erledigen und regelmäßig Spaziergänge unternehmen.“

Stolperfallen beseitigen

Stolperfallen zu Hause wie etwa rutschende Läufer, Falten im Teppich, lose Kabel oder unebene Türschwellen sollten entfernt werden.

Therapiemöglichkeiten

Basis für die Therapie der Osteoporose sind Amling zufolge Calcium und Vitamin D. „Daneben stehen heute zahlreiche sehr wirksame Osteoporose-Medikamente zur Verfügung, die mit ihren Wirkstoffen entweder übermäßigen Knochenabbau bremsen können oder aber den Knochenaufbau gezielt fördern.“

 

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Demenzstrategie

Startschuss für die Nationale Demenzstrategie der Regierung

Demenzstrategie

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24.09.2020 – In Berlin haben am Mittwoch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sowie 57 Verbände die Nationale Demenzstrategie unterzeichnet. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich die Unterzeichner, 160 Maßnahmen für einen besseren Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen in den nächsten Jahren umzusetzen.

Das Ziel der Strategie ist insbesondere, die Bevölkerung über das Krankheitsbild Demenz zu informieren und die Krankheit damit stärker zu entstigmatisieren.

Teamgeist für Menschen mit Demenz vonnöten

„Es geht darum, Demenzkranken respektvoll und hilfsbereit zu begegnen“, sagte Spahn. „Ein breites gesellschaftliches Bündnis ist ein wichtiger Schritt, dieses neue Bewusstsein zu schaffen.“

Giffey betonte: „An Demenz erkrankte Menschen können noch sehr lange aktiver Teil der Gesellschaft bleiben, wenn die Gesellschaft sich darauf einstellt. Das bedeutet: Busfahrerinnen, Schaffner, Ärzte oder Mitarbeiter von Behörden müssen speziell geschult werden, genauso wie sich Sportvereine oder Kirchenchöre auf Menschen mit Demenz vorbereiten müssen.“

 

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Um das zu schaffen, brauche es Teamgeist für Menschen mit Demenz. „Darum starten wir die Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis. Mit der Strategie wollen wir bundesweit mehr Vor-Ort-Netzwerke aus Kommunen, Vereinen, Kirchen oder Unternehmen schaffen, Familien von Menschen mit Demenz unterstützen und mit einem breiten Bündnis die Gesellschaft darauf einstellen, für Menschen mit Demenz da zu sein.“

Vielfältiger Mix unterschiedlichster Akteure

Die Nationale Demenzstrategie wurde in den vergangenen 2 Jahren von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft sowie weiteren Verbänden des Gesundheitssystems, von Sozialversicherungsträgern, Zivilgesellschaft und Wissenschaft erarbeitet.

An der Umsetzung der Demenzstrategie ist ein breites gesellschaftliches Bündnis beteiligt – die Initiative „Teamgeist für Menschen mit Demenz“. Dazu zählen u. a. so unterschiedliche Akteure wie die Deutsche Bahn, der Deutsche Sportbund, die katholische und evangelische Kirche oder Supermarktketten wie Netto oder Alnatura.

Je größer dieses Team sei, das um die Erkrankung Demenz und seine Ausprägungen weiß, desto besser könnten Betroffene weiter am gesellschaftlichen Leben teilhaben, so die Minister.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Alzheimer_Demenz

Welt-Alzheimertag: An Demenz Erkrankte nicht vergessen

Alzheimer_Demenz

Getty Images/Westend61

22.09.2020 – In dieser Woche, am 21. September, war Welt-Alzheimertag. In diesem Jahr stand der Tag in Deutschland unter dem Motto „Demenz – wir müssen reden!“. Denn noch immer ist die Krankheit nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ein Tabu.

Vor allem in Zeiten der COVID-19-Pandemie dürften an Demenz Erkrankte nicht vergessen werden, forderten Ärzteschaft und Interessensverbände anlässlich des Aktionstags.

Immer noch gebe es viele Menschen, die nicht wüssten, wie sie mit an Demenz Erkrankten umgehen sollten. Darum gelte es, zu sensibilisieren. Darüber hinaus müssten die Bedingungen für pflegende Angehörige verbessert und mehr geforscht werden.

 

Der Welt-Alzheimertag

Der Welt-Alzheimertag wurde 1994 von Alzheimer’s Disease International (ADI) mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. ADI, die internationale Vereinigung von Alzheimer-Gesellschaften in 95 Ländern, koordiniert die Aktivitäten weltweit.

Von der Alzheimer-Krankheit und anderen Demenzformen sind Menschen unabhängig von Nationalität, Hautfarbe und Kultur betroffen. Überall geht es darum, eine breite Öffentlichkeit auf die Situation der insgesamt mehr als 50 Mio. Demenzkranken und ihrer Familien aufmerksam zu machen.

