Gedächtnistraining

So unterstützen Sie die geistige Fitness von pflegebedürftigen Angehörigen

Gedächtnistraining

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8.10.2020 – Wer geistig fit ist, kann selbstständiger leben – egal wie alt oder hilfebedürftig jemand ist. Angehörige können Pflegebedürftige dabei unterstützen, sich zu erinnern, zu orientieren und zu konzentrieren.

Besonders wichtig, um das Gehirn fit zu halten, seien geistige und körperliche Betätigungen sowie soziale Kontakte, sagt die Pflegeexpertin des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), Daniela Suhlmann.

Kleinere Denkaufgaben lassen sich gut in den Alltag integrieren

Als geistiges Training gut geeignet für ältere pflegebedürftige Menschen seien etwa Knobel- und Denkaufgaben sowie Gesellschaftsspiele bei denen überlegt und eine Strategie entwickelt werden muss. Aber auch Alltagsaufgaben, wie Kopfrechnen beim Einkaufen, Postkarten schreiben oder gemeinsames Zeitungslesen förderten geistige Fähigkeiten.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Bewegung hält auch geistig fit

Als körperliche Aktivitäten kämen v. a. Koordinationsübungen infrage wie z. B. beim Tanzen oder Ballspielen. Organisierte Angebote des Seniorensports böten für unterschiedlichste Anforderungen Kurse an, beschreibt Sulmann, – von der Turngruppe über Sitzgymnastik bis hin zu Übungen mit dem Rollator.

„Auch wenn der Körper keinen Sport mehr zulässt, sollte trotzdem so viel Bewegung wie möglich gefördert werden. Für pflegebedürftige Menschen kann dies heißen, einen kurzen Spaziergang zu machen oder einige Treppenstufen zu gehen, genauso wie sich weitestgehend selbst zu waschen oder anzuziehen“, führt die ZQP-Expertin aus.

Regelmäßige, möglichst häufige soziale Kontakte spielten ebenfalls eine Rolle für den Schutz geistiger Fähigkeiten. Angehörige könnten dabei unterstützen, häusliche Besuche zu organisieren oder im Chor oder einem Verein aktiv zu sein. Auch die Sicherstellung, dass das Telefon der pflegebedürftigen Person von ihr so gut es geht selbstständig genutzt werden kann, gehöre zu solcher Unterstützung.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegehaushalt_Belastung

Report: Rund ein Viertel der Pflegehaushalte „sehr stark belastet“

Pflegehaushalt_Belastung

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09.09.2020 – Die Pflege eines Angehörigen zu Hause ist für rund jeden vierten Pflegehaushalt zeitlich und psychisch sehr stark belastend. Das geht aus einer Befragung für den „Pflege-Report 2020“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. „Die Leistungsangebote der Pflegeversicherung sind in den letzten Jahren deutlich ausgebaut und flexibler gestaltet worden. Trotzdem ist jede vierte Person, die einen Angehörigen zu Hause pflegt, durch die Pflege insgesamt hoch belastet“, sagte Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO und Mitherausgeberin des Pflege-Reports.

Psychische Belastung

Auf Grundlage der sogenannten „Häusliche-Pflege-Skala“ (HPS), die z. B. Aspekte wie körperliche Erschöpfung, Lebenszufriedenheit und psychische Belastung beinhaltet, zeige sich für knapp 26 Prozent der befragten Pflegepersonen eine „hohe Belastung“ und für 43 Prozent eine „mittlere Belastung“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung des WIdO. Lediglich bei etwa einem Drittel der Befragten sei sie niedrig.

Zeitliche Belastung

Zudem habe die Befragung ergeben, dass die zeitlichen Belastungen der Haushalte ungleich verteilt seien. Demnach brachte die Hälfte der pflegenden Angehörigen etwa 4 Stunden und weniger täglich für die Pflege auf, ein Viertel der Haushalte hingegen mindestens 7,6 Stunden. Angehörige, die eine Person mit den Pflegegraden 3 bis 5 oder mit einer demenziellen Erkrankung versorgten, seien besonders gefordert: Ein Viertel von ihnen leistete etwa 10 Stunden pflegerische Tätigkeit täglich. Jeder 10. Haushalt berichtete Pflegezeiten von 20 Stunden und mehr pro Tag.

Finanzielle Belastung

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Pflegehaushalte tragen durchschnittlich nur geringe finanzielle Eigenbeteiligungen. So wende nur jeder vierte Pflegebedürftige selbst Eigenleistungen für die Pflege und Betreuung zu Hause auf. Diese belaufen sich dem Report zufolge im Durchschnitt auf etwa 250 Euro monatlich. „Insgesamt zeigen sich deutlich geringere finanzielle Belastungen als in der vollstationären Pflege, wo die Eigenanteile – und zwar nur für Pflege und Betreuung – im vergleichbaren Zeitraum zur Befragung im 4. Quartal 2019 im Durchschnitt 775 Euro betrugen“, so Schwinger.

 

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Unterstützungsbedarf in anderen Bereichen

Als problematisch betrachteten die meisten befragten Personen aber eher andere Bereiche. Die Hälfte gab an, sich mehr Unterstützung auf den Gebieten „Körperpflege, Ernährung und Mobilität“, „Betreuung und Beschäftigung im Alltag“ sowie bei der „Führung des Haushalts“ zu wünschen.

Für die Studie befragte das Institut Forsa im Auftrag des WIdO von Dezember 2019 bis Januar 2020 etwa 1.100 pflegende Angehörige.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Erste Hilfe

Tipps für die Erste Hilfe in der Corona-Pandemie

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02.09.2020 – Im Notfall Erste Hilfe zu leisten, ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Allerdings sind viele besonders in Corona-Zeiten unsicher, wie sie sich richtig verhalten. Um zu vermeiden, dass sich Ersthelfende während der Pandemie selbst gefährden, seien die Empfehlungen zur Wiederbelebung angepasst worden. Darauf weist die Krankenkasse Barmer hin.

