Corona_Pflege_Angehoerige

Pflegende Angehörige in der Corona-Krise: Frischer Wind

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Hanna Lucassen

Die Corona-Krise hat den Alltag von Barbara Hedtmann (64) und Kurt Steffenhagen (86) verändert. Doch gemeinsam und mit viel Umsicht meistert das Ehepaar die außergewöhnliche Situation.

 

Der Lavendel blüht lila. Barbara Hedtmann und Kurt Steffenhagen sitzen auf ihrer kleinen Terrasse am Frankfurter Stadtrand, trinken Rotwein. Tara, die schwarze Labradorhündin, streckt sich genüsslich im Gras. Das Ehepaar liebt diese gemeinsame Stunde am frühen Abend. Ein Ritual, auf das es auch in der Corona-Krise nicht verzichtet. Vielleicht ist dies auch jetzt so wichtig wie nie: Es gibt ihnen Halt und hier finden sie in langen Gesprächen ihren individuellen Weg durch die Krise.

Gemeinsam stark

Barbara Hedtmann (64) ist Religionspädagogin. Eine temperamentvolle, durchsetzungsstarke Frau, die noch voll im Beruf steckt und für viele Themen brennt. Sie koordiniert die Seniorenarbeit und Erwachsenenbildung im evangelischen Regionalverband und hat einen Hochschullehrauftrag. Kurt Steffenhagen (86), ein großer schlanker Mann mit markanten Gesichtszügen und einem hellwachen Verstand, hat nur noch zwei Prozent Sehkraft. Seit einem Papilleninfarkt vor 13 Jahren kann der Diplom-Ingenieur nur noch grobe Umrisse erkennen. Ohne seine Frau, sagt er, wäre er aufgeschmissen. Sie legt ihm die passenden Hosen und Pullis hin, kauft ein, wäscht und kocht jeden Abend aufwendig. Sie achtet darauf, dass Zahnbürste und Telefon immer am selben Platz stehen und nichts auf dem Boden liegt, über das er stolpern könnte. Kurt Steffenhagen hat Pflegegrad 2. Der Antrag auf 3 läuft. In der Corona-Krise gehört er zur Risikogruppe der Hochaltrigen.

Ihr Weg durch die Krise

Die Pandemie wird für beide schlagartig ein Thema, als sie im März die Fernsehbilder aus Italien sehen: Schwerkranke, die isoliert im Krankenhaus liegen. Voll maskierte Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte. Sterbende, die sich von ihren Angehörigen nicht verabschieden können.

„Wollen wir das?“, fragt Barbara Hedtmann ihren Mann. Nein. Sie sind sich einig: Wenn einer von ihnen erkrankt, braucht er den anderen bei sich. Dann wollen sie nicht getrennt sein. Unter dem Eindruck der TV-Berichte verfasst Kurt Steffenhagen eine Corona-Patientenverfügung: „Für den Fall, dass ich mit dem Coronavirus infiziert werde, will ich nicht stationär in einer Klinik behandelt werden. Das gilt auch, wenn die Erkrankung COVID-19 einen schweren zum Tode führenden Verlauf nimmt.“ Kurt Steffenhagen zeigt die beiden handgeschriebenen Seiten, die in einem durchsichtigen Schutzumschlag liegen. „Ich habe keine Angst“, sagt er. „Wenn ich die Krankheit bekomme und daran sterben sollte, dann ist es so.“

Seine Frau sitzt daneben und nickt. Die beiden sind sehr offen miteinander, die Themen Tod und Sterben haben sie nie ausgeklammert. Von Anbeginn: Als sie sich vor 22 Jahren kennenlernen, sind sie beide geschieden und eigentlich frei füreinander. Aber Barbara Hedtmann braucht Zeit, um sich darauf einzulassen, der Altersunterschied macht ihr Sorgen. „Ich wusste ja, dass er wahrscheinlich lange vor mir gebrechlich werden würde.“ Sie nehmen sich Zeit, sich kennenzulernen und auch über diese Bedenken zu sprechen. Offen und ehrlich, ohne Tabus – das ist bis heute ihr Rezept.