 

Um das spürbar voranzutreiben, hat die Bundesregierung den Startschuss für ihre im Juli beschlossene Nationale Demenzstrategie gegeben. Das Papier enthält 27 Ziele und 162 konkrete Maßnahmen, die bis zum Jahr 2026 in die Tat umgesetzt werden sollen. Am 23. September 2020 soll die Strategie der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

COVID-19 hat Alzheimerforschung massiv beeinträchtigt

Andere Maßnahmen konnten wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht weiterverfolgt werden. So verdeutlichte die Vorsitzende der Hirnliga – der Vereinigung der deutschen Alzheimer-Forscherinnen und -forscher –, Isabella Heuser: „Die Corona-Pandemie mit ihren vielfältigen Auswirkungen hat (…) massiv die Alzheimerforschung beeinträchtigt.“ So hätten u. a. klinische Untersuchungen von Studienpatientinnen und -patienten pausieren müssen, Forschungsprojekte nicht begonnen werden können und der Ambulanzbetrieb massiv heruntergefahren werden müssen.

 

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Bis 2050 ca. 2,8 Mio. Menschen mit Demenz

Jährlich erkranken etwa 300.000 Menschen in Deutschland neu an Demenz, zumeist Alzheimer. Aktuell gibt es 1,6 Mio. Betroffene. Bis 2050 rechnen Expertinnen und Experten mit einem Anstieg auf bis zu 2,8 Mio. Menschen.

Zum Krankheitsbild gehören u. a. Gedächtnis-, Orientierungs- und Sprachstörungen sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Nur in seltenen Fällen sind die Betroffenen jünger als 60 Jahre.

Rund um den Welt-Alzheimertag und die Woche der Demenz vom 21. bis 27. September finden deutschlandweit viele größtenteils virtuelle Aktionen statt, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich zu informieren und ins Gespräch zu kommen.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Baum verliert Blätter

Ratgeber Demenz: Anzeichen von Demenz erkennen

 

Baum verliert Blätter

istock.com | lolloj

Das wohl bekannteste Anzeichen von Demenz ist es, wenn Ihr Angehöriger immer öfter Sachen vergisst. Dabei genügt das alleine noch nicht aus, um von einer Demenz zu sprechen. Nicht jeder ältere Mensch, der etwas zerstreut geworden ist, muss zwangsläufig eine Demenz entwickeln. Manchmal kann es auch eine Altersvergesslichkeit vorliegen, gerade bei Personen in sehr hohen Lebensalter. An welchen Symptomen Sie Demenz erkennen und von einer Altersvergesslichkeit unterscheiden können möchten wir Ihnen in diesem Artikel beantworten.
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Mangelernaehrung

Mangelernährung: Gesund zunehmen

Mangelernaehrung

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Ob nach einer Operation, im Alter oder bei Krankheit – in manchen Phasen schmeckt das Essen einfach nicht, und es kommt ungewollt zu einem Gewichtsverlust. Wichtig ist in solchen Situationen, die Kalorien- und Nährstoffzufuhr bestmöglich zu fördern. Denn mit jedem Kilogramm mehr steigt auch die Lebensqualität. Weiterlesen

Hitze_und_Corona

Hitze und COVID-19: So schützen Sie sich und andere

Hitze_und_Corona

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11.08.2020 – Derzeit treffen 2 Ausnahmesituation zusammen: die Corona-Pandemie und extreme Hitze. Besonders prekär: Von den Folgen des Hitzestresses, der starken UV-Strahlung und der hohen bodennahen Ozonbelastung sind v. a. ältere Menschen und chronisch Kranke betroffen. Damit überschneiden sich die Risikogruppen der Hitzewelle und der Corona-Pandemie. Betroffene Personen sind entsprechend anfälliger für die Auswirkungen von Hitze und COVID-19-Komplikationen.

Das Helmholtz Zentrum München, das Universitätsklinikum Heidelberg und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) haben jetzt allgemeine Hinweise für diese derzeit besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen zusammengestellt.

Dazu zählen u. a.:

  • Körper kühlen
    Duschen oder baden Sie kühl bis lauwarm. Alternativ können Sie z. B. kühle Packungen oder Wickel, feuchte Handtücher oder Schwämme, Fußbäder oder Kühlwesten zur Kühlung nutzen.
  • Trinken und Essen bei Hitze
    Trinken Sie regelmäßig Wasser, doch meiden Sie Alkohol und begrenzen Sie den Konsum von koffeinhaltigen Getränken.
    Essen Sie häufiger kleinere Portionen vorwiegend leichter Kost (wie frisches Gemüse, Salate und Obst).
  • Räume kühl halten
    Hängen Sie nasse Handtücher auf, um die Raumluft herunterzukühlen.
    Nutzen Sie die Nacht zur Abkühlung Ihrer Wohnung. Öffnen Sie nachts und frühmorgens alle Fenster und Fensterläden (wenn dies gefahrlos möglich ist). Lüften ist gleichzeitig eine Maßnahme, um das Infektionsrisiko mit COVID-19 in den Räumen zu senken.
  • Einsatz von Ventilatoren
    Ventilatoren können bei gleichzeitiger Hautbefeuchtung mit feuchten Tüchern oder Sprühflaschen bei Temperaturen unter 38° C Linderung verschaffen; bei höheren Temperaturen und gleichzeitiger hoher Luftfeuchtigkeit ist der Effekt geringer.
    Am besten platzieren Sie den Ventilator in einiger Entfernung und richten ihn nicht direkt auf Personen.
    Da der Gebrauch von Ventilatoren durch Verwirbelung der Innenraumluft das COVID-19-Infektionsrisiko möglicherweise erhöhen kann, sollten diese vor Eintreffen haushaltsfremder Personen (Besuch, Ärztin/Arzt oder Pflegefachperson) ausgeschaltet werden.
Wie unterscheide ich Hitzestress von einer möglichen COVID-19-Erkrankung?