Atmung im Stehen kontrollieren und Notruf 112 wählen

Demnach gelte weiterhin der Merksatz „Prüfen. Rufen. Drücken“. Bei Verdacht eines Herz-Kreislaufstillstands sollte eine Person jedoch nur noch laut angesprochen werden, anstatt sich dicht über diese zu beugen. „Um die Atmung zu überprüfen, muss ein Helfer nicht länger sein Ohr an Mund und Nase des Patienten halten. Vielmehr soll er im Stehen prüfen, ob sich der Brustkorb des Patienten atemsynchron bewegt“, verdeutlicht Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen. Zudem sollte die 112 gewählt und professionelle Unterstützung gerufen werden.

Direkt Herzdruckmassage durchführen, auf Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten

Im Falle eines Herzstillstands sollte von der Mund-zu-Mund-Beatmung abgesehen und direkt mit einer Herzdruckmassage begonnen werden. Diese sollte bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchgeführt werden – empfohlene Druckfrequenz: zwischen 100 und 120 Mal pro Minute.

Mund-Nasen-Schutz zur Verringerung des Ansteckungsrisikos

„Das Tragen von Einweg-Handschuhen und eines Mund-Nasen-Schutzes sowie das Auflegen eines leichten Tuchs über Mund und Nase des Patienten können dabei das Ansteckungsrisiko reduzieren“, unterstreicht Magerl.

 

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Kontaktdaten hinterlassen

Darüber hinaus sollten Ersthelfende ihre Kontaktinformationen an die Einsatzkräfte übermitteln, für den Fall, dass bei der hilfebedürftigen Person nachträglich eine infektiöse Erkrankung festgestellt werde.

Wie sich Risikopatientinnen und -patienten verhalten sollten 

Risikopatientinnen und -patienten sollten abwägen, ob Hilfeleistungen an Fremden möglich seien. Falls nicht, müssten sie umgehend Hilfe rufen und den Notruf 112 absetzen, so die Barmer. Denn Erste Hilfe zu leisten, sei auch während der Corona-Krise verpflichtend.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Zahngesundheit

„Beunruhigende Trends“ in der zahnmedizinischen Behandlung von älteren Personen

Zahngesundheit

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25.08.2020 – Mit Sorge beobachtet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), dass laut Beratungserfahrung hochbetagten Patientinnen und Patienten teure Implantate an Stelle von Prothesen bei der Versorgung des zahnlosen Kiefers angeboten werden.

Im jüngst veröffentlichten „Monitor Patientenberatung“ wird dieser Trend von der UPD als Beispiel für Probleme im Gesundheitssystem beschrieben. Er sei als Indikator für eine Fehl- oder Überversorgung und als Gefahr für die Patientensicherheit anzusehen.

 

Zahngesundheit: Diese Ansprüche haben Pflegebedürftige

Menschen mit Pflegebedarf oder einer Beeinträchtigung stehen spezielle zusätzliche zahnärztliche Leistungen zu, die von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Wir haben für Sie zusammengefasst, welche zahnärztlichen Leistungen Pflegebedürftigen zustehen.

Empfehlungen gehen zu teuren Implantaten statt günstigeren Prothesen 

Immer wieder berichteten insbesondere ältere Menschen oder deren Angehörige davon, dass Zahnärztinnen oder Zahnärzte von einer konventionellen Zahnprothese von vornherein abrieten und stattdessen deutlich teurere Implantate empfehlen.

„Viele Ratsuchende können die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Versorgungsformen nicht einschätzen. Gleichzeitig fürchten sie die hohen Kosten von Implantaten. Würde die im Patientenrechtegesetz klar geregelte Aufklärungspflicht der Zahnärzte in der Praxis durchgängig beherzigt, könnten die Patienten besser beurteilen, ob ein Implantat mit Blick auf Lebensqualität und Aufwand des Eingriffs für sie die beste Wahl ist. Eine Überversorgung der Patienten könnte wahrscheinlich häufig vermieden werden“, sagt UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede.

In der individuellen Beratung könne die UPD Aufklärung leisten, auf die Möglichkeit der Zweitmeinung hinweisen und erläutern, wo und wie diese eingeholt werden könne.

Grundlegend verbessern könne sich die Situation allerdings nur, wenn die Hinweise der UPD auf derlei Probleme von den Akteuren des Gesundheitssystems aufgegriffen würden.

 

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Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Nahrungsergänzung

Vitamine und Mineralstoffe: Wann Nahrungsergänzung sinnvoll ist

Nahrungsergänzung

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Mikronährstoffe, also Vitamine und Mineralstoffe, sind kleine Wundermittel für unseren Körper: Sie stärken unsere Knochen, Muskeln und das Immunsystem, sind maßgeblich relevant für den Stoffwechsel und halten uns auch geistig fit. Sie müssen allerdings regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden. Im hohen Alter oder bei bestimmten Erkrankungen reicht das nicht. Dann kommen Nahrungsergänzungsmittel ins Spiel. Ab wann diese sinnvoll sind und was bei der Einnahme zu beachten ist, erläutert Dr. Werner A. Ulrich im Interview. Er ist Leiter des Gesundheitsschutzes am Standort Melsungen des Pharma- und Medizinbedarfs-Unternehmens B. Braun Melsungen AG.

