Amazon Sprachassistent

Amazon und Alzheimer Gesellschaft testen, ob Sprachassistent Menschen mit Demenz und Angehörige unterstützen kann

Amazon Sprachassistent

Foto: Amazon

17.05.2022 – Kann ein Sprachassistent Menschen mit Demenz unterstützen, ihren Alltag besser zu bewältigen? Das untersucht das Unternehmen Amazon aktuell gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Expertinnen und Experten beider Seiten begleiteten 12 Menschen mit Demenz. Gemeinsam mit ihren Pflegenden und Angehörigen testeten sie die Funktionen des Sprachassistenten „Alexa“, wie das Unternehmen in der Vorwoche mitteilte.

Erste Rückmeldungen fielen demnach überwiegend positiv aus.

Hilfreiche Funktionen für den Alltag

So habe der „Alexa“-Sprachassistent z. B. im Alltag dabei geholfen, Routinen einzuhalten oder an die Einnahme von Medikamenten zu erinnern.

Einen positiven Effekt auf die Testpersonen mit Demenz hatte laut Amazon das Betrachten alter Bilder, die auf dem Bildschirm des Geräts gezeigt wurden. Das habe ihr emotionales Wohlbefinden und die Aufmerksamkeit gesteigert.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Am häufigsten hätten die Testpersonen die Funktion zum Abspielen von Musik und ausgewählten Radiosendungen genutzt. Musik habe einigen Teilnehmenden zur Aufmunterung gedient.

Weiterentwicklung notwendig

Die Tests hätten nach Angaben des Unternehmens aber auch noch viel Entwicklungspotenzial ergeben. Eines der Hauptanliegen der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen sei gewesen, dass der Sprachassistent sich an ihre Sprachgeschwindigkeit anpasse.

„Da die Betroffenen teilweise sehr langsam sprechen und nach Worten suchen, müsste Alexa dieses verzögerte Sprachtempo berücksichtigen. Genauso bei abweichenden Formulierungen, die Alexa noch nicht erkennt“, teilte das Unternehmen mit.

Ein wichtiger Wunsch sei zudem eine Notruffunktion.

Zusätzlich hätten sich einige der Testpersonen eine alternative Aktivierungsmöglichkeit des Sprachassistenten gewünscht, wie über die automatische Gesichtserkennung oder bestimmte Signalwörter.

Die Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Saskia Weiß, äußerte sich überrascht, wie offen die Testpersonen den Sprachassistenten akzeptiert hätten:

„Das zeigt, Sprachdienste haben das Potenzial, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in ihrem Alltag zu unterstützen.“

Herausforderung für Menschen im fortgeschrittenen Stadium der Demenz

Allerdings nehme im Verlauf einer Demenz die Sprachfähigkeit ab – also jenes Können, das für die Nutzung eines Sprachassistenten ausschlaggebend sei.

Deshalb sei die eigenständige Nutzung des Sprachassistenten für Testpersonen im fortgeschrittenen Stadium nur schwer oder gar nicht möglich gewesen.

Amazon will nach eigenen Angaben den Sprachassistenten an das verzögerte Sprechtempo von an Demenz erkrankten Personen anpassen, damit sie mehr Zeit haben, ihre Anfrage zu formulieren. 

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegebevollmächtigte Claudia Moll

Pflegebevollmächtigte Moll will Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten

Pflegebevollmächtigte Claudia Moll

Foto: Nikolai Kues

12.05.2022 – Pflegebedürftige und pflegende Angehörige schnellstmöglich entlasten und unterstützen – das hat die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, am Donnerstag anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden angekündigt. Sie wolle die ehrgeizigen Ziele aus dem Koalitionsvertrag jetzt angehen.

Nicht erst durch die Pandemie sei klar geworden, unter welch großer Belastung die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu Hause funktionieren müssten, so Moll. 

Sie wolle ihr Augenmerk vorrangig auf 3 Punkte legen.

„Zum einen ist es zwingend notwendig, das Pflegegeld jetzt spürbar zu erhöhen.“

Dieses Geld sei als Unterstützung für die Pflege zu Hause gedacht und müsse mit der Entwicklung der Preise und Löhne Schritt halten.