Beides, Hitzestress und eine COVID-19-Erkrankung, können eine erhöhte Körpertemperatur zur Folge haben.

Achten Sie darauf, Hyperthermie nicht mit Fieber zu verwechseln. Ruhen Sie sich – oder eine betroffene Person – im Zweifelsfall mindestens 30 Minuten lang in einer kühlen Umgebung aus und trinken Sie Wasser, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Vermeiden Sie zuckerhaltige, alkoholische und koffeinhaltige Getränke.

Wenn die Körpertemperatur hoch bleibt, handelt es sich wahrscheinlich um Fieber, und Sie sollten ärztliches Fachpersonal konsultieren.

Wenn die Körpertemperatur sinkt, Sie sich nach einer Ruhepause in kühler Umgebung besser fühlen, und die Körpertemperatur nach der Ruhepause nicht wieder steigt, liegt wahrscheinlich Hitzestress vor.

 

  • Hitze und Medikamente
    Medikamente können durch hohe Temperaturen ihre Wirksamkeit verlieren. Es wird daher empfohlen, Ihre Medikamente bei maximal 25° C zu lagern.
  • Anzeichen von Unwohlsein
    Bitten Sie um Hilfe, wenn sie plötzlich Beschwerden wie Schwindel, Schwäche, Angst, Durst, oder Kopfschmerz bekommen. Gehen Sie so schnell wie möglich ins Kühle, kühlen Sie Arme und Füße (z. B. Wadenwickel) und messen Sie Ihre Körpertemperatur (möglichst rektal). Trinken Sie etwas Wasser, Fruchtsaft oder klare Brühe, um Flüssigkeitsmangel auszugleichen. Kontaktieren Sie einen Arzt, wenn die Symptome anhalten.
    Wenn Sie schmerzhafte Muskelkrämpfe haben, ruhen Sie sich so schnell wie möglich an einem kühlen Ort aus und trinken Sie ein elektrolythaltiges Getränk. Suchen Sie Hilfe, wenn die Hitzekrämpfe länger als eine Stunde anhalten.
    Rufen Sie sofort einen Arzt oder einen Krankenwagen (wählen Sie 112), wenn jemand heiße, trockene Haut hat, Krämpfe aufweist und Bewusstseinsveränderungen (Delirium) zeigt oder bewusstlos ist.
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Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Trinken-Infektionen

Harnwegskatheter-assoziierte Infektionen vermeiden: Hygiene, Trinken und Bewegung sind das A und O

Trinken-Infektionen

Getty Images/Westend61

Harnwegskatheter werden eingesetzt, wenn Patientinnen oder Patienten ihren Harnabgang nicht mehr kontrollieren können oder wenn sich wegen einer Gehirn- oder Rückenmarksschädigung die Blasenmuskulatur zur Entleerung nicht mehr eigenständig zusammenziehen kann. Doch wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es auch hier Risiken wie eine Infektion. Auf welche Symptome ist zu achten und wie lässt sich dieses Risiko senken?

 

Gelangen Keime wie bspw. Bakterien über den Schlauch des Katheters in die Harnwege und breiten sich dort aus, kann dies zu einer Infektion führen. Diese sollte niemals auf die leichte Schulter genommen werden, denn im schlimmsten Fall kann eine Blutvergiftung drohen.

Welche Symptome können auftreten?

Wichtig ist es also, die häufigsten Symptome zu kennen: vermehrtes Wasserlassen, Harnverlust zwischen den normalen Katheterisierungen sowie ein verändertes Aussehen des Harns (dunkler, trüb, milchig; in manchen Fällen kann auch Blut im Harn sichtbar sein). Außerdem können sich diese Infektionen durch Fieber und/oder Schwitzen sowie Blasenkrämpfe bemerkbar machen. Wer diese Symptome bei sich beobachtet, sollte zeitnah seine Ärztin oder seinen Arzt aufsuchen.

 

Von der Harnproduktion zur Harnausscheidung: Wie funktioniert das?