 

Wer sich ausgewogen ernährt, braucht keine Nahrungsergänzung, so eine weitverbreitete Meinung – auch unter Ärztinnen und Ärzten. Warum vertreten Sie eine andere Ansicht, Herr Dr. Ulrich?

Dies ist tatsächlich ein häufiges „Totschlagargument“. Die Realität sieht jedoch anders aus, und das belegen auch Studien, zum Beispiel die zweite nationale Verzehrstudie aus 2008, die im Auftrag der Bundesregierung erstellt wurde. Die ernüchternden Ergebnisse darin: Über 66 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen waren übergewichtig oder gar adipös. Was den Vitaminhaushalt anbelangt, waren an die 20 bis 50 Prozent der Bevölkerung unzureichend mit den Vitaminen B1, B2, B12 und C versorgt. Mineralstoffe betreffend waren über ein Viertel beider Geschlechter schlecht mit Magnesium versorgt, mit Eisen 14 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen. Allerdings dürften die tatsächlichen Zahlen sogar noch höher liegen.

Warum?

Für die Erhebung wurden die niedrigen Nährstoffgrenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zugrunde gelegt, die für die gesunde Bevölkerung gelten. Bei kranken Menschen, gewissen Medikamenteneinnahmen, Stress, Verdauungs- und Stoffwechselstörungen muss aber von einem höheren Tagesbedarf an Mikronährstoffen ausgegangen werden. Damit dürften die realistischen Mangelquoten noch ausgeprägter sein. Die Studie zeigte auch: Ältere ab dem 65. Lebensjahr haben im Vergleich zur Gesamtbevölkerung die schlechteste Versorgung mit Mikronährstoffen. Ebenfalls interessant sind in diesem Zusammenhang Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation. Sie postuliert, dass weltweit ein Drittel der Krebserkrankungen und bis zu 80 Prozent der Todesfälle durch Herzkrankheiten, Schlaganfall und Diabetes Typ 2 lebensstilabhängig sind und somit vermeidbar wären.

Viel Obst und Gemüse – das ist doch Teil eines gesunden Lebensstils oder nicht?

Durchaus. Aber selbst wenn das Bemühen da ist, sich „gesund“ zu ernähren, gibt es ein Problem: In den vergangenen 100 Jahren hat nachweislich der Nährstoffgehalt an Magnesium, Kalzium und Eisen in Gemüse wie Kohl, Salat, Tomaten und Spinat deutlich abgenommen. In den USA und in Großbritannien sogar um 80 bis 90 Prozent – zu diesen Ergebnissen gelangte eine Publikation aus 2018. Die wenigen erwähnten Beispiele zeigen bereits, dass es in Deutschland mit einer „ausgewogenen“ Ernährung und einer damit einhergehenden ausreichenden Mikronährstoffversorgung nicht zum Besten steht.

 

Was sind Mikronährstoffe und warum brauchen wir sie?
  • Mikronährstoffe lassen sich in Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente unterteilen.
  • Vitamine sind entweder fett- oder wasserlöslich und regulieren die Verwertung von Makronährstoffen. Außerdem stärken sie das Immunsystem, helfen beim Aufbau von Zellen und Knochen und sind an Stoffwechselprozessen beteiligt.
  • Mineralstoffe sind Mikronährstoffe, die über die Nahrung zugeführt werden müssen. Sie regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt, können ebenso wie Vitamine das Immunsystem unterstützen und leisten einen Beitrag zum Erhalt von Knochen, Muskeln und Zähnen.
  • Mineralien, die für den Menschen nur in sehr geringen Mengen notwendig sind, heißen Spurenelemente. Trotz der niedrigen Dosis erfüllen auch sie wichtige Aufgaben wie die Blutbildung, den Sauerstofftransport, die Bekämpfung freier Radikale oder die Regulierung des Zuckerstoffwechsels.

 

Wie erkenne ich, ob ein Defizit an Mikronährstoffen besteht?

Oft sind allgemeine Befindlichkeitsstörungen erste Anzeichen, die an eine unzureichende Mikronährstoffversorgung denken lassen sollten. Dazu zählen Müdigkeit oder Schlappheit, aber auch Veränderungen von Haaren, Nägeln und Zahnfleisch. Ziehen in Knochen oder Muskulatur sowie Infektanfälligkeiten sind weitere Hinweise. In diesen Fällen ist eine gezielte Ergänzung von Mikronährstoffen sinnvoll – allerdings sollte parallel immer ärztlich abgeklärt werden, ob ernste Krankheiten zugrunde liegen. Erkrankungen wie Skorbut aufgrund von Vitamin-C-Mangel, Rachitis wegen Vitamin-D-Mangel oder die exotische Keshan-Krankheit, eine Erkrankung des Herzmuskels aufgrund extrem selenarmer Böden, sind Raritäten, kommen aber vor. In einem tropenmedizinischen Praktikum in Indien habe ich 2004 in einer Ambulanz in Kalkutta beispielsweise ein rachitisches Kleinkind mit sichelförmig verformten Unterschenkelknochen gesehen. So eine schwere Vitamin-D-Mangelerkrankung gibt es hierzulande glücklicherweise nicht mehr, aber sehr wohl ein bevölkerungsweites Defizit für dieses „Sonnenhormon“.

Ist es sinnvoll, über Bluttests in der Hausarztpraxis die individuellen Mikronährstoffwerte untersuchen zu lassen?