Leistungen nicht an die Preissteigerungen angepasst

Seit 2017 hätte es trotz der zuletzt deutlichen Preissteigerungen keine Erhöhung gegeben. Für Pflegebedürftige hieße das, dass sie heute weit weniger damit finanzieren können als noch vor 5 Jahren.

Die Erhöhung des Pflegegelds sei daher sofort anzugehen und müsse deutlich ausfallen.

„Zum anderen müssen wir eine echte Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige auf den Weg bringen“, sagte Moll weiter.

Pflegearbeit sei mit finanziellen Einbußen im Erwerbsalter verbunden. Diese könnten sich viele nicht leisten.

Eine echte Lohnersatzleistung sorge für Ausgleich und würde laut der Pflegebevollmächtigten verstärkt auch Männer ansprechen, Sorgearbeit zu übernehmen. Das hätten entsprechende Erfahrungen mit dem Elterngeld bereits gezeigt.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Flexibles Budget für individuelle Bedürfnisse

Sie führt fort:

„Als drittes müssen wir jetzt mit den Diskussionen über die Ausgestaltung eines flexibel einsetzbaren Entlastungsbudgets beginnen.“

Das brächte gerade für junge Pflegebedürftige und Menschen mit einer Behinderung Vorteile. Ein für sie passendes Pflegesetting sei dann besser zu organisieren.

Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Zusammenfassung von Verhinderungs- und Kurzzeitpflege müsse daher rasch umgesetzt werden.

„Gleichzeitig müssen wir prüfen, welche weiteren Leistungen in ein solches Entlastungsbudget einbezogen werden sollten, um die Selbstbestimmung zu stärken.“

Steigende Eigenanteile in Pflegeheimen

Die immer schneller steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen bezeichnet die Pflegebevollmächtigte als Katastrophe. Ihr zufolge seien die Maßnahmen der vergangnen Legislaturperiode, um Bewohnerinnen und Bewohner finanziell zu entlasten, nur ein erster Schritt gewesen.

Da auch künftig Menschen auf Hilfe zur Pflege in Einrichtungen angewiesen sein würden, müsse das sog. „Taschengeld“ bei Hilfe zur Pflege angehoben werden.

Von den aktuell 121 Euro im Monat müssten nicht nur persönliche Dinge finanziert werden, sondern all das, was die Kranken- oder Pflegekasse nicht bezahlt, wie verschreibungsfreie Medikamente.

Über diese Punkte hinaus sieht Moll weiteren Handlungsbedarf etwa in einer rechtssicheren Ausgestaltung der 24-Stunden-Betreuung sowie passgenauer Beratungs- und effektiver Beteiligungsstrukturen.

„Ich weiß, die Herausforderungen in dieser Legislatur sind groß. Gerade deshalb müssen wir die ehrgeizigen Ziele des Koalitionsvertrages umsetzen und jetzt auch für die Pflege durchstarten“, betonte Moll.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

VdK-Studie

VdK-Studie: Jeder dritte pflegende Angehörige überfordert

VdK-Studie

Henning Schacht

10.05.2022 – Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich stark belastet und können die Pflegesituation nur schwer oder nicht mehr bewältigen. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie zur Situation in der häuslichen Pflege, welche die Hochschule Osnabrück im Auftrag des Sozialverbands VdK durchgeführt hat.

Die Studie basiere auf einer Online-Befragung von 56.000 Menschen im vergangenen Jahr.

Demnach seien 72 % der Pflegenden weiblich. Etwa die Hälfte versorge ein Elternteil.

Jeder zweite pflegende Angehörige sei bereits im Rentenalter und körperlich selbst nicht mehr fit. 63 % gaben an, dass sie täglich unter körperlichen Beschwerden litten und 59 %, dass sie wegen der Pflege die eigene Gesundheit vernachlässigen. 

Wunsch nach mehr Entlastungsangeboten

Obwohl die Mehrheit der Befragten sich mehr von den bisher möglichen Entlastungsangeboten wie Tages- und Nachtpflege (61 % der Befragten), Kurzzeitpflege (77 % der Befragten) oder Verhinderungspflege (84 % der Befragten) wünsche, werde ein Großteil dieser Leistungen von ihnen nicht in Anspruch genommen.