Die Nieren „waschen“ das Blut: Stoffwechselprodukte, die der Körper nicht mehr braucht, wandern in den Harn. Die Nieren produzieren davon täglich rund 1,5 Liter. Die beiden Harnleiter transportieren dann den Harn von den Nieren in die Harnblase. Die Harnblase ist ein sogenanntes „muskuläres Hohlorgan“ mit einem durchschnittlichen Fassungsvermögen von 400 bis 600 ml Harn. Ab einer gewissen Füllmenge gibt die Blase dem Gehirn die Rückmeldung, dass ein Toilettengang jetzt ansteht – der allseits bekannte „Harndrang“. Die Harnröhre verläuft von der Harnblase zur Harnröhrenöffnung. Über sie wird der Harn schlussendlich ausgeschieden.

Wer ist besonders gefährdet?

Zunächst spielt die Dauer der Katheterisierung eine Rolle: Je länger ein Katheter liegt, desto höher ist das Risiko, dass Keime einwandern. Besonders betroffen vom Infektionsrisiko sind daher querschnittgelähmte Personen, die einen Dauerkatheter haben. Andere Risikogruppen sind Personen mit geschwächtem Immunsystem, ältere Personen oder solche mit Zuckerkrankheit (Diabetes) oder mit geschädigten Nieren, denn diese Menschen können sich grundsätzlich nicht mehr so gut gegen Keime wehren wie Gesunde oder Jüngere.

Übrigens: Treten symptomatische Infektionen häufiger auf – das bedeutet mehr als zweimal innerhalb von sechs Monaten oder mehr als dreimal innerhalb von neun Monaten – handelt es sich um sogenannte „rezidivierende“, also immer wieder auftretende Infektionen der Harnwege. Hier kann es sinnvoll sein, eine „Infektionsprophylaxe“ durchzuführen. Empfohlen werden bspw. Präparate, die den Harn ansäuern, darunter Cranberry- oder Preiselbeerextrakte. Preiselbeersaft soll zudem ein Anheften der Bakterien an der Blasenwand verhindern und die Kolonisation von Bakterien im Darm hemmen, von wo die meisten Keime stammen.

 

Schon gewusst?

Ein Harnwegskatheter wird heutzutage aus PVC, Latex oder Silikon hergestellt. Doch bereits vor 2.000 Jahren gab es Katheter aus Bronze. Später verwendete man Kupfer oder Silber, aufgerollte Blätter oder Gänsekiele.  

Auf Hygiene achten und ausreichend trinken

Es gibt einige Maßnahmen, die dabei helfen, das Infektionsrisiko zu senken. Von großer Bedeutung ist die Körperhygiene. Gleichzeitig sollte sie nicht übertrieben werden, damit die natürliche „gute“ Bakterienflora des Körpers, die auch vor Infektionen schützt, erhalten bleibt. Es ist ausreichend, den Unterleib ein- bis maximal zweimal am Tag mit milder Seife oder reinem Wasser zu waschen. Außerdem gilt:

  • Bei der Reinigung des Genitalbereichs stets „von der Harnröhre wegwischen“, um keine Bakterien in die Eintrittsstelle zu reiben. Bei unbeschnittenen Männern muss nach der Reinigung die Vorhaut wieder nach vorne gestreift werden.
  • Wenn Sie eine Selbstkatheterisierung durchführen, sollten Sie sich vor jedem Katheterisieren gründlich die Hände waschen und desinfizieren sowie danach keine unsterilen Objekte mehr anfassen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Flüssigkeitszufuhr. Das Problem: Menschen mit Harninkontinenz reduzieren häufig ihre Flüssigkeitszufuhr, um das Risiko eines unwillkürlichen Harnabgangs zu verringern. Bei älteren Menschen kommt zusätzlich oft erschwerend hinzu, dass ihr Durstgefühl weniger ausgeprägt ist. Gerade bei Harninkontinenz wird jedoch empfohlen, täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu trinken, damit Blase und Niere gut durchgespült und eventuelle Bakterien im Harntrakt möglichst rasch wieder ausgeschieden werden. Geeignet sind dazu vor allem Mineralwasser, Kräutertees oder mit Wasser verdünnte Fruchtsäfte.

Bewegung, Gewicht und Nichtrauchen

Daneben gibt es eine Reihe allgemeiner Empfehlungen zur Unterstützung des Immunsystems. Ganz oben steht Bewegung, soweit diese möglich ist: Harninkontinenz und Harnkatheter sind kein Grund, nur noch zu Hause zu sitzen. Moderne Katheter geben auch bei körperlicher Aktivität über mehrere Stunden Sicherheit, und schon gemütliche Spaziergänge an der frischen Luft oder leichte Gymnastik regen den Kreislauf an und können so dabei helfen, Infektionen abzuwehren.

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt ist (starkes) Übergewicht. Denn das ist nicht nur generell ungesund, sondern kann – wie Studien gezeigt haben – auch die Fähigkeit des Immunsystems reduzieren, rasch und effektiv gegen Keime vorzugehen.