Etliche Mikronährstoffe können im Labor bestimmt werden, für andere gibt es keine Routinebestimmungen. Somit sind nicht alle Messungen wirklich sinnvoll, da sie nicht aussagekräftig beurteilt werden können. Der ideale Laborbereich für Vitamin D3 zum Beispiel ist gut definiert und sollte bei 40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter liegen. Für die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist ein sogenannter HS-Omega-3-Index-Labortest empfehlenswert, da die Aufnahme stark variiert und die individuelle Dosisangabe schwierig ist. Der Homocystein-Blutspiegel, streng nüchtern morgens abgenommen, kann ein mögliches Risiko für die Gefäßgesundheit aufdecken und indirekt einen Mangel an B-Vitaminen. Für Eisen gibt es Routinewerte, die den Versorgungsstand sicher darstellen. Andere Bestimmungen, besonders wenn der Mikronährstoffgehalt im Serum und nicht im Inneren der Zellen gemessen wird, sind nur vage zu beurteilen und dabei aber oft teuer zu bezahlen.

 

Achtung: Die Dosis macht das Gift!

Die Verbraucherzentrale warnt: Zu hoch dosiert bringen Mineralstoffprodukte die feinen Regelkreisläufe im Körper durcheinander. Außerdem seien Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich. Besondere Vorsicht mahnt die Verbraucherzentrale bei Produkten mit Eisen, Fluorid oder Selen an.

Für chronisch Kranke oder ältere Personen könne die Einnahme von Mineralstoffprodukten durchaus sinnvoll sein. Sie sollten aber die geeignete Zusammensetzung und die Dosierung der einzelnen Mineralstoffe mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen – auch um mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten auszuschließen.

 

Welche Mikronährstoffe fehlen typischerweise insbesondere älteren, pflegebedürftigen Personen?

Der Mikronährstoffmangel zieht sich durch alle Altersgruppen, ist bei Älteren aber am deutlichsten ausgeprägt. Übersehen werden darf im Alter nicht die Fehlernährung im Bereich der Makronährstoffe. Übergewicht mit zu hoher Kohlenhydratzufuhr führt zu einer Fettleber und Diabetes Typ 2. Mangelernährung mit Untergewicht ist ebenfalls keine Seltenheit im Alter. Eine kohlenhydratreduzierte, gemüse- und obstreiche mediterrane Kost mit gutem Eiweißanteil und gesunden Fetten ist für Jung und Alt empfehlenswert. Für die Stärkung des Immunsystems brauchen wir vor allem die Vitamine A und D, die sich an vielen Stellen ergänzen und zusammenwirken. Zur optimalen Aktivierung braucht Vitamin A das Spurenelement Zink und Vitamin D das Mineral Magnesium. Das wichtige Spurenelement Selen rundet den Fünfklang für das Immunsystem ab. Diese fünf Mikronährstoffe – Vitamin A, Vitamin D, Zink, Magnesium und Selen – sollten in der Regel supplementiert werden.

Wie sieht es mit Omega-3-Fettsäuren aus, die insbesondere in fettreichem Meeresfisch vorkommen?

Neben Vitamin D sind die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure unverzichtbar unter anderem für Hirnleistung, Gefäß- und Infektionsschutz sowie starke Entzündungshemmung, vor allem bei Hautprobleme wie Neurodermitis oder Schuppenflechte. Omega-3-Fettsäuren zeigen wie Vitamin D niedrige Spiegel in der Breite der Bevölkerung auf und sollten deshalb ebenfalls dauerhaft ergänzt werden – also lebenslänglich. Ein häufiger Mangel besteht im Alter auch an B-Vitaminen, vor allem Folsäure und B12. Sie werden über die Ernährung weniger zugeführt, im Magen-DarmTrakt schlechter resorbiert oder durch gängige Medikamente wie Metformin bei Diabetes, ACE-Blutdrucksenker oder Magensäureblocker reduziert. Wir brauchen B-Vitamine aber, etwa um unsere Nervenfunktionen zu stärken, die Zell- und Bluterneuerung sowie den Eiweißaufbau anzukurbeln und die Funktion unserer kleinen Zell-Energiekraftwerke, die Mitochondrien, zu unterstützen. Für den Energiestoffwechsel der Mitochondrien ist zusätzlich Coenzym Q10 bedeutsam, das im Alter deutlich reduziert ist – nicht zuletzt aufgrund häufig verordneter Blutfettsenker, den Statinen. Als wichtiges Antioxidans und bedeutsamer Zellregulator schützt das Coenzym die Herzmuskelzellen. Selbst für eine Regeneration von blutendem Zahnfleisch im Fall von Parodontose hilft Q10. Nicht unerwähnt lassen möchte ich das ebenfalls sehr wichtige Vitamin C und das Spurenelement Eisen. Bei einem Mangel müssen gegebenenfalls auch diese ergänzt werden, wenn sie nicht über den gezielten Versuch einer ausgewogenen Ernährung abgedeckt werden können.

Worauf muss ich bei der Einnahme von Mikronährstoffen achten und was kann ein Übermaß an Vitaminen verursachen?

Dokumentierte Vergiftungsfälle mit Mikronährstoffen sind selten und im Vergleich zu Nebenwirkungen oder Todesfällen durch Pharmaka eine absolute Rarität. Trotzdem sollten Mikronährstoffe verantwortungsvoll eingesetzt werden. Zu niedrige Dosierungen oder eine fehlende Kombination gemeinsam wirkender Mikronährstoffe lässt gewünschte Wirkungen ausbleiben. Zu hohe Dosierungen schaden in der Regel nicht akut, aber langfristig sind sie für die Regelkreisläufe und Gleichgewichte der Körperfunktionen von Nachteil. Bezüglich der korrekten Dosierung, passenden Kombination und über notwendige Einnahmeabstände bei der Anwendung von Mikronährstoffen ist am besten der Rat einer erfahrenen Therapeutin oder eines erfahrenen Therapeuten einzuholen. Die Beratung in Apotheken kann gut sein, aber auch nicht. Hier werden die Produkte oft zu niedrig dosiert angeboten, was der deutschen Gesetzgebung für Nahrungsergänzungsmittel geschuldet ist. Gute Patientenratgeber können auf alle Fälle hilfreich sein, und eine Auswahl seriöser Literatur habe ich zusammengestellt.