Trotzdem – die beiden sind in der Pandemie nicht fahrlässig. Beim Einkaufen tragen sie eine Schutzmaske, sie halten Abstand und waschen sich regelmäßig die Hände. Die Verbindung zu ihren Kindern und sechs Enkelkindern halten sie aufrecht. Das ist ihnen wichtig. „Wir wägen das Risiko immer ab, aber wir wollen und brauchen eben auch den frischen Wind in unserem Leben.“

Verunsicherung

Zu dieser Klarheit müssen sie erst mal finden. Am Anfang sind auch sie verunsichert. Barbara Hedtmann ist in der schwierigen Situation vieler pflegender Angehöriger. Sie selbst gehört nicht zur Risikogruppe, muss aber aufpassen, dass sie das Virus nicht mit nach Hause schleppt und ihren Mann ansteckt. Um das Risiko zu minimieren, geht sie ins Homeoffice, obwohl sie nicht gerne zu Hause arbeitet. Inzwischen ist sie an drei Vormittagen wieder im Büro. Kolleginnen und Kollegen trifft sie dort kaum. Sie fährt mit dem Auto hin, parkt in der Tiefgarage, sitzt alleine im Büro. Auch privat ist sie jetzt selten weg.

Veränderter Alltag

Ihr Alltag hat sich verändert. Normalerweise haben beide ihr eigenes Leben: Vor Corona kommen zu Kurt Steffenhagen an zwei Vormittagen Assistenten und helfen ihm am Computer und beim Schriftverkehr. Er geht mit der Blindenhündin im Ort spazieren, trifft sich mit Senioren aus der Kirchengemeinde, um über Glaubensdinge zu diskutieren, besucht Kulturveranstaltungen. Wenn Barbara Hedtmann gegen 17 Uhr von der Arbeit kommt und sie sich zum Reden auf die Terrasse setzen, sind beide voll von Erlebnissen und Eindrücken. Frischer Wind eben.

Und nun sind sie die meiste Zeit gemeinsam zu Hause. Immerhin kommen mittlerweile die Reinigungskraft und die Assistenten wieder. Für Barbara Hedtmann ist es nicht leicht, sich zu Hause auf ihre Arbeit zu konzentrieren: den Abwasch zu ignorieren, ihren Mann auf später zu vertrösten, auch mal die Tür zu ihrem Arbeitszimmer zu schließen. Sie fühlt sich oft hin- und hergerissen und hat auch mit einem schlechten Gewissen zu kämpfen. „Wenn ich sonst zu Hause war, war ich es voll und ganz. Jetzt bin ich mit dem Kopf im Büro. Ist für uns beide nicht so einfach.“ Kurt Steffenhagen bestätigt, halb witzelnd: „Ja, wir brauchten ein bisschen Zeit, uns aneinander zu gewöhnen.“

Es komme ihr manchmal vor wie eine Probezeit, meint seine Frau später. In ein, zwei Jahren wird sie in Rente gehen und viel zu Hause sein. „Da schnupper ich jetzt mal rein – und übe, wie das geht.“ So kann sie in der Krise durchaus eine Chance sehen.

Lernen aus der Krise

Beide wissen, die Pandemie trifft andere härter: pflegende Angehörige etwa, die verzweifelt sind, weil die 24-Stunden-Pflegekraft oder der ambulante Pflegedienst nicht mehr kommen. Aber Corona hat auch im Hause Hedtmann-Steffenhagen etwas verändert. Die Krise kratzt an den Strukturen, die für die Eheleute wichtig sind, um ihre Liebe, ihren Respekt füreinander zu erhalten.

Barbara Hedtmann kämpft für diese Strukturen. Sie pflegt lange Jahre ihre Eltern – bis sie am Rand ihrer Kräfte ist und das Verhältnis zu den Eltern extrem gespannt.