Und schlussendlich muss auch das Rauchen erwähnt werden. Denn wer raucht, steigert den Gehalt des schädlichen Kohlenstoffmonoxids im Blut, während gleichzeitig der Sauerstoffanteil sinkt. Das schädigt die Blutgefäße, die bei der Abwehr von Infektionen eine wichtige Rolle spielen – sie transportieren die Immunzellen im Blut. Zudem finden sich im Blut von Raucherinnen und Rauchern weniger „Immunglobuline“ (für die Abwehr fremder Substanzen zuständige Eiweißstoffe).

Fazit

Es gibt einiges, was man beim Tragen von Harnwegskathetern tun kann, um das Infektionsrisiko zu senken, die Gesundheit zu unterstützen und das Immunsystem zu fördern. So bleibt die Lebensqualität trotz Inkontinenz und Harnwegskatheter so gut wie möglich erhalten.

 

 

Über die Autorin

Dr. Lydia Unger-Hunt ist Medizinerin und Medizinjournalistin. 

Verstopfung

Alltagstipps für Betroffene: Was hilft gegen Verstopfung?

Verstopfung

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Gegen eine akute Verstopfung helfen meist einmalig eingesetzte Abführmittel. Liegt allerdings eine chronische Obstipation vor, sind diese nicht empfehlenswert, denn sie schaden auf Dauer mehr als sie nutzen.  Was gegen chronische Verstopfung hilft, lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Was hilft gegen Verstopfung? Natürlich Abführmittel! Aber die Sache hat einen Haken. Denn Abführmittel sollten grundsätzlich stets nur dann eingesetzt werden, wenn die Ärztin oder der Arzt sie verordnet hat. Zwar helfen sie meist sehr zuverlässig gegen eine Verstopfung, können aber auf Dauer den Elektrolythaushalt des Körpers stören, die Darmwand beschädigen und die Beschwerden sogar verschlimmern. Wer an einer chronischen Verstopfung leidet, benötigt also Alternativen.

Wie finde ich die Ursache meiner Beschwerden heraus?

Die Verstopfung selbst ist mehr Symptom als Krankheit, ihre Ursachen sind vielfältig. Um sie genauer einzugrenzen und letztlich herauszufinden, lohnt es sich daher, die Beschwerden zu dokumentieren. Halten Sie gemeinsam mit Ihrer Angehörigen oder Ihrem Angehörigen schriftlich fest, wann die Beschwerden auftreten und welche Symptome zu beobachten sind. Möglicherweise erkennen Sie so bereits ein erstes Muster. Diese Aufzeichnungen helfen auch der Ärztin oder dem Arzt dabei, eine genaue Diagnose zu stellen.

 

Merke

Chemische Abführmittel sind Einmalhilfen und eignen sich nicht zur Dauerbehandlung!

Hausmittel gegen Verstopfung und natürliche Hilfen

Was hilft gegen Verstopfung, wenn chemische Abführmittel keine Dauerlösung sind? An diesem Punkt begeben sich Betroffene meist auf die Suche nach natürlichen Abführmitteln. Folgende Möglichkeiten gibt es:

Ballaststoffreiche Kost: Natürliche Abführmittel müssen Sie nicht lange suchen, sondern finden Sie möglicherweise bereits im eigenen Obstkorb. Pflaumen, vor allem Dörrpflaumen, getrocknete Feigen, Birnen und Weintrauben beispielsweise sind solche Hausmittel gegen Verstopfung. Was hier hilft, ist vor allem der hohe Ballaststoffgehalt der Früchte, der die Darmtätigkeit natürlich anregt. Auch Vollkornbrot, Chia-Samen und Haferflocken sind ballaststoffreiche Ersthelfer.

Viel trinken: Die wohl häufigste Antwort auf die Frage „Was hilft gegen Verstopfung?“ ist diese: ausreichend trinken! Denn wenn der Darminhalt sehr fest ist und nur sehr langsam vorwärtsbewegt wird, kann mehr Flüssigkeit dabei helfen, diesen Prozess zu beschleunigen. Wer betroffen ist, sollte mindestens 2 Liter täglich trinken. Um lästige Blähungen zu vermeiden, empfehlen Ärztinnen und Ärzte vor allem stilles Wasser oder ungesüßte Tees.

Warmes, gesalzenes Wasser: Ein ganz natürliches Hausmittel gegen Verstopfung hat wohl jeder zur Verfügung. Ein Glas lauwarmes Wasser mit etwas Salz verrührt auf nüchternen Magen getrunken kann den Entleerungsreiz des Darms auslösen und aktiv gegen die Verstopfung wirken.

Bewegung: Chronische Verstopfungen sind langwierige Begleiter, die eine ebenso langwierige Gegenmaßnahme erfolgen. Sich sportlich zu betätigen und ausreichend zu bewegen, ist so eine Maßnahme, die Betroffene in ihren Alltag einbauen sollten. Denn die Bewegung regt die Darmtätigkeit an und fördert so aktiv die regelmäßige Darmentleerung.