Was raten Sie Angehörigen, die Pflegebedürftigen in Sachen Mikronährstoffen „etwas Gutes“ tun wollen?

Pflegende Angehörige sollten ganz egoistisch erst einmal an sich selbst denken: Sie sollten für sich eine gesunde kohlenhydratreduzierte, mediterrane Ernährung umsetzen und die für sie empfehlenswerten Mikronährstoffe einnehmen. Für die herausfordernden Aufgaben in der Versorgung der Angehörigen werden ihnen das gesteigerte Wohlbefinden und die gewonnene gesundheitliche Stabilität gut tun.

 

Literaturempfehlung
  • Die wichtigsten Nahrungsergänzungsmittel: Das Plus für Ihre Gesundheit, Uwe Gröber: Südwest-Verlag, 2019. 144 Seiten. 15 Euro
  • Corona, Influenza & Co: Wie stärke ich mein Immunsystem? Patientenratgeber, Uwe Gröber, Prof. Dr. med. Klaus Kisters und Dr. med. Peter Holzhauer: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2020. 32. Seiten. 4 Euro
  • Flexi-Carb: Mediterran genießen. Lebensstil beachten – Kohlenhydrate anpassen. Schlank und gesund bleiben, Nicolai Worm: Riva Verlag, 2017. 224 Seiten. 19,99 Euro
  • Die neue Anti-Krebs-Ernährung – Wie Sie das Krebs-Gen stoppen, Coy, Johannes F.: GU Verlag, 2019. 144 Seiten. 14,99 Euro

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Hilfsmittel-Wartung

Tipps zur Pflege und Wartung von Hilfsmitteln

Hilfsmittel-Wartung

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Technische Hilfsmittel wie beispielsweise Rollatoren oder Rollstühle begleiten pflegebedürftige, kranke oder beeinträchtigte Menschen oftmals ein Leben lang. Tagtäglich in Gebrauch benötigen die technischen Helfer spezielle Aufmerksamkeit in Form von Pflege, Kontrollen und Instandhaltung.

 

Hierzulande erhalten Betroffene eine qualitativ gute Hilfsmittelversorgung. Medizintechnikhersteller und Sanitätshäuser achten darauf, den Empfängerinnen und Empfängern die für sie geeigneten Produkte bereitzustellen und sie entsprechend einzuweisen. So vielfältig wie die Hilfsmittel selbst sind aber auch die Maßnahmen, die erforderlich sind, damit das jeweilige Produkt stets einsatzbereit und voll funktionsfähig bleibt.

Herstellerunterlagen beachten

Erste Hinweise dazu geben die Unterlagen des Herstellers. Sie sind verpflichtet, Hinweise zu den notwendigen Maßnahmen in den Gebrauchsanweisungen aufzuführen. Lesen Sie diese sorgfältig und beachten Sie die jeweiligen Informationen zu Kontrollen, Reinigung etc. Doch bedenken Sie, diese Angaben gelten immer nur für einen durchschnittlichen Gebrauch. Nach einer besonderen Belastung – etwa einem Ausflug mit dem (Schiebe-)Rollstuhl, bei dem die eine oder andere Bordsteinkante überwunden werden musste – sollte man zusätzliche Kontrollen durchführen. Das geht meist sehr schnell und mit ein wenig Routine auch leicht von der Hand: Nehmen Sie das Hilfsmittel in Augenschein. Achten Sie auf Veränderungen und fragen Sie im Zweifelsfall im Sanitätshaus nach. Manche Produkte tragen auch Prüfplaketten, ähnlich wie bei Autos. Achten Sie darauf, dass sie stets aktuell sind. Halten Sie die Produkte auch gemäß den Herstellvorgaben sauber. Nur dann können Sie sicher sein, dass etwa Putzmittel nicht das Material angreifen oder Schäden sofort erkennbar sind.

 

Betreiberverordnung

Gemäß der verbindlichen Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) müssen Medizinprodukte – zu denen auch Hilfsmittel meist gehören – vor Anwendung auf Beschädigungen mittels Inaugenscheinnahme durch die Anwenderinnen und Anwender überprüft werden. Die Produkte dürfen nur von geschulten Personen genutzt werden. Bei Abgabe des Hilfsmittels erhalten die Empfängerinnen und Empfänger eine Einweisung z. B. durch das Sanitätshaus oder den Medizintechnikhersteller. Kranken- und Pflegekassen übernehmen die Kosten für regelmäßige technische Kontrollen gemäß Herstellervorgabe (vgl. § 33 SGB V und § 47 SGB IX). Die Benutzung defekter Medizinprodukte verbietet die MPBetreibV.

Funktionstest

Professionellen Anwenderinnen und Anwendern schreibt der Gesetzgeber regelmäßige Funktionskontrollen vor (siehe Infobox Betreiberverordnung). Doch was für sie verbindlich geregelt ist, sollte auch bei der Versorgung von Angehörigen gelten. So lässt sich z. B. feststellen, ob sich die Arretierung einer Unterarmgehstütze noch fest verriegeln lässt oder ob die Handgriffe am Rollator Risse aufweisen, die dazu führen könnten, dass bei Belastung die Handgriffe abreißen. Greifen die Bremsen am Rollator noch? Rasten die Sitzrohre am Faltrollstuhl noch richtig ein? Auch dazu finden Sie Hinweise in der Gebrauchsanweisung. Mit wenigen Handgriffen ist dies geprüft und Sie können mit gutem Gewissen das Produkt nutzen. Wenn Sie sich dabei noch an die Vorgaben des Herstellers zum sicheren Einsatz halten – meist als Zweckbestimmung oder bestimmungsgemäßer Gebrauch in den Anleitungen beschrieben – wird Ihnen das Hilfsmittel stets gute Dienste leisten.