Laut VdK sind die Gründe für diesen Widerspruch zum einen, dass es nicht genügend Kapazitäten professioneller Pflegeanbieter gibt. So hätten 49 % der Befragten angegeben, dass nicht genug Tagespflegeplätze zur Verfügung stehen und 56 %, dass es zu wenige Kurzzeitpflegeplätze gibt.

Zum anderen seien die oft hohen Zuzahlungen ein Grund für die geringe Inanspruchnahme. Mehr als die Hälfte der Befragten schrecke dies davon ab, eines der Entlastungsangebote in Anspruch zu nehmen.

Sie befürchteten, dass vom Pflegegeld, welches 82 % der Befragten bekommen, sonst zu wenig übrigbleibt.

VdK-Studie: Antragsverfahren schreckt viele ab

Das Antragsverfahren und die Dauer des Prozederes der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege schrecke zudem jeden fünften der Befragten ab.

„Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung, und zwar eine, die auch wirklich zur Verfügung steht, zu ihren Bedürfnissen passt und sie unbürokratisch erreicht“, fasste VdK-Präsidentin Verena Bentele die Ergebnisse der Befragung auf einer Pressekonferenz am Montag zusammen.

Ihr zufolge ist eine grundlegende Reform der Unterstützungsleistungen nötig. Ein einheitliches Budget, in das alle Ansprüche einfließen, hilft laut VdK vielen Menschen mehr.

Bentele konkretisierte:

„Dann würden nicht genutzte Leistungen auch nicht mehr verfallen. Man nutzt das Geld für die Leistung, die einem was bringt. Zudem muss es möglich sein, dass damit auch die Personen bezahlt werden, die die Betroffenen schnell und verlässlich unterstützen und entlasten können: die Nachbarin, jemand aus dem Freundeskreis, Ehrenamtliche.“

Dies würde das System übersichtlicher machen und es vereinfachen.

Unabhängige Beratung notwendig

„Dringend notwendig ist zudem eine unabhängige Beratung“, so Bentele. Denn die Studie zeige auch, dass pflegende Angehörige deutlich weniger Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, wenn sie keine Beratung erhalten.

Wenn pflegende Angehörige beraten werden, steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Pflegeleistung nutzen, um ein Vielfaches. Im Fall der Tagespflege etwa von 17 % auf 83 %.

Bentele sagte weiter:

„Die Ergebnisse bestätigen: Die häusliche Pflege ist am Limit. Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde. Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflege-Zukunft entgegen!“

Kampagne zur Unterstützung pflegender Angehöriger gestartet

Mehr als 80 % der insgesamt 4,1 Mio. Pflegebedürftigen in Deutschland würden zu Hause von nahestehenden Menschen versorgt – entweder allein oder mithilfe von ambulanten Pflegediensten.

Die VdK-Studie zeige, dass auch in Zukunft die meisten Deutschen die Pflege zu Hause der in einem Pflegeheim vorziehen.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Aus diesem Grund hat der VdK am Montag mit der Präsentation der Studienergebnisse die Kampagne „Nächstenpflege braucht Kraft und Unterstützung“ zur Stärkung der häuslichen Pflege gestartet.

„Häusliche Pflege steht nur für den Ort, wo gepflegt wird. Es geht aber um viel mehr: Die Beziehung zwischen Pflegebedürftigem und Pflegendem. Diese Beziehung ist sehr emotional und von Liebe geprägt. Deshalb sprechen wir nicht mehr von häuslicher Pflege, sondern von Nächstenpflege“, sagte Bentele dazu.

Menschen, die ihre Nächsten zu Hause pflegen, hätten keine Lobby und keine Zeit für ihre Belange auf die Straße zu gehen. „Deshalb geben wir ihnen eine Stimme“, sagte die VdK-Präsidentin zum Auftakt.

Den Anfang machte der VdK am Montag mit einer Demonstration ohne Menschen vor dem Kanzleramt, für die er die Botschaften seiner pflegenden Mitglieder auf Schilder gedruckt und aufgestellt hat.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Pflegereform

Landesprogramm soll Vereinbarkeit von Beruf und Pflege stärken

Pflegereform

Getty Images/Luis Alvarez

14.04.2022 – In Nordrhein-Westfalen (NRW) ist ein neues Landesprogramm zur Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege an den Start gegangen. Mit dem Programm sollen sowohl die pflegenden Personen als auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit spezifischen Informationsmaterialien unterstützt und Betriebe beraten werden, wie sie sich pflegefreundlicher aufstellen können. Das teilte die Landesregierung zum Start des Programms im März mit.

NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann (CDU), sowie Vertreterinnen und Vertreter der Pflegeversicherung, der AOK Rheinland/Hamburg, verschiedener Unternehmen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) NRW gaben gemeinsam den Startschuss. Das Ziel der gemeinsamen Initiative sei eine Verbesserung der Vereinbarkeit einer Berufstätigkeit mit der Pflege von Angehörigen.

So soll nicht nur die Situation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Pflegeverantwortung verbessert werden, sondern gleichzeitig ein Beitrag zu Fachkräftesicherung und -gewinnung für Unternehmen geleistet werden.

Das Landesprogramm werde vom Sozialministerium zusammen mit den Landesverbänden der Pflegekassen und dem Verband der Privaten Krankenversicherung zunächst für 3 Jahre jeweils hälftig mit insgesamt 2,4 Mio. Euro gefördert.

Pflegende Angehörige sind eine wichtige Stütze

NRW-MinisterKarl-Josef Laumann betonte:

„Dass sich Beruf und Pflege miteinander in Einklang bringen lassen, ist in unserer alternden Gesellschaft von großer Bedeutung“

Das läge daran, dass immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen seien, aber auch wegen der wachsenden Zahl Berufstätiger, die den Spagat zwischen ihrer Arbeit und der Pflege von Angehörigen meistern müssten.

„Die Landesregierung hat die Wichtigkeit des Themas erkannt. Erstmals in einem Koalitionsvertrag haben wir uns darauf verständigt, dafür Konzepte zu erarbeiten, weil wir die Unterstützung der Familien bei der Pflege ihrer Angehörigen brauchen“, so Laumann weiter.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Das Programm richte sich an Arbeitgebende sowie Arbeitnehmende und unterstütze sie u. a. mit folgenden Angeboten:

  • Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in NRW für Arbeitgebende,
  • Qualifizierung für innerbetriebliche Ansprechpartnerinnen und -partner (Pflege-Guides) durch die AOK Rheinland/HH und Nordwest in Form von kostenfreien Kursen für Unternehmen, Betriebe, Behörden, Organisationen,
  • zielgruppenspezifische Informationsmaterialien für Unternehmerinnen und Unternehmer zum Aufbau von Vereinbarkeitsstrukturen (z. B. Faktenblättern, Pflegekoffer),
  • Informationen und Vernetzung über ein digitales Angebot des Landesprogramms,
  • Netzwerkveranstaltungen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit regionalen Strukturen von Beratung sowie Entlastung im Kontext „Pflege“,
  • Begleitveranstaltungen für Pflege-Guides,
  • Forschung und Teilhabe an Forschungsergebnissen

Charta „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ an erste Betriebe verliehen

NRW-Staatssekretär Edmund Heller hat Ende März bereits den ersten Betrieben im Land die Charta für „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ als Teil des Programms verliehen.

Mit der Charta würden Unternehmen, Behörden und Organisationen ausgezeichnet, die sich besonders für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzten, die neben dem Beruf Angehörige pflegten.

Vereinbarkeits-Partnerinnen und -Partner erklärten mit dem Zeichnen der Charta ihre Absicht zur Entwicklung eines pflegefreundlichen Unternehmens.

Die Charta verhelfe u. a. dazu, dieses Engagement im und außerhalb des Unternehmens sichtbar zu machen. V a. im Hinblick auf die angespannte Fachpersonalsituation könne sie – die auch als digitales Signet auf der Webseite geführt werden kann – einen Vorteil bedeuten.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

pflegende Eltern

5 Handlungsempfehlungen zur Unterstützung pflegender Eltern

pflegende Eltern

Getty Images/Patryce Bak

07.04.2022 – Der Bundesverband „wir pflegen“ setzt sich dafür ein, pflegende Eltern “endlich” als gleichberechtigte Partner in der Familien- und Pflegepolitik wahrzunehmen. Aktuell werde diese Personengruppe nicht ausreichend berücksichtigt. Der geschäftsführende Vorstand Sebastian Fischer sagte am Dienstag auf einer digitalen Pressekonferenz:

“Das System der häuslichen pflegerischen Versorgung ist auf die Seniorenpflege ausgerichtet. Angefangen bei den Beratungsstellen, über Entlastungsangebote bis hin zur Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln. Die Bedarfe pflegender Eltern kommen überall zu kurz, das muss endlich in den Blick genommen werden.”