Darmgymnastik: Bewegung allgemein ist gut, aktive Übungen gegen Verstopfung bzw. einen trägen Darm sind aber noch besser. Führen Sie mit Ihrer betroffenen Angehörigen oder Ihrem betroffenen Angehörigen einfache Gymnastikübungen aus, um die Darmtätigkeit anzuregen. Eine einfache Übung ist es, die Knie in Rückenlage in Richtung Brust anzuziehen und wieder auszustrecken. Regelmäßig wiederholt unterstützt diese Bewegung die natürliche Darmtätigkeit. Auch Atemübungen eignen sich hier gut. Leiten Sie Ihre Angehörige oder Ihren Angehörigen an, den Oberkörper beim Einatmen bewusst aufzurichten und beim Ausatmen etwas zusammensacken zu lassen. Auch das ist eine aktive Unterstützung gegen einen trägen Darm.

Medikamente überprüfen: Gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt können Sie sich die Medikamente, die Ihre Angehörige oder Ihr Angehöriger regelmäßig einnimmt, genauer ansehen. Möglicherweise löst ein bestimmtes Präparat die chronische Verstopfung aus? In diesem Fall kann die Ärztin oder der Arzt überprüfen, ob es alternative Präparate gibt.

 

Merke

Natürliche Hilfen gegen Verstopfung finden Sie vor allem in einer Änderung des Lebensstils. Ärztin bzw. Arzt und Patientin bzw. Patient sollten hier eng zusammenarbeiten, um die Beschwerden zu lindern.

 

 

Über die Autorin

Sonja Mahr: www.sonjamahr.de.

COPD

Für Sie erklärt: Was ist eine COPD?

COPD

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Hartnäckiger Husten über viele Monate, der einfach nicht besser wird. Später dann Atemnot. Das alles können Anzeichen einer chronisch-obstruktiven Bronchitis, einer COPD, sein. Wer nun frühzeitig handelt, kann Schlimmeres verhindern.

 

Rund 6,8 Millionen Deutsche leiden an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Damit erkrankt jeder Vierte – Tendenz steigend. Doch viele Betroffene halten Symptome wie hartnäckigen Husten oder Atemnot bei Belastung zunächst für einen „normalen“ Raucherhusten oder eine einfache Bronchitis. Erst wenn die Beschwerden stärker werden, sie etwa schon beim einfachen Treppensteigen keine Luft mehr bekommen, erfahren sie, dass eine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt. Oft ist die Lunge dann schon so stark geschädigt, dass die Krankheit nicht mehr geheilt werden kann.

Rauchen – Ursache Nummer 1

Die mit Abstand häufigste Ursache einer COPD ist das Rauchen. Lediglich 10 Prozent der COPD-Erkrankten haben nie in ihrem Leben geraucht, 40 bis 50 Prozent dagegen waren lebenslange Raucher. Und so wird die COPD umgangssprachlich oft auch als „Raucherlunge“ bezeichnet. Tabakrauch enthält über 5.000 chemische Substanzen, von denen 250 giftig und über 90 krebserregend sind. Wer raucht, atmet somit Zug um Zug, mitunter Tag für Tag Stoffe ein, die dem Körper schon in geringen Mengen schaden, darunter Blausäure, Acetaldehyd und Ammoniak.

In weitaus weniger Fällen stecken andere Ursachen dahinter. Eine genetische Veranlagung etwa, der sogenannte Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, bei dem ein Eiweiß fehlt, das bestimmte Enzyme in der Lunge inaktiviert. Dadurch kommt es zu einer überschießenden Aktivität der Enzyme: Gewebe wird zerstört, eine COPD entsteht. Der Gendefekt ist allerdings bei nur einem Prozent der Erkrankten die Ursache.
Häufiger betroffen sind Menschen, die aufgrund ihres Berufs vermehrt Stäuben, Gasen oder Dämpfen ausgesetzt sind, die etwa viele Jahre im Bergbau oder in der Getreideverladung gearbeitet haben, Schweißer waren oder mit Mineralfasern wie Asbest umgehen mussten.

Die Schleimhaut der Atemwege wird zerstört

Um zu verstehen, wie eine COPD entsteht, hilft ein Blick auf das Innenleben der Bronchien. Bei gesunden Menschen ist die Schleimhaut der Bronchien mit Flimmerhärchen bedeckt. Sie schlagen regelmäßig in Richtung Rachen aus und sorgen so dafür, dass Schmutzpartikel, die am Schleim haften, aus den Bronchien abtransportiert und die Atemwege sauber gehalten werden.