Die folgende Übersicht gibt Ihnen für einige Produkte beispielhaft die wichtigsten Funktionskontrollen an, doch beachten Sie immer die Herstellerangaben. Denn jedes Produkt ist anders. Sollten Sie Mängel an Ihrem Hilfsmittel feststellen, wenden Sie sich am besten an das ausliefernde Sanitätshaus.

Rollstühle

Bei fahrbaren Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder E-Mobilen müssen sowohl Lenk- als auch Laufräder stets mit dem richtigen Luftdruck befüllt sein. Die Räder müssen fest am Rollstuhl montiert sein. Um dies zu überprüfen, ziehen Sie die Räder seitlich vom Rollstuhl weg. Die Räder dürfen dabei nicht wackeln. Prüfen Sie die Funktion der Bremsen, Schiebgriffe dürfen sich bei Zug nicht lösen. Die Bespannung der Sitz- und Rückenfläche darf nicht eingerissen oder beschädigt sein. Heben Sie zur Kontrolle das Sitzkissen an! Alle Bauteile wie Antikippstützen, Seitenteile, Kopf- und Beinstützen müssen fest mit dem Rahmen verbunden sein.
Bei elektrischen Rollstühlen sollte zudem darauf geachtet werden, dass keine Kabel beschädigt sind, die Beleuchtungsanlage funktioniert und die Batterie immer korrekt geladen wird. Achten Sie auch auf Korrosion (Rost), insbesondere bei Rollstühlen, die im Freien bei Wind und Wetter oder in Feuchträumen (Bad) genutzt werden.

 

Vor der Gerätenutzung

Um mögliche Risiken zu vermeiden, stellen Sie sich vor dem Gebrauch Ihres Hilfsmittels die folgenden Fragen:

Sichtprüfung

  • Schäden?
  • Fehlermeldungen?
  • Prüfetiketten vorhanden und aktuell?

Prüfung der Produktunterlagen

  • Aktuelle Gebrauchsanweisung vorhanden?
  • Funktionsstörungen bekannt?
  • Vorkommnisse bekannt?

Persönliche Voraussetzungen

  • Bin ich eingewiesen?
  • Darf ich das Medizinprodukt für diesen Zweck anwenden?
  • Bin ich in der Lage, das Medizinprodukt sachgerecht anzuwenden?

Quelle: Björn Möller, Norbert Kamps, Medizinprodukte in der Pflege – Recht und Praxis. Rechtssichere Umsetzung von Anwender- und Betreiberpflichten, 1. Auflage, 2016, Mensch und Medien, Landsberg a. Lech

 

Rollatoren

Ganz ähnlich erfolgt die Prüfung für Rollatoren. Auch hier sind alle Funktionen der Bremsen und Rollen zu testen. Besonders wichtig ist darüber hinaus, dass die Griffhöhen richtig auf die Nutzerin oder den Nutzer eingestellt sind. Der Rollator wird stets in aufrecht stehender Position und nicht vorgebeugt genutzt. Mit locker hängenden Armen müssen sich die Griffe auf Handgelenkshöhe befinden, sonst droht schon bei leichten Bodenunebenheiten ein Sturz. Sind Sitzfläche und der Einkaufskorb fest angebracht? Bremskabel sollten nicht über den Rahmen hinausstehen, zu leicht könnte man etwa an Türgriffen hängen bleiben.

Pflegebetten

Ein Pflegebett muss regelmäßig in allen Funktionen getestet werden. Dazu muss das Bett leer sein. Es darf sich keine Person darin befinden. Achten Sie auch auf Geräusche der Motoren: Ungewöhnlich lautes Brummen oder auch ein Klappern deuten auf Fehler hin. Das Bett darf dann nicht mehr genutzt werden. Sofern Sie Seitensicherungen verwenden, müssen diese voll funk-tionsfähig sein. Rütteln Sie kräftig an den angestellten Seitensicherungen. Lösen sie sich, besteht eine sehr hohe Einklemmungs- und Sturzgefahr.

Elektrische Hilfsmittel

Elektrische Hilfsmittel bedürfen besonderer Kontrolle. Sind Kabel locker oder gibt es gequetschte oder beschädigte Stellen? Wenn ja, ist das Produkt sofort von der Energieversorgung – auch bei Batterien – zu trennen. Das Hilfsmittel darf auf keinen Fall weiter- genutzt werden. Stromschläge oder Brandgefahr könnten die Folge sein. Achten Sie auch auf Ladegeräte. Wie sieht der Akku aus? Übermäßige Hitzeentwicklung beim Laden, sichtbare Schmorstellen oder Verfärbungen sind Warnhinweise. Versuchen Sie nicht, mit haushaltsüblichen Mitteln die Produkte selbst zu reparieren, überlassen Sie dies den Profis im Sanitätshaus.

 

 

 

Über den Autor

Norbert Kamps ist Diplom-Ingenieur, unabhängiger Fachexperte und Sachverständiger für Hilfsmittelversorgung.

Medikamentenanbruch

Haltbarkeit von Medikamenten nach Anbruch

Medikamentenanbruch

Getty Images/fhm

Frage an Ihren Apotheker: Ob ein von einer Ärztin oder einem Arzt verschriebenes oder ein in der Apotheke selbst gekauftes Medikament: Oftmals frage ich mich, wie lange Medikamente nach Anbruch noch haltbar sind. Worauf muss ich hier achten? Wo sehe ich, wie lange das Medikament noch verwendet werden darf?