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Massive Einschnitte in persönliche Freiheit der pflegenden Eltern

Denn die ohnehin prekäre Situation pflegender Eltern habe sich in der Corona-Pandemie verschärft. Dringend benötigte Unterstützungsleistungen stünden auf dem Pflegemarkt oft nur eingeschränkt oder überhaupt nicht zur Verfügung. Pflegeverträge würden kurzfristig gekündigt, insbesondere bei beeinträchtigten Kindern mit sehr hohem Pflegeaufwand.

Die Pflege eines Kindes sei in der Regel eine lebenslange Aufgabe und bedeute massive sowie dauerhafte Einschnitte in die finanzielle und persönliche Freiheit der pflegenden Eltern. Parallel zur Pflege sei eine bezahlte Erwerbstätigkeit nahezu unmöglich – nicht zuletzt wegen der fehlenden Betreuungsangebote, des ambulanten Pflegenotstands und mangelhafter Inklusion an Kitas und Schulen, kritisierte Fischer. Sein Verein fordert deshalb einen Paradigmenwechsel in der Unterstützung pflegender Eltern und dringendes Handeln der Politik.

Paradigmenwechsel in der Unterstützung pflegender Eltern nötig

Eine in dieser Woche veröffentlichte Handlungsempfehlung fasst die wichtigsten Punkte zur Unterstützung pflegender Eltern zusammen:

  • Abbau von Bürokratie und Verwaltungsaufwand
  • Erleichterung der Hilfs- und Heilmittelbewilligung
  • Zugehende, fallspezifische Beratung
  • Kita und Schule: Recht auf Bildung, Gemeinschaft und Betreuung
  • Aufbau und Ausbau aller Entlastungs- und Unterstützungsangebote

Die Leiterin der Selbsthilfegruppe “Teilhabe jetzt!”, Verena Sophie Niethammer, hat die Handlungsempfehlung miterstellt und erläuterte, dass Eltern von Kindern mit Behinderungen häufig auf sich allein gestellt sind. Zwar hätten Kinder mit Behinderung theoretisch viele Rechte – meist müssten diese aber erst vor Gericht erstritten werden. Zudem erhielten Eltern weder einen Lohn für ihre Care-Arbeit, noch könnten sie Feierabend machen oder Urlaub nehmen.

Finanzielle Nöte pflegender Eltern 

Pflegesensible Regelungen, z. B. Teilzeitrecht und Pflegekranktage, fehlten in der Arbeitswelt. Niethammer verdeutlichte:

“Viele pflegende Mütter landen gesellschaftlich und wirtschaftlich im Abseits und ihre Gesundheit und Psyche leidet unwiederbringlich. Die Krönung dabei ist – wer sich aktuell Unterstützung holt, wird dafür noch abgestraft. Da beispielsweise bei Hospizaufenthalten das Pflegegeld nicht weitergezahlt wird.”

 

 

Über die Autorin

Nadine Millich ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Kuren für pflegende Angehörige

Kuren für pflegende Angehörige – Gestärkt geht es besser!

Kuren für pflegende Angehörige

GettyImages/Image Source

Angehörige, die sich um beeinträchtigte Ehe- oder Lebenspartner kümmern, Kinder, deren Eltern sich im Alter nicht mehr selbst versorgen können, Eltern, die ihre Kinder pflegen – ohne sie wären stationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland hoffnungslos überlastet. Aus der Herzensaufgabe der Pflege eines Angehörigen, die häufig wie selbstverständlich übernommen wird, kann aber schnell eine Überforderung werden. Eine Kur für pflegende Angehörige kann helfen, schwierige Pflegesituationen zu entspannen.

Weiterlesen

Versorgung bei räumlicher Distanz

Versorgung von Angehörigen bei räumlicher Distanz – Zwischen zwei Welten

Versorgung bei räumlicher Distanz

Heutzutage leben viele Menschen in räumlicher Entfernung zu ihrem schwer kranken oder sterbenden Angehörigen. Das betrifft beispielsweise erwachsene Kinder, die ihren Heimatort für Studium, Beruf oder Partnerschaft verlassen haben und daher in räumlicher Entfernung zu ihren Eltern wohnen, oder Menschen mit Migrationsgeschichte, die ihre Angehörigen im Ausland zurückgelassen haben. Die Fürsorge für eine räumlich entfernt lebende unheilbar erkrankte oder sterbende Person kann mit besonderen Herausforderungen und Belastungen verbunden sein.