Schadstoffe, etwa aus dem Tabakrauch, zerstören die Flimmerhärchen. Die Folge: Der Schleim kann nicht mehr abtransportiert werden und die Bronchien entzünden sich dauerhaft. Eine chronische Bronchitis entsteht. In diesem Stadium leiden Betroffene vor allem unter chronischem Husten, mit dem Schleim (Auswurf) abgehustet wird. In der Medizin bezeichnet man diesen Husten als produktiv. Hören Betroffene zu diesem Zeitpunkt mit dem Rauchen auf oder werden durch ihren Arbeitsplatz nicht mehr belastet, kann die Krankheit noch heilbar sein.

 

Übrigens

Von einer chronischen Bronchitis spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer dann, wenn Patientinnen oder Patienten in den vergangenen 2 Jahren mehr als 3 Monate unter andauerndem Husten mit Schleimbildung (Auswurf) leiden.

 

Rauchen Betroffene trotz chronischer Bronchitis weiter oder bleiben weiterhin den Belastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt, verändern sich mit der Zeit die Atemwege: Die Muskulatur verkrampft (Bronchospasmus), die Schleimhaut schwillt an (Ödem) und es wird immer mehr Schleim produziert. So verengen sich die Bronchien immer stärker. Die chronische Bronchitis wird „obstruktiv“ – eine COPD entsteht.

Das Fatale daran: Die chronische Entzündung setzt weitere Stoffe (Enzyme) frei, die das Bindegewebe der Lungenbläschen (Alveolen) zerstören. Ein Lungenemphysem entsteht, sodass ganze Bereiche der Lunge funktionslos sind. So kann der Körper nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt werden. Betroffene leiden dann zusätzlich zum Husten vor allem unter Atemnot: zunächst nur bei körperlicher Belastung, im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe. Um sicher zu gehen, dass eine COPD dahintersteckt, sollten Betroffene einen Lungenfacharzt oder eine -fachärztin aufsuchen.

Lungenfunktionsprüfung gibt Aufschlüsse

Um die Diagnose COPD stellen zu können, wird der Arzt oder die Ärztin konkrete Fragen stellen. Ein wichtiger Hinweis sind die typischen Symptome: chronischer Husten, Auswurf und Atemnot. Geben die Patientinnen und Patienten im Gespräch dann noch an, dass sie jahrelange Raucher oder besonderen Belastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt sind oder waren, deutet bereits vieles darauf hin.
In der anschließenden körperlichen Untersuchung werden die Atemwege gründlich untersucht: Gibt es Geräusche beim Atmen? Ist die Zeit, die für das Ausatmen benötigt wird, verlängert? Ist die Atemnot vielleicht sogar so stark, dass sich die Schleimhäute oder die Haut der Betroffenen blau färben (Zyanose)?

Bestätigt sich bei der Befragung und der körperlichen Untersuchung der Verdacht einer COPD, folgt in der Regel eine Lungenfunktionsprüfung, die sogenannte Spirometrie. Mit ihr kann die Diagnose COPD am sichersten nachgewiesen und gleichzeitig können andere Lungenerkrankungen, etwa Asthma, ausgeschlossen werden.

Während der Spirometrie blasen Patientinnen und Patienten in das Mundstück eines Geräts, das das Volumen der Ein- und Ausatemluft misst. So werden verschiedene Werte gemessen:

  • FEV-Wert: Er gibt an, wie groß das Volumen der Luft ist, das der Betroffene ausatmet, nachdem er maximal eingeatmet hat.
  • FEV1-Wert: Er trifft eine Aussage darüber, wie viel Luft nach maximaler Einatmung innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann. Er ist der wichtigste Wert bei der COPD-Diagnostik.

Anhand der Spirometrie-Parameter in Kombination mit den Symptomen kann der Arzt oder die Ärztin den Schweregrad der COPD festlegen. Er bestimmt die notwendige Therapie.

Wie wird eine COPD behandelt?

COPD ist nicht heilbar. Doch eine frühzeitige Therapie kann verhindern, dass die Erkrankung fortschreitet. Zudem kann sie Symptome lindern und so die Lebensqualität erhöhen. Weiteres Ziel ist, akuten Verschlimmerungen, sogenannten Exazerbationen, vorzubeugen.

Welche Therapie sinnvoll ist, hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Gehören Betroffene lediglich zur Risikogruppe, dann stehen vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund: das Rauchen aufgeben, Schadstoffe meiden und Infektionen durch Impfungen vorbeugen.
Liegt bereits eine leichte COPD vor, dann können angemessener Sport und eine Atemphysiotherapie den körperlichen Zustand verbessern. Bei einigen Patientinnen und Patienten können Medikamente inhaliert werden, die die Atemwege erweitern (Bronchodilatatoren). Treten wiederholt Exazerbationen auf, kann die Inhalation von kortisonhaltigen Präparaten ein weiterer Baustein der Therapie sein.

 

Exazerbationen: akute Verschlimmerungen des Zustands

Immer wieder kann sich die Situation von COPD-Patientinnen und -Patienten akut verschlechtern. In der Medizin spricht man dann von Exazerbationen, die sehr kurzfristig auftreten, sich aber auch schleichend über einen längeren Zeitraum entwickeln können.