Mit ihrem Mann, das weiß sie, will sie es nie so weit kommen lassen. Die beiden sorgen vor und beschließen rechtzeitig: Sie würde weiter Vollzeit arbeiten, weil es ihr gut tut. Sie würde ihn nicht körperlich pflegen. Sollte das notwendig werden, würde sie einen Pflegedienst engagieren. Gegebenenfalls würde Kurt Steffenhagen auch in das nahe gelegene Altersheim ziehen. „Mein Mann soll mein Mann bleiben – und nicht mein Patient werden“, sagt Barbara Hedtmann.

Aber natürlich sind es manchmal nur Nuancen, die den Unterschied machen. Grenzen zu ziehen, um selbst gesund zu bleiben, fällt in Zeiten von Corona noch schwerer als sonst. Zu Hause ist sie schneller erreichbar als im Büro. Und Liebe und Fürsorge gehören eben doch oft zusammen.

Gespräche liefern frischen Wind

Wie gut, dass es die Terrassengespräche gibt. „Ihre Stunde“ ist übrigens oft auch ein Fenster nach draußen. Nachbarn oder Passanten laufen vorbei, grüßen rüber. Manchmal bleiben sie auch für einen kleinen Schwatz stehen, in sicherer Entfernung. „Was gibt’s Neues?“ „Wie kommt ihr über die Runden?“ Barbara Hedtmann genießt das ganz bewusst. Der frische Wind, der ihr so wichtig ist, er weht jetzt vielleicht nicht so stark wie sonst in ihr Haus. Aber wenn ein Lüftchen kommt, eine Brise – dann macht sie die Tür weit auf. Und atmet ganz tief ein.

 

 

 

Über die Autorin

Hanna Lucassen ist freie Journalistin und ehemalige Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Haeusliche Pflege

Studie: Lage in der häuslichen Pflege während Pandemie weiter zugespitzt

Haeusliche Pflege

Getty Images/yulkapopkova

23.07.2020 – Die Pflegesituation zu Hause versorgter älterer Menschen hat sich während der Corona-Krise verschlechtert. Davon betroffen seien sowohl die Pflegebedürftigen als auch deren pflegende Angehörige. Das geht aus einer neuen Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hervor.

Einsamkeit und depressive Verstimmungen

Demnach berichtete fast die Hälfte der befragten Personen, dass sich die Pandemie negativ auf den Gesundheitszustand der Pflegebedürftigen ausgewirkt habe. Darüber hinaus stellten fast 75 % fest, dass Einsamkeit und/ oder depressive Verstimmungen bei der pflegebedürftigen Person zugenommen hätten. 85 % der Befragten gaben an, dass Pflegebedürftige weniger Besuche von Verwandten oder Bekannten erhalten hätten. Zudem hätten pflegende Angehörige beinahe zur Hälfte den Kontakt zu ihrer pflegebedürftigen Person eingeschränkt.

 

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Überlastung und Verschlechterung der Beziehung

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: Mehr als die Hälfte der befragten Angehörigen sagte, dass die Pflege derzeit belastender sei als vor dem Corona-Ausbruch. Eine Überforderung mit der aktuellen Situation gaben 38 % an. Außerdem habe sich die Beziehung zwischen der pflegebedürftigen Person und pflegenden Angehörigen verschlechtert. Dies berichteten drei Viertel. Bei einem Drittel seien häufiger Konflikte aufgetreten.

Auswirkungen auf Gewalt in der häuslichen Pflege

Dies alles könnte den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge auch Auswirkungen auf Gewalt in der häuslichen Pflege haben. „Die Zunahme von Belastungen unter Covid-19 ist entsprechend beunruhigend. Im Gegensatz zur Thematisierung der möglichen Auswirkungen der Covid-19-Krise auf Gewalt gegenüber Kindern und Frauen, bleibt dieses Thema bezüglich der Altenpopulation allerdings bisher unberücksichtigt“, verdeutlicht Studienleiter Vincent Horn.

Für die Erhebung wurden 330 pflegende Angehörige online befragt und ergänzend qualitative Interviews durchgeführt.