Weiterlesen

Schlafprobleme

Schlafprobleme: Tipps für pflegende Angehörige

Schlafprobleme

GettyImages/AndreyPopov

10.03.2022 – Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat auf seiner Webseite praktische Tipps für einen besseren Schlaf zusammengestellt. Denn viele pflegende Angehörige schliefen schlecht, teilte das ZQP am Mittwoch mit. Das beeinträchtige stark die Lebensqualität und führe zu erheblichen gesundheitlichen Problemen.

Die Ursachen für Schlafprobleme könnten unterschiedlich ausfallen. Insbesondere die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person hätten laut ZQP Einfluss auf die Schlafdauer und -qualität z. B. des pflegenden Ehepartners.

Pflegende Angehörige müssten öfter ihre Nachtruhe unterbrechen, bspw. wenn die pflegebedürftige Person Hilfe benötige, sehr unruhig oder aktiv sei.

Auch Stress und andere gesundheitliche Belastungen könnten Schlafprobleme auslösen. Resultat: Viele pflegende Angehörige könnten über einen längeren Zeitraum hinweg nicht lange genug, nicht tief genug oder nur mit Unterbrechungen schlafen.

Schlafprobleme können die Gesundheit beeinträchtigen

Dies könne zu Übermüdung und Gereiztheit führen und in der Folge die Pflegebeziehung belasten.

„Andauernder Schlafmangel trägt zudem teilweise zu sozialem Rückzug oder Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags bei“, konkretisierte das ZQP.

Länger bestehende Schlafprobleme seien nicht zuletzt ein Risiko für die Gesundheit. Sie könnten zu Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Rhythmus-Störungen, Depressionen oder Demenz beitragen.

Sollten Schlafprobleme über Wochen anhalten, rät das ZQP dazu, sich ärztlichen Rat einzuholen.

Einschlafrituale helfen bei Schlafproblemen

Die Grundlage, um guten Schlaf zu fördern, sei zunächst, auf das eigene Schlafverhalten zu achten. Guter Schlaf könne durch Gewohnheiten und Rituale gefördert werden. Dazu gehöre z. B. zu festen Zeiten ins Bett zu gehen, vor dem Einschlafen zu lesen oder ruhige Musik zu hören.

ZQP Pflegeexpertin Daniela Sulmann empfiehlt:

„Außerdem ist es ratsam, für einen möglichst gesunden Alltag zu sorgen.“

So könne Bewegung am Tag, wie Spaziergänge an der frischen Luft oder Sport, den Schlaf in der Nacht verbessern.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Außerdem könne die richtige Ernährungsweise ebenfalls Schlafproblemen vorgebeugen. Schweres Essen am Abend sowie koffeinhaltige Getränke und Alkohol seien indes vor dem Schlafengehen zu meiden.

Gezielt an den Ursachen der Schlafprobleme arbeiten

„Wenn die Ursache von Schlafproblemen in wiederholten Schlafunterbrechungen liegen, um der pflegebedürftigen Person Hilfe zu leisten, gilt es, die Situation zu analysieren und dann gezielt an den Umständen zu arbeiten“, so Sulmann.

Die Expertin erläutert weiter:

„Vielleicht schläft die pflegebedürftige Person tagsüber zu viel, hat zu wenig Bewegung und geistige Anregung oder es muss die ärztliche Schmerzbehandlung angepasst werden. Nächtliche Unruhe bei der pflegebedürftigen Person könnte auch an häufigem Harndrang liegen; dann kann es eventuell sinnvoll sein, die Trinkmenge eher über den Vor- und Nachmittag zu verteilen und zum Abend hin weniger zu trinken.“

Laut ZQP ist in manchen Fällen auch der Einsatz technischer Hilfsmittel nützlich, z. B. einer Trittmatte, die Pflegende alarmiert, wenn die zu pflegende Person nachts das Bett verlässt. Pflegende Angehörige könnten sich dadurch sicherer fühlen, erst aufzuwachen, wenn Hilfe benötigt werde.