Anzeichen einer Exazerbation sind häufigerer, stärkerer Husten, mit dem immer mehr und immer zäherer Schleim abgehustet wird. Mitunter kann dieser gelb-grün sein, was auf eine Infektion mit Bakterien hinweist. Die Atemnot nimmt zu und Betroffene fühlen sich abgeschlagen, müde und haben mitunter Fieber.

Ursache für eine solche Verschlechterung können Erkältungen oder grippale Infekte sein, aber auch andere begleitende Erkrankungen, etwa des Herzens. Es können aber auch Medikamente dahinterstecken, die Auswirkungen auf die Atmung haben und diese hemmen.

Was tun im Notfall?

Halten die Symptome einer Exazerbation länger als 24 Stunden an, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Tritt die Verschlechterung jedoch sehr plötzlich und sehr heftig auf, können Betroffene mit großer Angst (Atemnot) reagieren. Auch wenn es schwerfällt, gilt es dann, Ruhe zu bewahren. Erste Abhilfe kann die Kutscherposition sein, eine Sitzposition, die die Atmung erleichtert. Dazu werden die Unterarme auf den Oberschenkeln abgelegt, die Hände hängen locker herunter. So wird der Brustkorb vom Gewicht der Schultern entlastet und die Muskeln, die normalerweise die Arme an den Körper führen, unterstützen die Atmung.

Zudem sollten Betroffene ihr Notfallmedikament einnehmen, falls ihnen ein solches von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt verschrieben wurde. 

Tritt nach 10 bis 15 Minuten keine Besserung ein, dann sollte unter 112 der Notarzt verständigt werden.

 

In weit fortgeschrittenem COPD-Stadium wird die Lunge nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, sodass es im Blut zu einem Sauerstoffmangel (Hypoxämie) kommt. Eine Langzeitbehandlung mit Sauerstoff ist dann nötig. Wichtige Voraussetzung: Die Therapie wirkt nur dann, wenn sie 16 bis 24 Stunden am Tag angewandt wird. Die Patientinnen und Patienten entscheiden daher selbst über Erfolg und Misserfolg der Behandlung.

 

 

Über die Autorin

Dr. Christina Lauer war bis Anfang 2020 Chefredakteurin im Bibliomed-Verlag.

Sepsis

Sepsis: Ursachen, Symptome und Prävention

Sepsis

Getty Images/Sopone Nawoot

21.07.2020 – Rund 15.000 bis 20.000 aufgrund einer Sepsis bedingte Todesfälle pro Jahr hierzulande gelten dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) zufolge als vermeidbar. Um über Ursachen, Symptome und Präventionsmöglichkeiten aufzuklären, hat das APS eine Patienteninformation veröffentlicht. Denn noch immer gebe es „das falsche Bild der Blutvergiftung mit dem roten Strich, der Richtung Herz wandert“, sagte Ruth Hecker, Vorsitzende im APS. „Das muss sich endlich ändern, damit weniger Patienten an Sepsis sterben oder schwere Langzeitfolgen erleiden“, so Hecker.

Warnhinweise

Eine Sepsis sei „immer ein Notfall und muss als solcher behandelt werden, wie ein akuter Herzinfarkt oder akuter Schlaganfall“, verdeutlicht Rainer Petzina vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und einer der Hauptautoren der Patienteninformation.

Zudem entstehen dem APS zufolge viele der Sepsis-Fälle nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause.  „Auch wenn Sepsis manchmal schwer von anderen Erkrankungen wie einem grippalen Infekt zu unterscheiden ist, gibt es doch bestimmte Warnhinweise“, unterstreicht Antje Erler von der Sepsis-Stiftung. Dazu zählten z. B. Fieber und Schüttelfrost, Kurzatmigkeit, Herzrasen, extremes Krankheitsgefühl und Verwirrtheit. „Wenn mindestens zwei dieser Symptome vorhanden sind, sollten Betroffene und Angehörige an eine Sepsis denken.“

 

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Risikogruppen und Prävention

Die Patienteninformation zeigt auch auf, wer zur Risikogruppe gehört, darunter bspw. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, chronisch Erkrankte, ältere Menschen über 60 Jahre und Kinder unter 1 Jahr. In der Information finden Interessierte zudem Angaben darüber, wie einer Sepsis am besten vorzubeugen ist – etwa mit allgemeinen Hygienemaßnahmen und Impfungen, die vor Infektionen schützten, wie die Pneumokokken-Impfung, die Grippe-Impfung sowie alle weiteren von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut empfohlenen Impfungen.

 

Sepsis

Eine Sepsis liegt dann vor, wenn die körpereigenen Abwehrmechanismen eine zunächst lokal begrenzte Infektion nicht mehr eindämmen können. Es kommt im Körper zu einer Kettenreaktion, die die körpereigenen Organe und Gewebe schädigt.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.