 

Dass die Corona-Pandemie die häusliche Pflege zusätzlich belastet, zu diesem Ergebnis kam jüngst auch eine Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Trinken

Hitzetage: Tipps für den Angehörigenbesuch

Trinken

Getty Images/Maskot

16.07.2020 – Hitze ist v. a. für chronisch kranke, ältere und pflegebedürftige Menschen belastend. Um gesund durch die heißen Tage in den Sommermonaten zu kommen, hat das Klinikum der Universität München einen „Hitzemaßnahmenplan für stationäre Einrichtungen der Altenpflege“ veröffentlicht. In dem Handbuch finden auch Angehörige Empfehlungen, wie sie pflegebedürftige Personen dabei unterstützen können, die Hitze gut zu bewältigen: 

Für das Trinken sensibilisieren

Bei Besuchen sollten Angehörige ihre Pflegebedürftigen dazu motivieren, ausreichend zu trinken und zu essen, indem sie dies z. B. gemeinsam tun, wasserreiches Obst und Gemüse sowie zusätzliche Getränke mitbringen. Außerdem sollten sie bei jedem Kontakt – etwa per Telefon oder SMS – daran erinnern, das Trinken nicht zu vergessen. Auch das Anlegen kühlender Arm- und Beinwickel und leichte Sommerkleidung könnten dabei helfen, die heißen Temperaturen gut zu vertragen.

An Sonnenschutz denken

Um sich vor der Sonne zu schützen, sollten eine Kopfbedeckung sowie Sonnencreme bereitgestellt und die Besuchszeit in kühlen Räumen oder schattigen Außenbereichen verbracht werden.

Mehr Besuche vorsehen

Wenn möglich sollten Angehörige auch häufigere Besuche einplanen.

 

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Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegeberatung

Studie zeigt: Pflegebedürftige sind mit Pflegeberatung zufrieden

Pflegeberatung

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9.07.2020Pflegebedürftige sind mit der Pflegeberatung ihrer Pflegekassen zufrieden. Das geht aus einer im Auftrag des GKV-Spitzenverbands erstellten wissenschaftlichen Studie des IGES Instituts hervor. So gaben fast 90 % der befragten Pflegebedürftigen an, dass Kontaktaufnahme und Terminvereinbarung einfach gewesen seien. Mehr als 95 % berichteten, dass sie der Beratung gut folgen konnten und auf ihre Bedürfnisse ausreichend eingegangen worden sei. Fast 96 % beurteilten die Pflegeberatung ihrer Pflegekasse als unabhängig und neutral.

 

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Zeitnah und vor Ort

Persönliche Erstberatungen erfolgten der Untersuchung zufolge innerhalb weniger Tage, 86,2 % dieser Beratungen fanden in der häuslichen Umgebung statt. 4,8 % aller Pflegeberatungen seien am Telefon durchgeführt worden. 3,4 % der Befragten hätten sich in einem Pflegestützpunkt und 2,2 % in der Geschäftsstelle ihrer Pflegekasse beraten lassen.

Inhalte der Beratungen

Als Gründe für die Inanspruchnahme der Pflegeberatung gaben diejenigen, die gerade einen Erstantrag auf Leistungen nach dem SGB XI gestellt hatten, allgemeinen Informationsbedarf zu Leistungen der Pflegekasse (74,4 %) oder zur Pflegesituation (64,8 %) an. 39,6 % fragten nach Unterstützung in einer verschlechterten Pflegesituation, 38,2 % nach Hilfe beim Ausfüllen von Formularen der Pflegekasse und 35,8 % nach Unterstützung bei der Suche nach einem Pflegedienst/Pflegeheim.

Erstantragstellende, die zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Pflegeberatung wahrgenommen hatten, nannten als Gründe: keinen Bedarf (41,4 %), kannten das Angebot nicht (26,4 %) und hätten bereits eine andere Pflegeberatung (Pflegeeinrichtung, Sozialdienst der Krankenhäuser, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung , Pflegestützpunkt) erhalten (23,1 %).