„Sie sind dann nicht immer in Habachtstellung und schlafen daher teilweise ruhiger.“

Weiter Tipps finden Interessierte auf dem kosten- und werbefreien Online-Portal des ZQP.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Weltfrauentag, pflegende Angehörige

Weltfrauentag: Verein „wir pflegen“ fordert Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

pflegende Angehörige

Getty Images/filadendron

08.03.2022 – In Deutschland übernehmen rd. 5 Mio. Menschen die Pflege eines Angehörigen. 3 von 4 davon seien Frauen. Darauf weist der Bundesverband „wir pflegen“ in einer Mitteilung zum Weltfrauentag am Dienstag hin. Viele von ihnen müssten demnach ihre Erwerbsarbeit aufgrund der Pflegetätigkeit aufgeben, was zu starker sozialer Ungerechtigkeit führe.

Deshalb fordert der Bundesverband weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie zur Alterssicherung.  

Vorstandsmitglied Edeltraut Hütte-Schmitz sagte:

„Unser Pflegesystem schiebt die Verantwortung für die Pflege auf die Familien. Dort leisten immer noch Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit. Das fängt bei der Betreuung und Pflege von Kindern an und setzt sich fort, wenn es um die Pflege der alternden Eltern geht.“

Hohe Belastungen und prekäre Lebenslage

Für Frauen gingen mit der Pflege eines Angehörigen häufig hohe Belastungen und prekäre finanzielle Lebenslagen einher.

Laut „wir pflegen“ könnten viele der Frauen nur in Teilzeit arbeiten oder müssten ihren Beruf aufgrund fehlender Unterstützungsangebote ganz aufgeben. 

Hütte-Schmitz verdeutlichte:

„Besonders betroffen sind hiervon Mütter pflegebedürftiger Kinder, sie pflegen oft ein Leben lang. Die eingeschränkten Betreuungsmöglichkeiten machen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nahezu unmöglich. Das zieht erhebliche Folgen für die eigene Altersabsicherung nach sich: Armut durch Pflege ist dann oft vorprogrammiert.“

Nach Angabe des Bundesverbands bedürfe es einer grundlegenden Modernisierung des Pflegesystems, um die Benachteiligung von Frauen zu reduzieren und eine geschlechtergerechte Aufteilung der Pflegeverantwortung zu erreichen.

Nicht verpassen: Pflegekasse übernimmt Kosten für Online-Pflegekurs

Pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen kostenfreien Schulungskurs. Die Kosten für den zertifizierten Online-Pflegekurs von “Angehörige pflegen” werden von jeder Pflegekasse komplett übernommen.

Flexible Arbeitsmodelle und Lohnersatzleistungen

Hütte-Schmitz zufolge gehörten dazu ausreichende bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige und flexiblere Arbeitsmodelle.

Mit der Einführung einer Lohnersatzleistung könnten bspw. pflegende Angehörige und insbesondere Frauen die Berufstätigkeit temporär reduzieren, sagte sie weiter.

„Lohnersatzleistungen wären auch für Männer ein Anreiz, mehr Pflegeverantwortung zu übernehmen. Darüber hinaus sollte die Anerkennung von Pflegezeiten rentenrechtlich gleichgestellt werden mit Erziehungszeiten.“

Weiterhin plane der Verein „wir pflegen“ in Kürze eine ausführliche Handlungsempfehlung zur Verbesserung der Position pflegender Angehöriger zu veröffentlichen, darunter auch weitere Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege und zur Alterssicherung pflegender Angehörige.

Über die Autorin

Kristina Stein ist Redakteurin im Bibliomed-Verlag.

Mundpflege

Mundpflege bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung

Zähneputzen

GettyImages/Richard Bailey Photography

EEs ist gar nicht so einfach, unterstützende Mundpflege bei Familienangehörigen durchzuführen. Das zeigt die Erfahrung der Abteilung für Behindertenorientierte Zahnmedizin der Universität Witten/Herdecke regelmäßig. Dies gilt sowohl für pflegebedürftige Senioren als auch für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Über die speziellen Anforderungen bei der unterstützenden Mundpflege von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung im jüngeren und mittleren Alter wird aber nur selten berichtet.

Weiterlesen