 

Arzneimittel sind hochempfindliche Produkte. Falsche Lagerung und eine unsachgemäße Entnahme können ihre Qualität negativ beeinträchtigen. Verfallene Arzneimittel verlieren zudem ihre Wirksamkeit. Im Gegensatz zu Lebensmitteln – da spricht man von einer „Mindesthaltbarkeit“ – haben Arzneimittel ein genaues Verwendbarkeitsdatum. Abgelaufene Medikamente sollen aus Gesundheitsgründen grundsätzlich nicht mehr eingenommen werden.

Wie lange halten sich Medikamente?

Dazu kann man keine pauschalen Aussagen machen. Deshalb schauen Sie immer genau auf die Arzneimittelpackung. Hier ist die Haltbarkeit aufgedruckt. Aber die Verwendbarkeit von Medikamenten nach Anbruch hängt meistens von ihrer Darreichungsform ab. Tabletten, Kapseln und Pillen halten sich meist auch nach Anbruch der Packung bis zum aufgedruckten Datum, während Salben, Cremes und Gele oft nur drei bis sechs Monate und Säfte sogar nur wenige Tage nach Anbruch haltbar sind.

Was ist bei bereits geöffneten Arzneimittelpackungen zu beachten?

Bei Arzneimitteln, die nach dem ersten Öffnen für Bakterien anfällig sind (z. B. Augentropfen), ist auf der Packungsbeilage angegeben, wie lange sie nach der ersten Anwendung noch weiter eingenommen werden dürfen. Um dies nachhalten zu können, ist es ratsam, das Öffnungsdatum auf der Verpackung zu notieren. Die Einzeldosis sollte sorgfältig und unter hygienischen Bedingungen entnommen werden. Bei flüssigen Arzneimitteln ist zudem darauf zu achten, dass Restbestände nach Anbruch möglichst nicht durch Kontakt mit den Händen oder mit Gegenständen verschmutzt werden. Schließen Sie das Behältnis anschließend wieder gut zu. Eventuell sind auch spezielle Hinweise für die Lagerung nach erstem Gebrauch des Medikaments auf der Verpackung und im Beipackzettel aufgeführt.

Woran lassen sich nicht mehr verwendbare Arzneimittel erkennen?

Bei folgenden Anzeichen sollten Sie Arzneimittel grundsätzlich nicht mehr einnehmen oder anwenden:

  • Verflüssigung oder Verfärbung von Gelen, Cremes, Salben und Zäpfchen
  • Verfärbungen oder Risse bei Tabletten
  • Aufgeblähte Verpackungen
  • Geruchsentwicklung
  • Ausflockungen einer Flüssigkeit oder Trübungen

Wichtige Hinweise zur Haltbarkeit und Verwendbarkeit von Arzneimitteln stehen auch im Beipackzettel des Arzneimittels. Wenn Sie ein neues Arzneimittel erhalten, lassen Sie sich am besten direkt in der Apotheke zur Haltbarkeit und zu den verschiedenen Möglichkeiten, angebrochene Packungen aufzubewahren, beraten. Sehr wichtig ist auch, zumindest zweimal im Jahr alle Medikamente in der Hausapotheke auf ihre Haltbarkeit zu überprüfen.

 

Haben Sie Fragen an Apotheker Thomas Preis? Gerne können Sie Ihre Frage an die Redaktion senden, wir leiten sie weiter.
Mail: hidajete.gashi@bibliomed.de

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass nicht jede Frage veröffentlicht wird. Wir bemühen uns dann alternativ um eine individuelle Beantwortung.

 

 

Über den Autor

Apotheker Thomas Preis ist Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein e. V. und leitet eine Apotheke in Köln.

Coronavirus

Corona-Virus: Neueste Entwicklungen sind besorgniserregend

Coronavirus

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30.07.2020 – Das Robert Koch-Institut (RKI) hat vor einem flächendeckenden Corona-Ausbruch gewarnt: In den vergangenen 2 Wochen seien die Zahlen deutschlandweit besorgniserregend gestiegen.

„Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstag. „Die neuen Entwicklungen machen mir große Sorgen“, so Wieler weiter. Man wisse nicht, ob dies der Beginn einer zweiten Welle sei. Er könne es aber sein.

Wir hätten es geschafft, die Fallzahlen über mehrere Wochen stabil zu halten, bei 300 bis 500 Fälle täglich. Auch die Zahl der Todesfälle sei gesunken. Wieler spricht von einem großen Erfolg, der zeigt, „dass wir das Virus eindämmen können“. Aber das gelinge nur, wenn wir uns an die AHA-Regeln halten. AHA steht für: Abstand, Hygiene, Atemschutz.

AHA-Regeln

Abstand halten
Achten Sie auf einen Mindestabstand von mindestens 1.5 Meter zu anderen Personen.

Hygiene beachten
Befolgen Sie die Hygieneregelen in Bezug auf Niesen, Husten und Händewäschen.

Alltagsmaske trage
Tragen Sie eine Alltagsmaske bzw. Mund-Nasen-Bedeckung dort, wo es vorgeschrieben ist. Bleiben Sie informiert über die aktuellen Bestimmungen.

Beachten: Ein selbst hergestellter Mund-Nase-Schutz, etwa aus dem Stoff eines T-Shirts, benötigt mind. 2 Schichten, besser noch 3 Schichten, um die Ausbreitung von Virus-Tröpfchen aus Nase und Mund zu verhindern.