Studienteilnehmende

Für die Studie wurden 2.486 Versicherte mit Erstantrag auf Pflegebegutachtung, 2.676 Pflegegeld-Leistungsempfänger sowie 299 Pflegebedürftige, die gerade eine Pflegeberatung erhalten hatten, befragt – ebenso Pflegeberatende, Pflegeberatungsstellen, Pflegekassen und andere in der Pflegeberatung Tätige.

Alle gesetzlich Versicherten, die Leistungen der Pflegeversicherung beziehen oder einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt haben, können Pflegeberatung über ihre Pflegekassen nutzen.

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

ZQP

Studie zeigt: Coronakrise belastet pflegende Angehörige zusätzlich

ZQP

Getty Images/freemixer

2.07.2020 – Das Coronavirus belastet die häusliche Pflege zusätzlich. Laut einer am Dienstag vorgestellten Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin berichtet etwa ein Drittel der rund 4,7 Mio. pflegenden Angehörigen in Deutschland, dass sich ihre Pflegesituation wegen der Pandemie erheblich verschlechtert hat.

Dass sie diese Situation mehr oder weniger überfordert, sagt ein Viertel der Befragten. 24 % sind besorgt, die häusliche Pflege nicht mehr zu schaffen. Dabei haben Gefühle der Hilflosigkeit in der Pflegesituation bei 29 % der Angehörigen zugenommen. Eine Steigerung belastender Konflikte mit der pflegebedürftigen Person geben 24 % an.  Ein Fünftel berichtet, Wut und Ärger in der Pflegesituation seien gewachsen.

Menschen mit Demenz verstehen Pandemie-regeln oft nicht

„Unsere Studie weist darauf hin, dass sich nicht wenige pflegende Angehörige mit zusätzlichen Sorgen im Gepäck durch die Corona-Zeit kämpfen müssen. Denn sie tragen oft große Verantwortung für die Gesundheit sowie die emotionale und soziale Situation ihrer pflegebedürftigen Nächsten. In der Gemengelage von Infektionsrisiken, Kontaktbeschränkungen und damit verbundenen Unterstützungsverlusten sowie ökonomischer Unsicherheit liegt zusätzliches Überlastungspotenzial“, sagte ZQP-Vorstandsvorsitzender Ralf Suhr.

Angehörige von Menschen mit Demenz spüren Auswirkungen der Krise im Pflegekontext noch häufiger. Von ihnen nehmen 41 % die Pflegesituation als zugespitzt wahr.

 

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Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von „Angehörige pflegen“ werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

 

Für Menschen mit Demenz sei es wichtig, dass ihre gewohnten Routinen erhalten blieben, erläuterte die Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité, Adelheid Kuhlmey. Auch hätten Demenzkranke teils großen Bewegungsdrang und verstünden die Pandemie-Regeln oft nicht.

Weniger Unterstützung in der häuslichen Pflege

Als Stressfaktor für pflegende Angehörige wirkt sich der Studie zufolge besonders aus, dass es pandemiebedingt weniger Unterstützung in der häuslichen Pflege gibt. 40 % der Angehörigen nennen als Grund für Mehrbelastungen, dass Dienstleistungen und Hilfestrukturen im Wohnumfeld weggefallen sind. Davon, dass Tagespflegeeinrichtungen nicht mehr genutzt werden konnten, berichten etwa 81 % der Befragten.

Für ihre Studie befragten ZQP und Charité bundesweit 1.000 Personen.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Zweites-Pandemie-Gesetz_verlängerte-Fristen

Zweites Pandemie-Gesetz: Welche zusätzlichen Ansprüche pflegende Angehörige jetzt noch haben

Zweites-Pandemie-Gesetz_verlängerte-Fristen

Getty Images/Westend61

30.06.2020 – Um die Auswirkungen der Corona-Krise zu mildern, hat der Bundestag Ende Mai sein „Zweites Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ auf den Weg gebracht und darin auch Hilfen für pflegende Angehörige beschlossen, die bis 30. September 2020 gültig sind.

Die wichtigsten Maßnahmen mit verlängerten Fristen im Überblick

Demnach gelten Anpassungen in 5 Punkten:

  1. kurzzeitige Arbeitsverhinderung
  2. Familienpflegezeit
  3. Kurzzeitpflege
  4. Entlastungsleistungen
  5. Pflegehilfsmittel

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung

Das Recht, der Arbeit wegen einer akuten Pflegesituation in der eigenen Familie fernzubleiben, umfasst 20 statt wie bisher 10 Tage. Bis zum genannten Stichtag wird das Pflegeunterstützungsgeld auch dann gezahlt, wenn eine Versorgungslücke bei der Pflege zu Hause entsteht, z.B. weil eine Pflegefachperson ausfällt oder ein ambulanter Pflegedienst schließt. Das Geld wird ebenfalls bis zu 20 Tage lang bezahlt statt wie bisher für bis zu 10 Tage.

Das Pflegeunterstützungsgeld beträgt 90 % des ausgefallenen Netto-Entgelts. Es muss bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen Angehörigen unverzüglich beantragt werden.

 

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Familienpflegezeit

Pflegende Angehörige können Familienpflegezeit flexibler in Anspruch nehmen. So kann z. B. unter bestimmten Voraussetzungen die Mindestarbeitszeit von 15 Stunden in der Woche der Familienpflegezeit für einen Monat unterschritten werden. Außerdem können Beschäftigte normalerweise für denselben pflegebedürftigen Angehörigen nur einmal eine Pflegeauszeit bzw. Familienzeit beanspruchen. Mit der gesetzlichen Änderung ist es jetzt vorübergehend möglich – wenn die Gesamtdauer von 24 Monaten noch nicht erreicht wurde und die Auszeit mit Ablauf des 30. September 2020 endet –, beruflich erneut für die Pflege eines nahen Angehörigen kürzer zu treten.

Um den geringeren Lohn auszugleichen, können pflegende Angehörige ein Darlehen beantragen, pandemiebedingte Einkommensausfälle werden bei der Ermittlung der Darlehenshöhe auf Antrag nicht berücksichtigt.

Kurzzeitpflege

Aktuell können neben der stationären Kurzzeitpflege auch Einrichtungen der Rehabilitation und in Krankenhäusern in Anspruch genommen werden. Die Pflegekasse übernimmt einen höheren Beitrag – und zwar von bis zu 2.418 Euro statt bis zu 1.612 Euro. 

Entlastungsleistungen

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro bis Ende September dieses Jahres flexibler nutzen, z. B. auch für haushaltsnahe Dienstleistungen oder nachbarschaftliche Hilfe.

Normalerweise können Entlastungsleistungen eines Jahres bis Ende Juni des Folgejahres in Anspruch genommen werden. Für alle Pflegebedürftigen gilt somit nun ein um 3 Monate verlängerter Zeitraum für Leistungen aus 2019, die noch nicht ausgegeben wurden. Diese Erweiterung gilt für Pflegebedürftige aller Pflegegrade.

Pflegehilfsmittel

Der Gesetzgeber hat auch den Erstattungsbetrag für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel angehoben. Dazu zählen z. B. Einmalhandschuhe, Hände- und Flächendesinfektionsmittel, Mundschutz oder Schutzschürzen. Dafür gibt es normalerweise 40 Euro monatlich. Die Kostenerstattung dieser Hilfsmittel ist für die kommenden 3 Monate auf 60 Euro erhöht worden.

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

pflegende Angehoerige

Corona-Krise: Fachstellen unterstützen pflegende Angehörige

pflegende Angehoerige

Getty Images/Shestock

10.06.2020 – Die Corona-Pandemie ist für pflegende Angehörige besonders herausfordernd. In Bayern erhalten Betroffene Hilfe bei entsprechenden Fachstellen in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Darauf wies die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml am vergangenen Wochenende hin.