–> Weitere Informationen zum Infektionsschutz

 

Das bedeutet, mind. 1,5 Meter Abstand zu halten, die Hygieneregeln zu beachten und eine Mund-Nasen-Bedeckung in bestimmten Situationen zu tragen, insbesondere, wenn es nicht möglich ist, den Mindestabstand einzuhalten. Wieler weist darauf hin, dass der Mund-Nasen-Schutz richtig getragen werden soll, also auch über der Nase. Zusätzlich sollten Räume gut gelüftet werden.

Die Ansteckungen passierten demnach in vielen verschiedenen Umgebungen, bei Feiern, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftseinrichtungen, Pflegeheimen oder Kliniken. Zwar seien auch Reiserückkehrer dabei. Aber der größte Teil habe sich in Deutschland angesteckt.

„Die AHA-Regeln müssen über Monate der Standard sein“

Wieler warnt, dass wir uns nicht auf dem bisherigen Erfolg ausruhen dürfen: „Wir haben es in der Hand, wie sich die Pandemie in Deutschland weiter verbreiten wird.“

Wieler sagte, er sei optimistisch, dass eine zweite Welle verhindert werden könne, wenn sich alle an die AHA-Regeln hielten. „Die müssen über Monate der Standard sein“, betonte er.

–> Auch hier finden Sie noch einmal Hygienetipps und Wissenswertes zum Corona-Virus im Überblick.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

AOK_Familiencoach_Pflege

AOK startet „Familiencoach Pflege“ für pflegende Angehörige mit psychischen Belastungen

AOK_Familiencoach_Pflege

Getty Images/Dean Mitchell

25.06.2020 – Die AOK bietet ein neues Onlineprogramm zur Selbsthilfe für psychisch belastete pflegende Angehörige an. Der „Familiencoach Pflege“ sei ein kostenloses und für alle Interessierten anonym nutzbares Angebot, das die Psyche von pflegenden Angehörigen stärken und sie vor Überlastung schützen solle, teilte die Krankenkasse am Dienstag mit.

Mit Informationen, interaktiven Übungen, mehr als 40 Videos und 14 Audiodateien könnten Nutzer lernen, wie sie besser mit den seelischen Herausforderungen umgehen, sagte AOK-Bundesvorstandsvorsitzende, Martin Litsch. Ein Schwerpunkt liege dabei auf besonders schwierigen Pflegesituationen bei Menschen mit Demenz oder in der Begleitung von Sterbenden.

Das Angebot wurde von einem Expertenteam unter Beteiligung von pflegenden Angehörigen entwickelt.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Der „Familiencoach Pflege“ vermittelt u. a., wie wichtig es für pflegende Angehörige ist, sich nicht zu isolieren. „Auch in schwierigen Zeiten sollten sie persönliche Kontakte zu Freunden, Bekannten und Nachbarn aufrechterhalten“, sagte die Leiterin der Abteilung für klinisch-psychologische Intervention an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gabriele Wilz. Das Programm zeige Nutzern Methoden und Wege auf, gut für sich zu sorgen und vor allem Zeit für sich zu finden. Auch der Umgang mit Trauer, Wut, Ekel oder Angst seien Thema.

Pflegesituation ist starke Belastung für Angehörige

Die AOK verweist auf eine repräsentative Onlinebefragung, nach der 43 % der pflegenden Angehörigen mittelschwer belastet sind. Angehörige, die Menschen mit Demenz versorgen, zeigten eine hohe Belastung. Das beträfe knapp 37 % der Befragten. Besonders belastet seien Angehörige, die Menschen mit „herausforderndem Verhalten“ betreuten. Hiervon seien fast 41 % betroffen.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Corona-Ansteckungsgefahr

Corona: Die größte Gefahr lauert im eigenen Haushalt

Corona-Ansteckungsgefahr

Getty Images/Sam Diephuis

23.06.2020 – Das Risiko, das Coronavirus an andere weiterzugeben oder sich selbst damit anzustecken, ist je nach Situation unterschiedlich groß. Wissenschaftler einer Studie aus China haben z. B. 2.147 enge Kontakte von 157 Corona-Infizierten untersucht, wie u a. der Spiegel berichtet hat. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, in welchen Situationen es zu einer Ansteckung bzw. Übertragung des Virus gekommen ist.

Laut der Studien bergen v. a. andauernde, enge Kontakte mit Infizierten und das Zusammentreffen in geschlossenen Räumen – also auch den eigenen 4 Wänden – ein hohes Ansteckungsrisiko.

Und: Ist ein Familienmitglied infiziert, ist das Risiko, die anderen Familienmitglieder anzustecken, besonders hoch.

Den Ehepartner erwischt es am häufigsten 

Am größten ist das Ansteckungsrisiko für Menschen, die mit einem Infizierten befreundet sind oder gar im selben Haushalt leben. Je enger der körperliche Kontakt, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Virusübertragung. Innerhalb einer Familie soll es am häufigsten den Ehepartner erwischen – und zwar deutlich häufiger als alle anderen Familienmitglieder.

 

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Ältere Menschen infizieren sich schneller

Auch eine andere Studie aus China, über die das Ärzteblatt berichtete, ergab, dass das Ansteckungsrisiko mit SARS-CoV-2 innerhalb eines Hauses und im Haushalt besonders hoch ist. Die meisten Infektionen treten demnach besonders während der Inkubationszeit auf, wobei sich ältere Menschen öfter anstecken.

Am meisten gefährdet waren ältere Personen. Für Haushaltsmitglieder im Alter ab 60 Jahren ermittelte das Wissenschaftsteam eine Infektionsrate von 28 %, bei jüngeren Mitgliedern betrug sie 18,4 % und bei Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahre nur 6,4 %.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.