Liste mit Fachstellen und Ansprechpartnern online aufrufbar

Die rund 110 Fachstellen, die dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege zufolge vom Land mit 1,6 Millionen Euro im Jahr gefördert werden, sollen häuslich Pflegende mithilfe von Beratung und begleitender Unterstützung psychosozial entlasten. So gebe es z. B. eine telefonische Beratung und eine Beratung per E-Mail, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Zudem kontaktierten einzelne Fachstellen pflegende Angehörige auch proaktiv telefonisch, um sie aufzufangen. Eine Übersicht der Fachstellen, an die sich Betroffene wenden können, und Unterstützungsangebote stellt das Ministerium online zur Verfügung.

 

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Zweites Bevölkerungsschutzgesetz: Erleichterungen für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige

Weitere Entlastungen für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige – zunächst befristet bis Ende September – sieht das „Zweite Gesetz zum Schutz der Bevölkerung in einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ vor. „So können etwa Angehörige, wenn pandemiebedingt eine Versorgungslücke bei der Pflege zu Hause entsteht und sie daher der Arbeit fernbleiben müssen, bis zu 20 Tage lang das Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung bezahlt bekommen“, verdeutlichte Huml. „Sofern der Entlastungsbetrag aus dem Jahr 2019 für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5 noch nicht für Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch genommen wurde, ist er über den 30.06.2020 hinaus bis zum 30.09.2020 übertragbar“, heißt es in der Mitteilung weiter. 

 

Über die Autorin

Johanna Kristen ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Musik

Musik – eine Brücke für gemeinsames Erleben

Musik

GettyImages/Luis Alvarez

Für unser Wohlbefinden treiben wir Sport und ernähren uns ausgewogen. Körper und Geist können aber auch von der Kraft der Musik profitieren. So wird sie etwa in der Therapie von Autismus, Demenz, Depressionen oder in der Rehabilitation nach Schlaganfällen eingesetzt und erreicht dabei Kinder wie Erwachsene. Weiterlesen

Bauernhof

Bauernhof statt Altenheim

Bauernhof

B. Waldmann

Auf einem Bauernhof im Westerwald leben 22 Seniorinnen und Senioren mit Hühnern, Alpakas, Kühen und Gänsen. Das Modell der Wohngemeinschaft mit 24-Stunden-Pflegedienst-Betreuung ist so beliebt, dass es eine Warteliste gibt. Weiterlesen

Stiftung fordert: Pflegende Angehörige brauchen eine Lobby

Getty Images/Thomas Barwick

12.05.2020 – Anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden an diesem Dienstag hat die Münchener Organisation „Wir! Stiftung pflegender Angehöriger“ darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig die Arbeit pflegender Angehöriger ist. Gleichzeitig mahnte Stiftungsvorständin Brigitte Bührlen allerdings: „Pflegende Angehörige sind keine bis zur Erschöpfung benutzbare Ressource!“ Sie pflegten und sorgten teilweise jahrelang einen Angehörigen rund um die Uhr. Sie bekämen dafür aber keine leistungsgerechte Entlohnung.

„Wie sollen Angehörige Beruf und Pflege vereinbaren? Wovon sollen sie leben und wovon ihre Altersvorsorge betreiben? Angehörige müssen für ihre Sorgearbeit einen angemessenen finanziellen Leistungsausgleich bekommen“, forderte Bührlen.

Der Pflegeentlastungsbetrag müsse künftig in allen Pflegegraden frei einsetzbar sein. Nur dann könne das Geld situationsgerecht zur Entlastung verwendet werden.

Bührlen appellierte: „Es muss Schluss damit gemacht werden, dass vor allem ‚für‘ und ‚über‘ Angehörige gesprochen und entschieden wird. Sie brauchen eine eigene Stimme bei allen sie betreffenden Entscheidungen.“

Pflegende Angehörige müssten ermutigt werden, an ihren Wohnorten, in ihren Sozialräumen eine eigene Lobby für ihre Interessen zu bilden, v. a. seien sie auch an örtlichen Entscheidungsgremien zu beteiligen und von der Politik ernst zu nehmen.

„Ihre Erfahrungen müssen in alle die Pflege betreffenden Planungen vor Ort und darüber hinaus maßgeblich mit einfließen“, so die Stiftungsvorständin weiter.

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.